Sonntag, 10. September 2006

Mein Vater, der seit Jahrzehnten selbstständig ist, hat mir, als ich angefangen habe, als freier Journalist zu arbeiten, mal gesagt, dass es zwei Dinge gäbe, die in dieser Arbeitsform sehr wichtig sind. Zum einen Disziplin, sonst kommt man morgens nicht aus dem Bett oder bekommt seine Aufträge nicht fertig. Das andere sei Planung. Und da solle man nie vergessen, dass man als Selbstständiger seine Freizeit genauso planen müsse, wie seine Arbeit, weil man sonst vor lauter Arbeit vergisst, Freizeit zu haben. Das mit dem frühen Aufstehen klappt bis heute nur so mittel gut, aber meine Aufträge bekomme ich trotzdem immer rechtzeitig fertig. Das mit der Freizeitplanung - naja. Das klappt ehrlich gesagt schlecht. Zu oft wird Arbeit in den Abend oder aufs Wochenende geschoben, und Urlaub - haha. Urlaub war in den letzten 15 Jahren auch eher ein Fremdwort. Was wohl an einem der ältesten Gesetze des Freiberuflerstandes liegt: "Hast Du Geld, hast Du keine Zeit, hast Du Zeit, hast Du kein Geld."

In diesem Jahr sieht das ganz anders aus. Das wunderschöne Mädchen will mit mir auf große Reise gehen und ich möchte mir gerne zusammen mit ihr einen alten Traum erfüllen. Vier Wochen Urlaub in den USA. Genügend Zeit den gesamten Südwesten von New Mexico, Colorado, Arizona, Nevada, Utah, bis Kalifornien mit dem Auto zu erkunden.

Also steht ein schöner Urlaub auf dem Programm und vor allem auch mal vier Wochen, in denen ich keine Zeile schreiben werde. Keine Arbeit und auch kein Blog. Damit das Blog hier nicht völlig verstaubt, habe ich zwei Menschen gebeten, hier ab und zu mal eine Geschichte reinzustellen. Zum einen, eine gute Bekannte, die hoffentlich ein paar ihrer wirklich unfassbar famosen Geschichten aus Taiwan und China hier reinstellen wird, zum anderen einen Menschen, der gerade einen bescheuerten Marathon läuft und danach vielleicht auch mal reinschaut. Allerdings hasst er Blogs und viel zu tun hat er auch noch. Ich hab ihm aber erlaubt, dieses Blog mit Youtube Videos vollzuschaufeln. Mal sehen, ob er dem widerstehen kann.

Seid also bitte nett zu meiner Vertretung. Ich bin noch ein paar Tage mit Netzanschluss, aber schon nicht mehr in Berlin und hab auch wenig Zeit wegen Urlaubsvorbereitung. Ab Mitte Oktober geht’s dann wie gewohnt weiter.

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Donnerstag, 7. September 2006

Erst schreibt Moni eine so wunderschöne Geschichte über den Geburtstag ihres Sohnes, dass einem fast die Tränen kommen, und dann hängt sie diesen wundervollen Satz hinten dran.

"Jetzt freue ich mich aber lieber auf die Feier gleich mit den autistischen Kindern in der Frühfördergruppe, die sich wie immer alle ignorieren werden"

Unbedingt lesen

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Mittwoch, 6. September 2006

Sponline hat ein neues Outfit. Ich will jetzt gar nicht darüber urteilen, ob das besser oder übersichtlicher ist, denn ich habe keine Ahnung von Design. Ich kann nur sagen, dass ich es hässlich finde, was bedeutet, dass alle das so finden müssen, weil ich immer Recht habe, dass erstmal nur mein Auge und meine Gewohnheiten beleidigt sind. Ärgere ich mich halt was, ist wurscht, fahr eh bald in Urlaub. Was mich im Hause "Sponline" mehr, ja sogar viel mehr ärgern würde, ist der Umstand, dass man das bisher ziemlich einzigartige Design von Sponline nun nicht mal mehr vom Stern auseinander halten kann.

Schön auch - offenbar schraubt man gerade live am Portal rum. Jeder Blogger bastelt nachts das neue Design auf die Seite, aber nett, dass man uns am Herstellungsprozeß teilhaben läßt. Besser wird es aber trotz lustigen hin und her geschiebe der rechten Spalte nicht.

Ich nenn das neue Design dann erstmal Sternigel

Sternigel

Nachtrag 08.09.2006: Ah! Jetzt macht das neue Design von Sponline endlich Sinn! (Einfach mal ohne Adblocker schauen)

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Bedrohungsszenarien sind ja seit ein paar Jahren schwer in Mode. Massenvernichtungswaffen hier, explodierende Baby Schampooflaschen dort, zu Splitterbomben umfunktionierte Hackenporsche vor jedem Lebensmittelgeschäft. Bei so viel neuen, schicken Bedrohungen haben es andere, ältere Bedrohungen schwer. Rauchen zum Beispiel. Zwar formiert sich im Bundestag eine massive Front für ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Gaststätten, aber mal ehrlich, die meisten Großstädten würden das doch begrüßen. Endlich mal wieder ein Grund eine illegale Kneipe aufzumachen, in der wie blöde geraucht werden darf, in der man nicht verschämt schauen muss, ob irgendeiner mit lächerlich wedelnden Handbewegungen seinen Unmut kund tut und deren Inhaber sich an ihrer kleinen Idee dumm und dusselig verdienen. Endlich mal wieder etwas, was verboten ist.

