Warum Blogs in Deutschland (noch) nicht funktionieren
Kurze Fassung. (nur fünf Punkte)
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Ich halte die momentane Schwäche der deutschen Blogszene für eine temporäre Erscheinung. Der Konsolidierungsprozess der Verlage/Zeitungen hat noch nicht mal richtig eingesetzt, wir sehen nur die ersten Risse im Fundament (Montogomory, Berliner Zeitung, Auflagen- und Anzeigenschwund). Die daraus resultierenden Probleme führen zu Punkt 2.
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Die zunehmende Verdichtung und Vereinheitlichung der Nachrichtenindustrie spielt Blogs in die Hände. Viele freie Journalisten werden/sollten Blogs als Medium entdecken und somit auch die Qualität der Blogs anheben. Auch die Leser werden Alternativen suchen.
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Um in die Lücke springen zu können, braucht es mehr gute Autoren und Teile der Blogszene müssen sich professionalisieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das gilt auch für die Autoren.
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Blogs und Blogger müssen konzentrierter zusammenarbeiten um ein gezielteres Agendasetting zu betreiben. Das alte Lied vom Blogportal.
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Die Diskussionskultur und Medienkompetenz muss angeschoben werden.
Sehr lange Langfassung (dafür viel mehr Punkte! Plus Remix!)
- Zu wenig Blogger
Man kann sich schon wundern, wenn man sich die Zahlen so anschaut. Es gibt, zumindest wenn man Technorati glaubt, rund 115 Millionen Blogs weltweit. Davon sind rund 1% deutschsprachig. Schaut man beim blogcensus rein, sieht man, dass ca. 204.500 Blogs in den letzten sechs Monaten aktualisert worden sind (Stand 02/08). In den letzten acht Wochen neue Einträge erhielten lag bei 132.500. Wenn man es auf eine Woche runterbricht, dann landet man vermutlich bei einer Zahl von schätzungsweise 20.000. Dabei muss man sich auch noch fragen, wie viele dieser Blogs tatsächlich unter den klassischen Blogbegriff fallen (privat geführt, keine Agentur- oder Firmenblogs usw.) Das dürften noch ein paar weniger sein. Dabei sind von den rund 82 Millionen Deutschen laut ARD/ZDF Onlinestudie 2007 65.8% der Erwachsenen online. Macht also 42,7 Millionen. 204.500 führen regelmäßig ein Blog. Die Zahlen reichen um festzustellen, dass die Begeisterung für Blogs sich in sehr engen Grenzen hält. Das sieht man auch an den insgesamt sinkenden Verlinkungszahlen der Top 100 Blogs, die aber nichts über die Gesamtzugriffe aussagt. Wie sich die Leserzahl entwickelt hat, ist leider nicht bekannt, da die nicht gemeinsam erfasst werden. Von verschiedenen Seiten ist die Vermutung ausgesprochen worden, dass die Leserzahlen insgesamt gestiegen sind, auch wenn viele Top 100 Blogs verloren haben, da die Zahl der aktiven Blogs insgesamt zumindest nach den letzten bekannten Zahlen zugenommen hat. Die Leser sind also nicht weg, sondern nur zu anderen Angeboten gewandert. Das berührt aber am Ende nicht das Argument, dass es (noch) zu wenig Blogger gibt.
