Montag, 14. April 2008

Mich fragt auch keiner, also antworte ich aus reiner Bockigkeit.

DonDahlmann, twittert seit 14.03.2007, Location: Berlin, Following 150, Followers 483, Updates: 1.226

CemB: Was ist eigentlich der Spaß an Twitter für dich?

Ähnlich wie beim bloggen, ist die Mischung aus der Neugierde anderen ins Wohnzimmer zu schauen, und der schöne Sache, mit anderen Menschen Kontakt halten zu können. Ich weiß so immer, wann Malte Diedrich ein Franzbrötchen isst, Sascha Lobo seinen Buchabgabetermin überzieht, Kosmar im Oberholz sitzt oder und das Kind von Merlix an irgendeinem Kabel nagt. Letztlich ist eine Art IRC-Chat mit ausgewählten Personen und der Möglichkeit Trolle erst gar nicht zuzulassen. Außerdem kenne ich keine bessere Methode als Twitter um im Urlaub die anderen mit Sätzen wie "Frühstück bei 27° am Pool, gleich noch mal schlafen, dann Abendessen", in den Wahnsinn zu treiben. Und es ist ein wirklich gutes Prokrastinierungstool.

CemB: Worüber twitterst du? Was twitterst du? Zu welchen Zeiten twitterst du?

Es gibt keine festen Zeiten. Meist mach ich das, wenn ich genervt, gelangweilt, übermütig, betrunken, mitteilungsbedüftig oder glücklich bin. Also eigentlich immer. Betrunken twittern ist allerdings ähnlich gefährlich, wie betrunken bloggen oder Mails schreiben.

CemB: Hat Twitter deine Kommunikationsgewohnheiten verändert? Dein Leben bereichert?

Bereichert auf jeden Fall. Es ist halt spannenend, wenn man anderen beim Alltag zuschauen kann. Man ist dichter an den Freunden und Bekannten dran, als man das mit einem Blog wäre. In Sachen Kommunikation hat sich auch einiges verändert. Ich nutze die Möglichkeit, jemanden über Twitter direkt anzusprechen mittlerweile bei Kleinigkeiten deutlich häufiger. Statt einer Mail schreibe ich lieber eine direkte Mitteilung. Außerdem chatte ich mittlerweile überhaupt nicht mehr. Ich hatte ab und an noch meebo als Chatclient offen, aber mittlerweile läuft das fast alles über Twitter.

CemB: Nutzt du es für dein Networking? Wie drückt sich das für dich aus?

Ja und nein. Im geschäftsmäßigen Sinne nutze ich Twitter nicht, was den Kontakt mit Freunden angeht, schon.

CemB: Hast du durch Twitter neue Themen und Leute kennengelernt? Neue Impulse und Anregungen bekommen?

Ich hab einige neue und sehr nette Menschen per Twitter kennen gelernt. Das waren teilweise Leute, deren Blogs ich aber schon vorher am Rande auf meinem Radarschirm hatte und mit denen ich dann enger in Kontakt gekommen bin. Anregungen sind noch nicht so viele entstanden. Ehrlich gesagt, weil ich auch noch nicht so richtig weiß, was genau Twitter eigentlich bringt. Auf der anderen Seite stosse ich über Twitter immer wieder Links und Artikel, die ich sonst nicht gefunden hätte.

CemB: Nutzt du Twitter auch beruflich?

Jein. Ich hab mal einen Artikel darüber geschrieben und sitze gerade wieder an einem. Allerdings entzieht sich Twitter weiter jeglicher Bedeutungsdefinition.

CemB: Wie gehst du mit Followern um? Ich schaue mir jeden Follower Request an und entscheide dann spontan. Ich versuche meine Liste einigermaßen übersichtlich zu halten. Wie bei allen anderen Dingen auch, wird es ab über 100 Fellows schwer, die Übersicht zu behalten. Dann verliert Twitter auch, weil die Kommunikation in einem Strom von Meldungen untergeht.

CemB: Welche Twitter-Clients nutzt du? Twitterst du auch mobil? Seit ein paar Wochen nutze ich thwirl. Und selbstverständlich twittere ich auch mobil. Es ist doch gerade zu Sinn von Twitter seiner Follower mit nutzlosen Informationen wie "Sitze im Zug nach XY, hat Verspätung" zu beglücken.

CemB: Siehst du Wechselwirkungen zwischen Blogs und Twitter? Oder mit anderen Plattformen? Ich hab eine Twitterleiste da rechts -> Die hab ich schon vor einiger Zeit eingebaut, weil ich dachte, es bringt dem Blogleser auch was, wenn er noch ein paar kleine Updates nebenbei bekommt. Ich lasse meinen Twitter RSS Feed auch auf meine soup.io Seite einlaufen. Das ist aber mehr ein Test um zu sehen, was geht.

