So - ich hab jetzt auch mal in diese "Feuchtgebiete" reingelesen und wieder weggelegt. Also dieses Buch von der Roche, von dem alle reden. Ich wollte sehr viel dazu schreiben - zum Beispiel, dass ich bei Roche schon immer dachte, dass ihr Körpergeruch vermutlich unter den Begriff "anstrengend" fällt. Was gemein ist, denn ich hab noch nicht an ihr rumgeschnuppert (und es auch nicht vor) und außerdem ist es irgendwie auch ein wenig schlecht über Dinge Vermutungen anzustellen, die erst mal gar nichts mit den literarischen Fähigkeiten zu tun haben. Ich kannte mal einen Theaterautoren, der stank wie die Hölle, einfach unerträglich, war aber sehr erfolgreich. Und dann war da noch der Typ aus dieser recht bekannten Band in Köln, der immer Essensreste im Bart und sonstwo hatte, und ich meine wirklich immer, manchmal hingen die ein paar Tage drin, bis sie halt vertrocknet waren und rausfielen. Hat seinem Erfolg bei den Frauen nur minimal eingeschränkt. Aber darüber schreibe ich jetzt nicht, denn das hat Malte neulich schon schön zusammengefasst.
Worüber ich aber noch ein Wort verlieren möchte ist der Sex. Warum können deutsche Autoren nicht so über Sex schreiben, dass man bei näherer Betrachtung auf den Gedanken kommen könnte, die Sache würde unter speziellen Umständen auch mal Spaß machen? In deutschen Büchern wird der Sex ganz weggelassen, oder spielt vor einem Bergpanorama ("Heidi!" - "Ziegenpeter!" - "Großvater!"), oder er ist stilistisches Mittel um den nahenden Selbstmord zu rechtfertigen (Frauenliteratur, DDR), oder er ist ein Geschenk, über den sich der Mann wie ein kleiner Junge zu Weihnachten freut (Joseph von Westphalen) oder die sexuelle Berichterstattung wird möglichst ekelerregend formuliert, damit ja nicht der Verdacht aufkommen würde, es könne auch mal was nettes sein (Jörg Fauser, Frau Roche). Vielleicht sollte man das mal machen - den Roman schreiben, in dem alle fürchterlich gerne Sex haben, einfach so, ohne daran zu denken, wie doof man beim Sex aussieht, oder was man so an Körperflüssigkeiten vermengt und wie die wohl schmecken, wenn man... usw. Vermutlich ist das aber langweilig und keiner wills lesen.
Da lag es nahe, mal eine Ausgabe zu diesem Thema ins Netz zu stellen. Ich war selber vorher gespannt, welcher Autor etwas schreiben würde, und wer mit welcher Geschichte aufwartet. Das es weniger als sonst sind, hat mich nicht überrascht. Manchen Autoren fiel zum Thema nichts ein, mancher wollte sich nicht damit beschäftigen. "Wenn ich da anfange zu wühlen, " schrieb mir eine Autorin, "dann kann ich gleich wieder in Therapie gehen."
Daher gilt den Autoren, die sich getraut haben, in diesem Monat ein ganz besonderer Dank. Insbesondere möchte ich Glamourdick danken, der die Titelgeschichte liefert.
Eine weitere Ankündigung: Eine Autoren von "Mindestenshaltbar" werden demnächst live auf der Bühne lesen. Am 05.04.08 gibt es eine "Mindestenshaltbar" Lesung. Zugesagt haben bisher:
Jochenausberlin Björn Grau Maike Axel Wegner Ally Klein Modeste Susanne Englmayer
Ort: Ori Friedelstraße 8 Berlin-Neukölln 20.00 Uhr
Ein Banner folgt noch am nächsten Wochenende.
Sonntagnachmittags Musik VII
Horace Silver - Senor Blues.
Diese Woche gibt es was passendes zum Wetter. Ein wenig Afro-Latin-Jazz-Hardbop Blues aus dem Jahr 1959. Horace Silver war um diese Zeit ein sehr bekannter Jazz Pianist, der Anfang der 50er von Stan Getz entdeckt wurde, und sich später zusammen mit Art Blakey einen Namen gemacht hatte. Er stammt aus der New Yorker Jazzszene, die in den 50er Jahren wohl der "place to be" war und hat mit allen Größen seiner Zeit gearbeitet, wie ein Blick auf seine Discographie verrät. Sein bekanntester Song dürfte "Song for my father" sein, den man hier in Auszügen bei einem Auftritt in den 90er Jahren hören kann. Mitte der 60er Jahren änderte er seinen Stil ziemlich radikal und ging mehr in die zunächst populäre Free Jazz Ecke, ohne allerdings komplett seine Wurzeln aus Bebop und Hardbop zu vergessen. Wer sich das anhören mag: hier ist ein Beispiel. Ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die späten Free Jazz Sachen von Silver haben einen sehr eigenartigen Zauber. Im ersten Moment ist hektisch, unkontrolliert und nicht wirklich hübsch, dann entwickeln sich die Stücke plötzlich und ich denke nach ein paar Minuten "Wowww." Silver ist da aber für mich da eine absolute Ausnahme. Bei mir hört der Jazz normalerweise mit dem Free Jazz auf (und zwar bevor er Koks-bedingt komplett durchdrehte) und startet teilweise dann wieder neu mit den Nu Jazz/Electro Jazz Sachen, wie zum Beispiel mit dem "The Cinematic Orchestra" oder der schwedischen Band "Koop".
Silver lebt in Kalifornien und wird im September 80. Auf der Bühne wird man ihn wohl nicht mehr sehen, er leidet laut Wikipedia an Alzheimer.
Hmmmmmmmm...?!?
Mit einem dreifachen Burbon und damit fange ich jetzt mein Wochenende an.
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