- Zu wenig gemeinsame Anstrengungen
Wenn es wenige Blogs gibt, dann müssten sich die wenigen doch eigentlich enger zusammenschließen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Es gibt seltenen Kooperationen in inhaltlichen Dingen, noch seltener kommt es vor, dass zwei Blogger gemeinsam eine/n Geschichte/Story/Artikel schreiben oder sich die Recherche teilen. Es gibt Blogs, die von einigen Autoren betrieben werden, die auch eine Art redaktionelles System durchlaufen (spreeblick.de). Meist ist es so, dass jeder vor sich hinschreibt und eine gegenseitige Unterstützung nur über Kommentare oder Trackbacks stattfindet. Jeder kocht sein Süppchen und will oft dabei auch nicht gestört werden. Es gibt dabei aber doch einige positive Erlebnisse, wie bei der gemeinsamen Anstrengung in Sachen "Vorratsdatenspeicherung" im letzten Jahr. Es ginge also. Das so wenig gemeinsam passiert, hat auch etwas mit der Unübersichtlichkeit der Blogszene zu tun. Selbst alten Hasen und RSS-Fanatikern fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Robert Basic stellte (u.a.) in seinem Artikel über die schwindenden Linkzahlen der deutschen Blogszene die These auf, dass Twitter auch eine Mitschuld tragen würde. Ich sehe das Problem eher in den Versuchen, Blogs zu monetarisieren. Wer viel Werbung auf seiner Seite, der will auch viel Besucher und mag die nicht über Links wegschicken. Einige Blogs haben da sicherlich in Sachen Verlinkung nachgelassen. Tatsache scheint mir, dass die Blogszene sich untereinander von einander weg entwickelt, statt aufeinander zuzugehen.
- Zu wenig Beachtung durch die Medien / Einseitige Berichtersstattung
Blog werden in vielen anderen Ländern ernst genommen. Nicht nur von irgendwelchen heavy usern, sondern durchaus auch von den Medien. In vielen Bereichen der Medienlandschaft in den USA, sind Blogs von den Medien nicht als Konkurrenz wahrgenommen, sondern als Bereicherung begrüßt worden. Gastkommentare etablierter Medienstars in Blogs sind nicht üblich, kommen aber vor. Blogs werden zitiert, es wird zu ihnen verlinkt, die Autoren werden zu Gastkommentaren eingeladen, oder ganz aufgekauft. Man redet miteinander und es soll zum Beispiel im Fall von Dan Rather (dem CBS Moderator wurde von Bloggern eine fehlerhafte Berichterstattung nachgewiesen, die dann zu seiner Ablösung führten) so gewesen sein, dass der Tipp nebst etlicher Informationen von einem anderen Journalisten kam, der selber aber nicht drüber schreiben konnte/wollte. Blogs haben sich den neben den klassischen Medien etabliert (Interessanter Text zum Thema) Wie die Situation hier ist, sollte bekannt sein. Blogs werden hier entweder als "Schmutz" bezeichnet, die meiste Zeit jedoch einfach ignoriert. Mitunter schauen Journalisten mal bei Blogs nach, was es so für neue Themen gibt, aber Hinweise oder gar eine Verlinkung auf den Themengeber oder Ideenfinder gibt es selten. Auch der Informations-Austausch ist praktisch nicht vorhanden, da der Graben zwischen Bloggern und Redakteuren weiterhin sehr groß ist, wie man auf jeder beliebigen Diskussionsveranstaltung sehen kann. Tatsächlich ist es so, dass sich beide Seiten sehr ablehnend gegenüber stehen. Die Blogger misstrauen (oft zu Recht) dem herrschenden redaktionellen Systemen, die Redakteure sehen Blogger (oft zu Recht) als Belanglosigkeiten verbreitende Internet User. Mögliche Synergien werden von Redaktionen wie Bloggern nicht erkannt. Theorethisch wäre es denkbar, dass zum Beispiel ein Blogger die Teile einer Geschichte veröffentlicht, die ein Journalist in seinem redaktionellen Umfeld nicht veröffentlichen will/kann/darf.