CemB: Was kommt nach Twitter? justin.tv? qik.com? Seesmic? Keine Ahnung. Die Frage ist ja wohl auch eher, was man mit Twitter wirklich anfangen kann. Im Newsbereich ist Twitter noch eine unendeckte Perle. Es gibt da zum Beispiel einen Service namens BeakingNewsOn, der halt breaking news per Twitter versendet. Damit sind die meist rund 30 bis 60 Minuten schneller, als jede andere Webseite. Ich bin mal gespannt, wann die ersten Newsseiten ebenfalls einen Twitterkanal auf ihre Webseite einbauen, damit sie in Sachen Schnelligkeit bei wichtigen Meldungen die Nase vorn haben. Was bei Twitter deutlich wird: der Trend geht dahin, dass webbasierte Dienste in Zukunft dem User eine Menge Arbeit abnehmen. Statt den Umweg über einen Blogeintrag und den damit verbundenen Eingabemasken, kann man auch Twitter nutzen, was deutlich schneller und bequemer ist. Es gibt ja mittlerweile auch die Möglichkeit, die eigenen Tweets in eine Art Blog laufen zu lassen. Ich vermute mal, dass sich im Laufe des Jahres noch mehr Anwendungsmöglichkeiten entwickeln. Gespannt bin ich auch, ob die Betreiber bei den explosionsartig verlaufenden Zuwachszahlen in den nächsten Monaten aus Kostengründen eine TwitterPro Variante einführen werden.

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Donnerstag, 10. April 2008

Vermutlich als letzter Mensch entdeckt. Creatures Comfort, hergestellt von "Wallace and Gromit" Erfinder Nick Park. Aus Interviews mit realen Menschen, macht er Animationen. Unfassbar gut.

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Mittwoch, 9. April 2008

Auch das noch. dondahlmann.foodfeed.us

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Dienstag, 8. April 2008

Es folgt schamlose Eigenwerbung. Allerdings erst nach dem "Danke". Die MH Lesung am vergangenen Samstag war eine schöne Sache. Ich hab viele positive Reaktionen bekommen und wenn mich nicht alle Lesenden angelogen haben, dann waren die auch sehr zufrieden. Ich hatte den Autoren freigestellt, was sie lesen wollen, nur verknüpft mit der Bitte, das es doch ein Text aus "Mindestenshaltbar" sein sollte. Dem sind alle gefolgt und es war erstaunlich, wie sehr manche Texte an Kraft gewinnen, werden sie vom Autoren selber vorgelesen. Die Intensität vieler Texte kommt halt erst raus, wenn man sie hört, statt liest. Da so viele Zuhörer da waren, wird es im Herbst auf jeden Fall eine Wiederholung der Lesung geben.

Für alle, die nicht da waren - ihr habt wirklich was verpasst. Aber die netten Inhaber des "Ori" haben die Lesung aufgenommen und die in den nächsten Tage wird die Lesung als mp3 downloadbar sein.

Und jetzt zur Werbung: Ich lese am kommenden Donnerstag, 10.04.08, so nach 20.00 Uhr solo aus meinen Texten. Wieder im "Ori", was eine wirklich sehr schöne Location für Lesungen ist. Nicht zu groß, bequeme Sessel und Stühle und die Preise für die Getränke sind an Neukölln angepaßt. Da ich alleine lese und viel Zeit habe, kann ich richtig tief in die Textkiste greifen und eine kleine Überraschung wird es auch geben.

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Montag, 7. April 2008

re:publica 08 - Fazit

Ich hatte ja vor der diesjährigen Konferenz ein leicht skeptisches Gefühl. Das bezog sich nicht unbedingt direkt auf das Treffen, sondern hat wohl mehr etwas mit der Gesamtsituation der deutschen Blogszene zu tun. Aber ist die wirklich so schlecht? Ich blogge jetzt seit Mai 2001, da hat man schon mal persönliche Krisen, was das Instrument des Blogs angeht. Man ertappt sich dabei, sich zu wiederholen, es fällt einem nichts mehr und manchmal hat man ist in eine Falle getreten, die man selbst aufgestellt hat. Zum Beispiel, wenn man sich thematisch in seinem Blog zu sehr eingegrenzt hat. Mit dem Gefühl, dass die Blogszene gerade etwas ratlos vor sich hinbloggt, bin ich also in die Kalkscheune gefahren.

