Montag, 12. Dezember 2005

Normalerweise ist das ja so: So spätestens ab 15.12 verfalle ich in eine lähmende Jahresendlethargie, die mich zu einem auf dem Bett liegenden, Talkshow schauenden, Dominosteine essenden, fett werdenden, nicht nachdenkenden Faulpelz macht. Das war schon immer so, warum sollte es jemals anders sein? Weil sich zum Beispiel verschiedene Institutionen dazu aufgerufen sahen, dies mal für mich zu ändern. Neben verschiedenen, wenig lustigen Briefwechseln mit Rentenanstalten (Die so: "Sie haben immer noch nicht geschrieben, was sie 1985 gemacht haben". Ich so: "Da war ich in der Schule und hab versucht die kleine Süße aus Syrien rum zu bekommen." Die so: "Welche Schule?" Ich so: "Na die halt." Die so: "Beweisen Sie das!" Ich so: "Wie denn?" Die so: Wenden Sie sich ans das damals für sie zuständige Schulamt" Ich so: "Och nööö") hat sich dieses Jahr zusätzlich meine Krankenversicherung dazu entschlossen, mich auf Trab zu bringen, in dem sie mir einfach mal so gekündigt hat.

Angeblich, weil ich wegen einer Sache schon mal vor Jahren in Behandlung war, was ich nicht gesagt habe, aber nun wieder behandeln lasse, weswegen sie nun kündigen wollen und gleich auch alle gezahlten Beiträge für dieses Jahr einbehalten. Das ist natürlich Quatsch, das sagt selbst mein zuständiger Versicherungsfritze, aber, es sei nun leider so, dass die computergesteuerte Riesenmaschine (hihi) angelaufen sei, und nun müsse ich aktiv werden. In dem ich a) alle Arztberichte der letzten Jahre zusammen suche und b)nachweise, dass das, weswegen ich in diesem Jahr behandelt wurde, nicht das ist, weswegen ich schon mal vor ein paar Jahren behandelt wurde und mein Hausarzt mir genau das schreibt.

Das ist alles unschön, wie Versicherungen überhaupt schon sehr unschön sind. Neben hinterlistigen lustigen Fragebögen, in den auf 20 Seiten Fragen wie "Sind Sie jemals nicht wegen Hassunichgesehen niemals untersucht worden, oder haben Sie auf die Untersuchung verzichtet? Ja/Nein?" sucht man offenbar jede auch nur sich bietende Möglichkeit aus Verträgen raus zukommen und die gezahlten Beiträge des Jahres (Solidargemeinschaft!) einzubehalten. Was ich sowieso merkwürdig finde. Wenn sie einen rauswerfen, dann können sie das ja gerne machen, aber die Beiträge einbehalten? Seit wann ist das Risiko eine Versicherung abzuschließen auf der Seite desjenigen, der sich versichert? Natürlich gibt es dafür eine Klausel. Mein Versicherungsfritze ist aber guter Dinge, dass dies ein "automatisch wegen der Computer zustande gekommener Fehler" sei, der leicht auszuräumen ist. Derweil bin ich einfach mal nur vielleicht versichert, denn wenn die Versicherung ihren Fehler einräumt, dann bin ich versichert, wenn nicht, dann nicht, kann aber auch für den Moment keine neue abschließen, da das Verfahren ja nicht abgeschlossen ist.

Nun überlege ich, wie ich mein persönliches Risiko abmildern kann. Ich werde also am besten zu Hause bleiben, alle Briefe und Unterlagen, die zur Post müssten per Fahrradkurier dort hin bringen lassen, dass Fahrrad stehen lassen, zum Arzt nur gehen, in dem ich mit dem Taxi fahre (Insassenunfallversicherung des Fahrers überprüfen!) und keine elektrischen Geräte mehr anfassen. Die Matratze lege ich auf den Boden, damit ich nicht aus dem Bett falle, ich esse nur noch vorgeschnittenes Brot, bade nur noch mit Schwimmflügeln und gehe die Treppe runter, in dem ich mich mit beiden Händen am Geländer festhalte. Alles Dinge, die man vor Weihnachten unbedingt noch braucht.

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