Auf Grund der komplexen und neuen (technischen wie inhaltlichen) Struktur von Blogs sind die aber auch darauf angewiesen, dass die klassischen Medien über sie berichten. Um es klar zu sagen: Die "alten" Medien brauchen die Blogs nicht besonders dringend, wohl aber die Blogs die Medien als Zugriffsaggregatoren. Zumindest im Moment. Blogs, jedenfalls jene, die sich mit Politik, gesellschaftlichen Veränderungen und Zuständen oder sonstigen aktuellen Dingen beschäftigen, die in Konkurrenz zu den klassischen Medien stehen, ziehen ihre Besucher entweder aus der Verlinkung eines anderen Blogs oder aus einem Google-Treffer. Das hat zwar den Vorteil, dass man tatsächlich Leser hat, die sich für das Thema interessieren, aber auch den Nachteil, dass das Wachstumspotential eines Blogs schnell einigermaßen erschöpft ist. Wer nicht gezielt sucht, der wird bestimmte Blogs auch nicht finden. Tatsächlich brauchen Blogs aber mehr Leser, wenn sie als Alternative zu den klassischen Medien ernst genommen werden wollen.
- Schlechte Diskussionskultur
Mal ehrlich - wenn man mal sehr, sehr viel Zeit hat und sich die Kommentare unter den Artikel der "SZ" oder der "Welt" anschaut, kann man schon das Grausen bekommen. Ein nicht unbekannter, erfolgreicher Blogger meinte mal in einem Gespräch, dass er nicht nur einmal darüber nachgedacht hat, die Kommentare zu schließen, wenn er sich so die "Qualität" der Kommentatoren anschaut. Kurz gesagt: es fehlt den Deutschen an Diskussionskultur. Aber wo soll sie auch her kommen? Als Deutscher lernt man ja nur meist widerspruchlos aufzunehmen. In der Schule, in der Ausbildung, in der Universität. Diskussionsrunden im Fernsehen werden so zusammen gestellt, dass sich die Teilnehmer gegenseitig ihre PR-Mitteilungen vorlesen, und wenn im Netz zu kritische Töne auftauchen, greifen Personen oder Firmen schnell zur Abmahnkeule. Auch wenn es langweilig ist, lohnt hier ein Blick in die USA. Debattierklubs gibt es wie Sand am Meer, in vielen Highschools gibt es einen Speech & Debate Kurs und ganze Vorwahlen werden einfach ausdiskutiert, statt dass man einen Wahlzettel ausfüllt. In einer Diskussion geht es ums Zuhören, es geht um den Austausch und das Abwägen der Argumente. In Deutschland geht es darum Recht zu haben. Viele Kommentatoren kotzen ihre Meinung einfach irgendwo rein. Es geht ihnen nicht um die Diskussion, sondern nur darum etwas zu schreiben. Sie lesen weder die anderen Kommentare, noch setzen sie sich damit auseinander. Wer gegenteiliger Meinung ist, wird nieder gebrüllt. Aber woher soll die Kultur auch kommmen? Denn neben den erwähnten Mängeln in der Jugend, haben auch die Medien in Deutschland nie den Austausch mit den Lesern gesucht, sieht man mal von den Leserbriefseiten ab. Auch in Parteien sind Diskussionen ja eher unerwünscht. Wahllisten werden selten nach persönlichen Fähigkeiten zusammengestellt und wenn eine Partei mal auf einem Parteitag lange und hart diskutiert, quittieren die Medien das mit Worten wie "chaotisch", "uneinig" oder sonstigen negativen Begriffen. Freie Meinungsäußerung ist etwas, was am Stammtisch unter Freunden stattfindet, nicht aber in der Öffentlichkeit. Was die erstaunlich hohe Zahl von anonymen Kommentaren vielleicht teiweise erklärt. Seine Meinung öffentlich äußern, dafür mit seinem Namen gerade zu stehen und sie den Mitteln einer Diskussionskultur zu verteidigen gehört nicht gerade zu den Stärken der deutschen Kultur, was die Entwicklung von Blogs fürderhin schwächt.
