Mittwoch, 7. Februar 2007

Zensur im Blog

Don Alphonso greift ein Thema auf, dass in den nächsten Monaten wahrscheinlich sehr wichtig in der deutschen Blogszene werden wird: Soll man alle Informationen über ein Thema weitergeben und in seinem Blog publik machen? Oder sollte man lieber ein paar Dinge für sich behalten? Und wenn man letzteres macht, ist man dann nicht genauso schlecht, wie jene Zeitungen oder Behörden, die das Zurückhalten einer Information damit begründen, dass dies zum Wohle der Leser/des Volkes geschieht? Natürlich kann man sagen: Blogs sollten anders sein - wer Graswurzeljournalismus betreibt, wer gleichzeitig über die "alten Medien" schreibt, dass sie genauso Lobbyisten geworden sind, wie eine beliebige Industrievertretung, der sollte mit gutem Beispiel voran gehen und über all das schreiben, was man weiß. Der Leser ist klug genug zu unterscheiden, was für ihn persönlich wichtig ist, und was nicht. Diese Einstellung ist aber in dem Moment schon nicht mehr tragbar, wenn durch einen Blogeintrag Leib und Leben eines anderen Menschen gefährdet ist, was aber vielleicht ein extremes Beispiel ist. Eine anderes Beispiel war und ist die Veröffentlichung jener Videos, in denen StudiVZ Gründer Ehssan Dariani deutlich zeigte, dass man sich nicht dabei filmen lassen sollte, wenn man sich selber mit einer Videokamera vor ein paar fremden Frauen lächerlich macht. So sehr ich die Kritik an StudiVZ und an Ehssan nachvollziehen konnte, das ging mir doch persönlich ein ganzes Stück zu weit.

Aber es ist nicht nur die Schere des Anstands, die schwer ist zu definieren. Blogs haben im letzten Jahr so einiges bewegt und sind sehr in den Fokus der Medienöffentlichkeit geraten. Wie stark, zeigt sich an der Geschichte bei Spreeblick die eine kleine Story über einen Bürgermeister hatten, und diese rausnahmen, als die ersten Medien am Telefon waren. Denn die Welt der Medien da draußen, ist ganz sicher nicht so gut, überparteilich und brav, wie mache Menschen gerne denken. Journalisten sind nicht die Hohepriester der Wahrheit, haben nicht das Wesen eines kleinen, puscheligen, blinden Welpen. Die Medien werden von Menschen gemacht, und diese Menschen haben hier und da Rechnungen zu begleichen. Manche wollen einem Politiker etwas böses, weil sie in einer anderen Partei sind (viel häufiger passiert das allerdings, wenn sie in derselben Partei sind), manche Menschen suchen einfach nur eine schöne große Story, die mal wieder ein paar Klicks oder Zuschauer bringt. Was mit den Menschen geschieht, die wegen der Quote für ein paar Stunden oder Wochen in den Nachrichten war, das interessiert ja nicht. Ich kann eine eine lustige Geschichte über eine flapsige Bemerkung eines Politikers machen, der Journalist der Zeitung XYZ macht daraus etwas völlig anderes. Wer unter Beobachtung der Medien oder einer große Öffentlichkeit steht, der wird schnell merken, dass man nicht mehr einfach so mal eben eine Geschichte raus haut und schaut was passiert.

Aber ein paar einfache Regeln beim Erstellen einer Geschichte helfen einem schon:

  • Solange es nur um einen selber geht, kann man alles schreiben, was man will. Die Grenzen werden durch die eigene Leidensfährigkeit, Exhibitionismus oder Schamgrenze bestimmt. Egal ob ich über mein Sexualleben berichten möchte, oder über das, was ich gerade zum Frühstück hatte.

  • Sobald eine andere Person in dem Beitrag eine Rolle spielt, wird es schon schwieriger. Ich weiß, das, denn ich habe auch bei einigen Texten unterschätzt, wie klein das Internet ist. Bei dem Text über meine ehemalige Grundschullehrerin, meldete sich nach Monaten ein Angehöriger, der sich bitterlich über meinen Geschichte beschwerte. Ein anderer Mal habe ich über eine Ex-Freundin geschrieben. Die Geschichte hatte ich sehr verfremdet, aber dennoch erkannte sie sich wieder und war not amused. Solange man sich nach einer Geschichte privat ein wenig anzickt, ist es aber noch ok. Der Schreibende hat ja durchaus einen Grund etwas zu schreiben, über die Formulierungen kann man aber sicher lange und anhaltend streiten.