Aber zurück zum Thema: wegen dieser ganzen neumodischen Bedrohungszenarien mit Atombomben Black swansoder anderen Sachen, verliert man manch andere Gefahr aus den Augen. Solange man jeden Tag in den Nachrichten lesen konnte, dass das Rauchen extrem gefährlich ist und das Sperma schädigt, solange konnte sich die Tabakindustrie freuen. Soviel kostenlose Werbung für ein Produkt gibt es ja selten und wie wir wissen ist any promotion good promotion, also was solls, wenn man sagt, dass das Rauchen gefährlich ist, dann macht es doppelt Spaß. Doch jetzt soll Zugfahren plötzlich genau so gefährlich sein? Sogar vielleicht eventuell manchmal durchaus noch gefährlicher? Da musste sich die Tabakindustrie aber schnell was einfallen lassen und weil man sehr kreativ ist, hat man auch was gefunden:

Unterirdische...was? Unterirdische Tabakfabriken? So in der Art wie: das große unterirdische Ministerium, dass unser aller Gedanken lenkt? Wo die Arbeiter die Tabakblätter vorher nicht waschen, bevor sie in die Kippe kommen und verbrennen? Also Zigaretten die noch gefährlicher sind, als die mit 600 Zusatzstoffen voll gestopfte Zigarette? Wie geil ist dass denn? Endlich gibt es etwas, was noch gefährlicher ist, als das Rauchen selbst: Das Rauchen von illegalen Zigaretten aus unterirdischen Fabriken! Toll, wenn das Rauchen verboten wird, dann kann ich endlich illegale Zigaretten in illegalen Kneipen rauchen.

Hier der ganze Flyer (mit Verbindungen zur Mafia!) Flyer (pdf, 1 MB)

Ich bin mal wieder seit 14 Tagen Nichtraucher und versuche mich gerade zum Partyraucher ausbilden zu lassen

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Montag, 4. September 2006

Meine erste Berührung mit Menschen, die Tiere filmen, war vermutlich Prof. Grzimek, den ich als Kind immer gerne mal mit Gerhard Löwenthal verwechselt habe. Dann kam der Heinz Sielmann und dann natürlich Jacques Cousteau mit seinem James-Bond-artigen Boot, das irgendwie alles konnte, nebst seiner Crew, die zwar aussahen, als hätte er sie aus einer Hafenspelunke in Marseille rausgezerrt, aber alles hochdekorierte Meeresforscher waren. Was ich bei Cousteau immer so toll fand, war die Dramaturgie seiner kleinen Filme. Immer gab es einen Spannungsbogen, immer passierte etwas, entweder den Tauchern oder den armen Tieren unter Wasser. Wunderbar aufgearbeitet wurde die Serie ja dann später im Film „Die Tiefseetaucher“ von Wes Anderson. Dann kam ja in Sachen Tierfilm lange nichts, bis ich vor ein paar Jahren Steve Irwin entdeckte. Ein irrer Australier, der in einer Art Pfadfinder Uniform durchs Unterholz stampfte und genau dass mit giftigen Tieren machte, was man laut sämtlicher auf der Welt erscheinenden Ratgeber niemals tun sollte: er zerrte die Tiere am Schwanz aus ihrem Versteck, wedelte mit ihnen vor der Kamera rum, während er erzählte, dass man so was niemals tun sollte, weil diese besondere Schlange das allergiftigste Tier sei, dass sich die Evolution in einem grimmigen Albtraum jemals ausgedacht habe und ihr Biss 10.000 Elefanten und halb Sydney töten könnte. Das berichtete er aber nicht in einem streng wissenschaftlichen Ton, sondern er brüllte wie ein Losbudenverkäufer auf der Kirmes die nötigen Fakten dem Zuschauer ins Ohr, während er die Schlange drei Zentimeter von seinem Kopf weg hielt. Dann schmiss er die Schlange wieder weg, weil er gerade irgendwo ein Krokodil entdeckt hatte. Ich glaube, der Grund warum er nie gebissen wurde, war einfach, dass die Tiere viel zu perplex ob der Unverschämtheit waren, die ihnen da angetan wurde. Da wappnet man sich Jahrmillionen durch fiese Signalfarben und immer giftigeres Gift, ist also eine unfassbare, tödliche Gefahr, und dann kommt ein Mann in Bermuda Short, zerrt einem am Schwanz und schreit einen an. Da kann man das Beißen schon mal vor lauter Schreck vergessen. Mit der Zeit fand ich wirklich Gefallen an seiner etwas unorthodoxen Art mit diesen Viechern umzugehen und Steve Irwin hat mir so machen verregneten Sonntag im Bett auf diversen Dokukanälen versüßt. Vor allem, wenn man seine Sendungen im Original sehen konnte, denn sein extrem breites Australisch war schon Spaß genug. Deswegen war ich heute Morgen auch traurig, denn der Mann, der verschlafene und völlig erschrockene Tiere immer grundlos angebrüllt hat, ist tot. Erlegt von einem Stachelrochen. Wäre er doch bei Schlangen geblieben.

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