- Fehlender politischer und sozialer Druck
Blogs entwicklen sich in den Ländern gut, die entweder über eine historisch gewachsene Diskussionskultur verfügen, oder in denen Blogs die einzigen Vermittler neben den meist staatlich kontrollierten Medien sind. In einem repressiven Umfeld haben Blogs einen besseren Nährboden, als in einer, zumindest nach Außen hin, Kultur der freien Meinungsäußerung. Das Blogs in den USA so gut laufen, hat sicher auch etwas mit den Eigenarten des poltischen Systems zu tun und der Tatsache, dass das Land politisch, religiös und wirtschaftlich eher zweigeteilt ist. Hier gibt es also eine relativ große Reibungsfläche und es werden alle Kanäle zur Informationsverteilung auch genutzt. Das fehlt in Deutschland, zumindest vordergründig. Denn obwohl die letzten Jahre dank Hartz IV, Vorratsdatenspeicherung, Beschneidung der Bürgerrechte, Stromkartelle etc. schon genug an Themen zur Verfügung hatte, hat das nicht dazu geführt, dass sich dementsprechend die Blogszene entwickelt hätte. Das liegt aber auch am mangelnden Angebot, womit man ein wenig vor dem Henne/Ei Problem steht.
- Zu wenig qualitativ gute Blogger
Schon ein Blick in die deutschen Blogcharts offenbart, dass die viele Blogs der Top 100 von Leuten gemacht werden, die entweder selber als Journalist sind oder aber aus einem Medienumfeld kommen. Das beste Beispiel, dass sich sich Qualität auch in Blogs durchsetzt, ist das Blog von Stefan Niggemeier, der als "late adopter" 2006 dazu gestossen ist, sich aber schnell in den Top 5 etabliert hat. Es fehlt in Deutschland nicht an guten Journalisten, aber die wenigsten nutzen Blogs als eine publizistische Möglichkeit, weil Blogs in den meisten Redaktionen einen schlechten Ruf haben. Unterhält man sich mit Kollegen über Blogs, kommt als erstes Argument immer wieder "Aber warum soll ich etwas umsonst ins Netz stellen, dass ich auch verkaufen könnte?". Es ist schwer gegen dieses Argument vorzugehen. Wenn man sagt, dass man am Ende vielleicht mehr verdient, wenn man in Blogs veröffentlicht und man aufgrund seiner Storys dann andere und mehr Anfragen bekommt, wird dies meist mit einem skeptischen Blick beantwortet. Um die guten Journalisten ins Netz zu bekommen, müssen wohl erst die finanziellen Anreize da sein. Oder die Entlassungswelle noch größer werden.
- Keine Vermarktungsplattform / Kein Interesse der Werbewirtschaft
Die Agenturen interessieren sich nicht für Blogs. Sei es, weil sie sie nicht verstehen, sei es, weil ihnen der Aufwand für ein paar Klicks zu groß erscheint, sei es, weil sie sie einfach nicht kennen. Robert Basic berichtete auf der letzten re:publica, dass er seine Werbepartner selber ansprechen würde. Und das auch müsste, weil es sonst keiner machen würde. Johnny Häusler und Sascha Lobo versuchen mit Adnation eine Verwertungsplattform aufzubauen, mussten aber auch schon feststellen, dass es a) schwierig ist und b) sehr viel Zeit und Überzeugungsarbeit kostet. Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, aber es ist klar, dass die Agenturen eher zu den großen sozialen Netzwerken schielen, als zu Blogs. Die Arbeit, die man in ein gut geschriebenes und gut geführtes Blog stecken kann, ist aber endlich. Irgendwann klopft halt der Vermieter an die Tür. Allerdings - ich sage auch immer, dass das bloggen nie allein dazu benutzt werden sollte, um Geld zu verdienen. Bei den meisten Blogger, die ich kenne, und die damit ein wenig Geld verdienen, passiert das über den Umweg, dass jemand das Blog liest und den dahinter steckenden Autor verpflichten möchte. Tatsächlich sind Blogs das erste Instrument, das zeigt, dass man mit Open Source Geld verdienen kann. Das ändert aber nichts an dem Problem, dass man irgendwie Geld verdienen muss. Die Sitution wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen, vor allem für freie Journalisten, denn die Verlage werden die schrumpfenden Gewinne vor allem mit Einsparungen beim Personal und bei den gezahlten Honoraren aufpäppeln. Da muss man auch nicht lange warten, die WamS hat das schon gemacht.