  • Wenn man über Menschen schreibt, die einen nicht kennen, und wenn man sich nicht lobend über diese Menschen äußert, dann wird es gleich doppelt schwierig. Zum einen kann man wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts abgemahnt, werden. Zum anderen muss man immer überlegen, ob das, was man schreibt, nur aus einer Momentaufnahme besteht, oder ob man wirklich in der Lage ist, über jemanden eine dezidierte Meinung wiedergeben zu können. Im Prinzip gilt bei Beschimpfungen etc. eigentlich immer, dass man nur das schreiben sollte, was man jemanden auch ins Gesicht sagen würde.

  • Und schließlich: ja, man kann auch Geschichten wieder offline nehmen, wenn man den Eindruck hat, dass man etwas weitreichendes los getreten hat, was man in der Art nicht wollte. Man sollte dann aber so ehrlich sein wie Johnny Spreeblick, und was dazu schreiben.

Sollte man eh in jedes Blog einbauen, diesen Link zum wasted comment dump der auch für nicht geschriebene oder gelöschte Blogeinträge gilt.

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Dienstag, 6. Februar 2007

"Woran ich mich noch gewöhnen muss, ist, dass die Programme erst richtig geschlossen werden wenn man Apfel-Q drückt, bis dahin hängen die noch im Dok rum. Das will man ja nicht. Dieses james-dean-esque Verhalten ist mir suspekt, ewig lungern sie noch in der Nähe der Ranch rum und eines Tages finden sie dann Öl, verhöhnen mich und ficken meine Tocher."

Während ich überlege demnächst mal auf Linux umzusteigen, steigt Ben gerade auf einen Mac um. Und das sehr amüsant

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"Das ist nämlich so, " erklärte mir Tom und ließ fachmännisch den billigen Johnny Walker im Glas kreisen, "die im Osten, die sind so lange hinterm Mond gewesen, die wissen gar nicht, wie das geht, mit dem guten Sex." Zufrieden ob seiner Feststellung ließ er sich grinsend noch ein Stück tiefer in sein speckiges, grünes Sofa sinken, dass er unter einem sehr großen Sperrmüllhaufen heraus gezerrt hatte. Tom war groß, schlank, dunkelhaarig und ein wenig schaute er wie der damalige James Bond Darsteller Timothy Dalton aus, was ihm, wie er unbescheiden gerne heraus posaunte, bei "... den Ost-Mädels" die Sache noch leichter machte. Tom hatte gerade eine einwöchige Tour durch die ehemalige DDR hinter sich gebracht. Einfach so, mit seinem steinalten Audi 80, ein paar Kassetten und einem schwarzen Anzug. Tom wollte wissen, wie das so ist, da drüben, wie die Landschaft aussieht und ob die Städte wirklich so kaputt waren, wie sie im Fernsehen immer sagten.

Aber er blieb dann schon in Magdeburg hängen, weil er Abends in der mobilen Diskothek eines DJ aus dem Ruhrgebiet eine Frau kennen lernte, mit der zwei Stunden später in seinem wackligen Hotelbett lag. Am nächsten Abend versuchte er sein Glück in einer anderen mobilen Diskothek, die in Magdeburg offenbar so dicht gedrängt nebeneinander standen, wie heute Brötchenläden und Handyshops.

[...]

Weiter geht die Geschichte in der neuen Ausgabe von mindestenshaltbar.net

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Montag, 5. Februar 2007

Danke. BGH kassiert Bundestrojaner.

Aber so wie ich die Politik zur Zeit einschätze bedeutet aufgehoben nur aufgeschoben. Siehe zu diesem Thema "Bundeswehreinsatz im Inneren" u.ä.

Ich frag mich sowieso, wie die das machen wollen und was das am Ende bringen soll. Sicher, kein System ist dicht, aber wenn ich meine Daten in verschlüsselten Ordner auf eine externen Platte packe, oder einfach einen zweiten Rechner besitze, dürfte das schon schwerer werden mit der Datenbeschaffung. Und wie kommt der Trojaner auf die Platte, wenn man ausschließlich beim WLAN des Nachbarn oder per FON surft? Und wie ja nun außerdem weithin bekannt ist (und selbst in schlechten Terroristenfilmen mit Dolph Lundgren gezeigt wird) nutzen Menschen, die böses planen auch gerne mal ein Internetcafé. Da fragt man sich doch ernsthaft, für oder gegen wen oder was, dieser Bundestrojaner eigentlich gerichtet ist. Professionelle Terroristen können jedenfalls nicht gemeint sein.

Nachtrag 18:23 Uhr Zwei sehr gegensätzliche Kommentare zum Thema "Online Durchsuchungen", die man auf jeden Fall gelesen haben sollte.

Heribert Prantl in der SZ Jochen Bittner in seinem Blog bei der Zeit

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