Freitag, 15. September 2006

Frust beim Arbeiten. Ist uncool, hat trotzdem fast Jeder. Ich auch. Vor allem heute. Stunde um Stunde recherchieren und überall dasselbe hören ist einfach zum Erbrechen langweilig...

Als zwangsläufig zukunftsorientierter Marketing-Mensch muß man viel Gegenwärtiges lesen. Das weiß kaum jemand besser als der Merlin des Mainstream, Mathias Horx. Auf den berufen sich deutsche Medien seit Jahren immer dann an, wenn irgendwas bereits deutlich nach „Trend“ riecht.
Statt ihre Hausaufgaben selbst zu machen, sprich zu recherchieren, zitiert die Journaille den Zukunftsforscher Horx, wie er anderleuts Studienergebnisse, etwa von Price Waterhouse Coopers oder BITKOM zitiert, und dazu vielleicht noch (ohne Quellenangabe) einen Artikel aus dem Harvard Business Manager und/oder Fortune interpretiert. Beispielsweise zum Thema Community Marketing und In-Game Advertising.

Ein bisschen Geraune über gesellschaftlichen Wandel, Paradigmenwechsel usw. dazu und schon reicht's nicht nur für FT und Handelsblatt, sondern auch für Zeit, Spiegel usw. . Dann kommen die ersten TV Magazine, basteln ein wenig human touch dazu (16-jährige Mädels im Buzz-Fieber oder so) und ein paar Wochen später erkennen ihn dann wirklich Alle, den „Trend“. Eine knappe MInute bevor Mutter Beimer darüber nachdenkt, ein Video bei YouTube reinzustellen und/oder ein Reisebüro-Blog zu schreiben, während Hansemann über eine T-Online-Werbung im Computerspiels seines Sohns wettert...

Nichts gegen Herrn Horx persönlich. Der ist ein fleißiger Mann, Soziologe, und hält sich breitflächig auf dem Laufenden. Und weil er seine Pappenheimer bei der Presse und vor allem die in den Marketingabteilungen der Top 500 Firmen kennt, schaut er öffentlich selten mehr als maximal 4 Minuten in die Zukunft und das stets abgefedert durch frühere Erkenntnisse aus anerkannteren Quellen. Das ist klug und pragmatisch dazu. Eigentlich könnte man Horx auch offiziell zum Rollenmodell ernennen. Denn das isser. Für eher lahm daher kommende Prognosten genauso wie für den nächstbesten selbsternannten Berliner Advantgardisten. Merke: Zweieinhalb Minuten Vorsprung reichen. Fast immer.

Permalink (7 Kommentare)   Kommentieren