Zusammengefasst:
Blogs haben weiterhin ein ungeheures Entwicklungspotenzial. Es reicht aber auch nicht, wenn sich jetzt 40 Blogger zusammenschließen und ein Blogportal gründen, wenn es nicht genügend qualifizierte Blogger gibt, die auch die Themen beackern können, die entweder von den Medien zur kurz oder gar nicht angefasst werden. So gibt es zum Beispiel kein mir bekanntes Blog über die Energiewirtschaft. Weder über Öl (da muss man schon zum Oil Drum) noch im Bereich der Stromwirtschaft. Das liegt auch daran, dass hierfür einfach keine Autoren gibt, die ein Blog als vertiefendes Medium nutzen. Doch die sich zuspitzende Lage in Sachen Auflage und Anzeigenschwund bei den Zeitungen/Zeitschriften wird in Zukunft einiges ändern. Es scheint mir im Moment, als sei der Druck in der Zeitungs- und Journalistenbranche noch nicht hoch genug, während es aber auf der anderen Seite ein Vermittlungsproblem der Blogszene gibt. Aus meinen Schulungen habe die Erfahrung mit genommen, dass man Blogs wohl registriert hat, aber dass die wenigsten Lust dazu hatten, sich mit dem unübersichtlichen Wirrwarr zu beschäftigen. Gibt man aber Einstiegshilfen, ändert sich die Sichtweise schnell. Die sich im Anfangstadium befindliche Krise der Zeitungen wird ihren Teil dazu beitragen, das Blogs als alternative Informationsquelle wichtiger werden.
Apple will, dass ich für das Firmware Upgrade auf 2.0 für den Ipod Touch 9,99 Euro (in den USA 9,99 Dollar) bezahle, den ich vor ein paar Monaten gekauft habe und dies, nachdem ich schon mal 15 Euro für ein Upgrade im Frühjahr geblecht habe, damit ich Addons erhalte, nur damit ich jetzt Addons aussuchen und runterladen kann, die ich aber dieses Mal teilweise bezahlen muss.
Ich mag die Sachen die Apple macht. Nicht die Rechner, schon gar nicht, seitdem sie das wunderschöne kleine 12 Zoll Powerbook abgeschafft haben, da bleibe ich bei zum Beispiel lieber bei meinem HP, dass seit vier Jahren fröhlich vor sich hin läuft und außer einem Speicherupgrade auf 1GB nie weiter Geld gekostet hat. Meine Freundin hat in der Zeit drei Apple Notebooks verschließen. Aber trotzdem mag ich Apple, weil sie in Sachen Design und Usability immer mal wieder neue Messlatten legen. Die Computer sehen schick aus, der Ipod war und ist eines der am besten zu bedienden Geräte, dass Iphone hat dem vor sich hinschnarchenden Handymarkt in den Hintern getreten. Seit Jahrzehnten hatte sich am Bedienkonzept bei Mobiltelefonen nichts getan und keine einzige Firma hatte den Mut, und vor allem das dazugehörige Können, mal etwas Neues zu versuchen. Selbst knapp ein Jahr nachdem das Iphone auf dem Markt erschienen ist, gibt es von den anderen Anbietern allenfalls ein paar Vorführgeräte, von denen es auch nur Fotos gibt.