Ich hatte also inhaltlich nicht wirklich etwas der re:publica erwartet. Und wurde deswegen auch nicht enttäuscht. Fast alle bemerkten, dass dieses Jahr die großen Kontroversen fehlten. Diese Journalismus vs. Blogger Diskussion ist meiner Meinung nach noch nicht ausgestanden, aber wenn halt keiner der Blogkritiker zum Panel kommt, dann kann auch nur wenig passieren. Ebenso ruhig blieb die Diskussion ums Geld verdienen mit Blogs. Das man sich an adical und Sascha Lobo reibt ist wohl eher eine persönliche Sache. Es ist in Deutschland halt nicht anders, als in anderen Ländern. Es gibt ein paar Leute, die in der Lage sind, sich selbst zu vermarkten (Robert Basic), es gibt ein paar, die mit ihren monothematischen Blogs eine so spezielle Zielgruppe ansprechen, dass die Anzeigenkunden entzückt das Scheckbuch zücken, aber als wirkliche dauerhafte Einnahmequelle sieht wohl kaum einer die Blogs. Es ist in der Blogszene nicht anders, als in der "normalen" Wirtschaftswelt: Wer gut schreiben kann, wer technisch versiert ist oder wer einfallsreiche Layouts basteln kann, der wird feststellen, dass ein Blog eben auch eine Art "long tail" (mir fällt kein besseres Wort ein) erzeugen kann. Nicht der einzelne Blogeintrag zählt, sondern das gesamte Engagement kann nach langer Zeit dazu führen, dass man ein paar Euro damit verdient. Es ist in den meisten Fällen ein Trugschluss wenn man glaubt, dass man mit ein paar Blogeinträgen den nächsten Urlaub finanzieren kann.

Aber im Grunde war dies schon letztes Jahr klar, also brachte die re:publica hier kaum Erkenntnisse. Auch was neue Blogkonzepte angeht, hörte man auf der Konferenz wenig bis gar nichts. Das "next big thing" ist weiterhin Twitter, es gab nur am Rande ein paar Diskussionen darüber, wie man Twitter laufend in sein Blog implementieren kann. Feedaggregatoren wiesoup.io sind eine Lösung, die so richtig niemanden befriedigen. Da wird sich bei den Wordpress Blogs in diesem Jahr aber sicher noch etwas tun. Die ersten Versuche, einen Kommentarfeed via Twitter ins eigene Blogeinlaufen zu lassen, existieren jedenfalls schon mal. Das Twitter ein ziemlich geniales Tool ist, darüber sind sich alle einig. Die Frage ist nur, wie man es bedient und in welchem Bereich es einem hilft. Auch hier also eine gewisse Ratlosigkeit.

Aber so eine Konferenz besteht ja nicht nur aus den Panels (zu wenige gesehen) sondern aus den Unterhaltungen die man mit Menschen führt, die man lange nicht gesehen hat oder noch gar nicht kannte. Was sich für mich in den vielen und teilweise langen Gesprächen rauskristallisiert hat ist vor allem eins - die Technik muss einfacher werden, die Schnittstellen offener. RSS-Feeds, Twitter, Jaiku, Flickr, Blogs, Mogulus, Qik, Shouzu, Fireeagle usw. sind alles für sich genommen nette Ideen, aber so richtig gut werden sie erst, wenn man sie zusammenfassen kann. Und wenn ihre Bedienung so einfach wird, dass man es per drag and drop erledigen kann. Das Internet, bzw. die angebotene Technik, ist für die meisten Menschen immer noch viel zu kompliziert. Letztlich muss die Einrichtung eines Blogs samt anderer Features einfacher werden. Vielleicht so einfach, wie beim Fernseher. Überspitzt formuliert: Müsste ich mein TV Gerät jedesmal konfigurieren wenn ich einen neuen Sender haben will, würde ich die Lust verlieren. Nichts anders ergeht es wohl vielen neuen Internetnutzern, wenn sie sich das erste Mal mit RSS-Feeds auseinandersetzen müssen. Die Sachen werden halt erst dann wirklich nutzbar, wenn man sie simplifiziert und sich der Enduser nicht mehr um die dahinterliegende Technik kümmern muss (Siehe MacOs X :)) )

Und am Ende war das auch eine Quintessenz der re:publica. Es gibt ein sehr großes Potential in der deutschen Blog/Open Spource Szene. Es gibt viele neue Ideen, Anregungen und Möglichkeiten. Allein - man weiß noch nicht so recht, was man damit anfangen soll. Die Skepsis, die ich vor der re:publica hatte, ist einer keiner Euphorie gewichen, aber dem Gefühl, dass sich da am Horizont etwas tut, was Blogs und die Wahrnehmung von Blogs in der nächsten Zeit auf eine neue Ebene bringen könnte. Weswegen ich weiter Zeit in die Idee mit dem Blogportal investieren werde. Mal sehen, was dabei rauskommt, ein paar Ideen, wie man die Sache technisch vereinfachen sind jedenfalls schon aufgetaucht.

Ein Wort noch zur Organisation: Es lief alles reibungslos und bestens, die Stimmung war gut, es gab genügend Stühle und Sitzmöglichkeiten. Eine Sache: wenn man schon ein Programm bis teilweise nach 23:00 Uhr hat, dann wäre es auch gut, wenn das Catering nicht schon um 19.00 Uhr schließt. Ansonsten: es war toll wieder so viele Menschen zu treffen und mit ihnen zu reden und eigentlich ist eine Konferenz pro Jahr in Deutschland viel zu wenig.

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