Apple hat mit dem Ipod und dem Iphone zwei fabelhafte Geräte entwickelt, aber für zwei Updates, die teilweise auch Sicherheitslöcher beheben, innerhalb weniger Monate Geld zu verlangen, ist schon sehr arg. Ich hab ehrlich gesagt noch nie für ein Firmware Upgrade Geld zahlen müssen, auch nicht bei meinen Kameras, die teilweise durch ein Upgrade komplett neue Funktionen bekommen haben. Warum Apple, deren Geräte ja jetzt weder den Ruf haben besonders günstig und besonders fehlerunanfällig zu sein, das anders macht, ist mir ein Rätsel. Ich weiß schon, warum ich mir kein Iphone kaufen werden, sondern warte, was Nokia (Schlafmützen) so macht. Es ist ja gar nicht mal so, dass ich nicht gewillt bin, für Upgrades Geld auszugeben, aber zweimal in einem Jahr? Und möchte man nicht, dass Ipod Touch User aufs Iphone upgraden, damit Apple auch auch schön bei den Telefoneinnahmen mitverdient? Im Moment habe ich das Gefühl, dass Apple vor lauter Arroganz nicht geradeaus gehen kann und das auch jeden wissen lässt.
In Berlin kämpft die Belegschaft der "Berliner Zeitung" und der "Netzeitung" ums Überleben, während die Investoren die Daumenschrauben anziehen. Wer glaubt, dass dies ein Einzelfall ist, der sollte schnell aufwachen. Der Journalismus in Deutschland steht vor einem gewaltigen Umbruch.
In den letzten 10 Jahren ging es den Zeitungen, bis auf ein paar kleine Konjunkturdellen, eigentlich nicht schlecht. Auch heute weisen die meisten Verlage Gewinne aus. Man kann viel darüber diskutieren, ob man die Gewinne nur halten konnte, weil man die Redaktionen verkleinert und Redakteure in Hundertschaften auf die Strasse gestellt hat, oder weil man neue Vermarktungswege gefunden hat. Man mag mit dem ausgestreckten Finger auf David Montgomery, den neuen Inhaber der "Berliner Zeitung" und der "Netzeitung", zeigen. Man mag ihn einen "Haifisch" nennen, oder eine "Heuschrecke". Der Mann macht letztlich nur das, was der Finanzmarkt von ihm verlangt: Geld verdienen und zwar jedes Jahr etwas mehr, damit die Aktieninhaber und beteiligten Fonds seine Firma nicht abstrafen. Die Kollegen der "Berliner Zeitung" leiden unter dem steigenden Sparkurs, die Leser finden es auch nicht so toll. Aber die "Berliner Zeitung" ist nur ein Beispiel unter vielen. Tatsache ist: die Auflagenzahlen fast aller Zeitungen gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Die Anzeigenerlöse sind auch nicht mehr das, was sie mal waren und man muss schon geschickt sein, will man die Gewinne jährlich nach oben schrauben. Dazu kommt, dass viele Werbekunden immer mehr ins Netz abwandert. Doch verlagern sie nicht einfach ihr Budget vom der Print- zur Onlineausgabe. Vielmehr verteilen sie das Geld auf Blogs, soziale Netzwerke und andere Errungenschaften des Web 2.0.
Wie tief die Krise hier noch werden kann, sieht in den USA. Bei der L.A. Times hat man es wie bei der "Berliner Zeitung" mit einem Investor zu tun, der die Sache weniger journalistisch, sondern mehr wirtschaftlich angeht. Der Immobilienunternehmer Sam Zell, dem neben der L.A. Times auch noch die Chicago Tribiune gehört, streicht die Redaktion gerade massiv zusammen. Anders ginge es nicht - wegen der Zahlen. Andere Zeitungen überlegen ernsthaft, ob sie nicht einen Teil der Layoutabteilung und der Redaktionen nach Indien auslagern sollen. Viele Zeitungen in den USA machen Verluste. Ihnen laufen die Print-Leser weg, die Anzeigenkunden sind bei der stotternden Wirtschaft eher vorsichtig und Rezepte hat auch keiner. Wer jetzt "Online" ruft, sollte wissen, dass die Anzeigenpreise im Netz vielleicht ein Zehntel dessen einbringen, was man im Print verdient, egal wie sehr man auch die Reichweite erhöhen kann.
Das alles geht mehr oder weniger zu Lasten der journalistischen Qualität. Je weniger Journalisten in einer Redaktion arbeiten, desto weniger Zeit haben sie, sich um Dinge wie Recherche zu kümmern. Schon jetzt werden viele dpa Meldungen einfach ungeprüft mit reingenommen, merkt ja eh keiner, und PR-Firmen fällt es immer leichter komplette Texte in Zeitungen zu hieven. Es redet keiner offen darüber, aber hier und da werden Anzeigen auch mal gerne als Druckmittel für eine etwas freundlichere Berichterstattung genutzt. Oder man verweigert Redaktionen, bzw. freien Journalisten zum Beispiel einfach Rezensionsexemplare für Musikbesprechungen, weil man mit der letzten, negativen Kritik, unzufrieden war. Der Journalismus ist in vielen Redaktionen schon lange nicht mehr "unabhängig", weil sich die Strukturen in den Verlagen geändert haben. Viele Dinge werden gar nicht mehr in den Redaktionen entschieden, sondern in der Anzeigenabteilungen. Es kommt halt nur selten vor, dass jemand darüber spricht.
Der Markt ist im Umbruch. Online wirft bei weitem noch nicht das ab, was man mit Print verdient, Print wirft mittlerweile zu wenig ab, um die horrenden Kosten zu tragen, die eine Zeitung nun mal verursacht. Das kann dann eben dazu führen, dass Zeitungen zu dpa Meldungs-Wüsten verkommen, die man um die Anzeige rumbaut.
Die Frage ist, wie was man machen soll, wobei sich die grundsätzliche Frage stellt, ob Zeitungen überhaupt dafür taugen, wirtschaftlich so betrieben zu werden, dass sie hohe Gewinne abwerfen. Denn es geht ja nicht nur ums Geld, sondern auch um einen wichtigen Pfeiler der demokratischen Grundordnung. Wenn der Journalismus zu einem reinen "Meldungs-Journalismus" verkümmert, der freundlich und vor allem unauffällig vor sich hinschreibt damit die Anzeigen nicht gestört werden, dann kann er seine eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrnehmen.
Ich habe auch kein Konzept in der Schublade, wie man den Journalismus und die Zeitungen in Deutschland retten kann, sehe aber die dringende Notwendigkeit, dass sich Redaktionen, Verlage und Investoren hinsetzen müssen, um wenigstens den Status quo halten zu können. Vielleicht muss das ganze Kartenhaus aber auch in sich zusammenbrechen, damit etwas Neues entstehen kann.
Nachtrag: Ein Gedanke aus der Freitag:
Die Hoffnung des auf Rendite fixierten Verlegers, wenn er Stellen streicht, ist die Befürchtung des Journalisten: Merken die Leser überhaupt, wenn die Qualität nachlässt? Merken sie es, wenn unter Artikeln nicht mehr Namen von Redakteuren und freien Mitarbeitern stehen, sondern die Kürzel von Agenturen? Und, eine noch schlimmere Befürchtung: Wäre die Zeitung dann wirklich schlechter?
Ich hatte es ja schon hier einmal kurz angedeutet, an anderer Stelle wurde auch schon berichtet. Knallgrau stellt die finanzielle Unterstützung für das Literaturprojekt "Mindestenshaltbar" mit sofortiger Wirkung ein. Das ist, nach mehr als zweieinhalb Jahren, ihr gutes Recht. Ich habe das Projekt im letzten April übernommen und bin Knallgrau für die Unterstützung in dieser Zeit sehr dankbar. Immerhin ist es das noch einzig verbliebende größere Literaturportal für Blogger/Autoren, dass es überhaupt gegeben hat. Knallgrau sucht nun ehrenamtliche Verwalter und Redakteure für die Seite, da sie sonst komplett eingestampft wird. Das Archiv soll aber weiter verfügbar sein.
Ich habe in den letzten Wochen überlegt, ob ich "Mindestenshaltbar" in Eigenregie weiterführen soll, mich aber am Ende dagegen entschieden. Zumindest für diese Form eines Portals. Das hat zum einen zeitliche und finanzielle Gründe, zum anderen denke ich aber auch, dass man für Literatur, die aus dem Netz kommt, eine andere, vielleicht zeitgemäßere Form finden muss. Ich hatte diese Woche ein Treffen mit jemanden, dem durchaus etwas ähnliches wie mir vorschwebt und wir sind zumindest mal übereingekommen, dass wir uns zusammen etwas überlegen werden. Ein Grundgerüst ist da, die Frage ist nur, wie man es füllen soll.
Leider hat sich das Projekt inhaltlich nicht weiterentwickeln können, da auch das Geld fehlte. Ich hatte im Frühjahr noch die Idee gehabt, die Seite aktueller zu gestalten, auch um von der monatliche Erscheinungsweise weg zu kommen. Das hätte aber bedeuet, dass MH eine neue grafische Gestaltung hätte bekommen müssen, nebst einem Umbau des dahinter liegenden CMS. Ich wollte mehr Bewegung auf der Seite schaffen, mindestens zweimal die Woche eine neue Geschichte featuren, das Monatsthema aber trotzdem beibehalten. Hat leider nicht mehr geklappt, der finanzielle Aufwand wäre auch erheblich gewesen. Dass Knallgrau dieses Geld nicht aus dem laufenden Projekten rausziehen kann und möchte, ist nachvollziehbar und verständlich, wenn natürlich auch bedauerlich. Aber man kann ein solches Projekt, das nur schwer refinanzierbar ist, nicht komplett in den Vordergrund stellen, wenn man etliche Angestellte hat.
Dass "Mindestenshaltbar" (neben vielen anderen Projekten im Bereich der Literatur) nicht so funktioniert hat, wie man sich das vielleicht mal gewünscht hat, liegt wohl auch in der allgemeinen Entwicklung der deutschen Blogszene begründet. Drehte sich in der Anfangszeit der Blogs fast alles nur um lange Geschichten und eine gewisse, neue Form der Literatur, ist das in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich anders geworden. Da muss ich noch nicht mal mit dem Finger auf jemanden zeigen, sondern kann einfach mein eigenes Blog als Beispiel nehmen. Meine Erfahrung bei MH ist auch, dass das Interesse für Kurzgeschichten und "Literatur aus dem Netz" verschwindend gering ist, selbst wenn man hochkarätige Autoren an der Hand hat. Ich würde aber nicht sagen, dass die Literatur aus dem Netz tot ist. Wie man bei Lesungen immer wieder sehen kann, ist das Interesse groß. Die Frage ist nur, wie eine Plattform aussehen muss oder kann, damit sie in der Lage ist, die unterschiedlichen Sprachrichtungen des Netzes bündeln und zu dem den Autoren eine Möglichkeit bietet, sich einem größeren Publikum vorstellen zu können. Mit einem reinen Textportal, bei dem die Autoren aus "Ruhm und Ehre" nichts bekommen, ist das sicher nicht realisierbar. Hier wäre auch mal der Mut der Verlage gefragt, die sich bei diesem Thema aber bekanntermaßen sehr bedeckt halten.
Etwas traurig bin ich über die nun zu Ende gegangene Zusammenarbeit schon. Ich möchte an der Stelle ein sehr großes "Danke Schön!" an alle Autoren richten, die in den letzten Monaten immer wieder neue, schöne, spannende, traurige, lustige oder kurz gesagt, sehr lesenwerte Geschichten "Mindestenshaltbar" zur Verfügung gestellt haben. Da kann man ja noch so tolle Pläne haben - ohne Autoren geht halt einfach nichts. Mal sehen, wie es weiter geht.
Nach meiner grandiosen Idee, Backöfen mit Webcams auszustatten die per WLAN das Bild auf den Rechner oder das Handy übertragen, der nächste Knaller: ein Duschkopf mit LED Anzeige, die die genaue Temperatur anzeigt damit das elendige, erniedrigende, morgendliche, minutenlange Warten und Gefummel zur Erreichung der perfekten Wassertemperatur am Wasserhahn ein Ende hat.
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