Echter Frühling heute. Ich meine, es war schon mal warm, einmal sogar so sehr, dass man in diesem Kakaoladen am Helmholtzplatz sitzen und Kakao mit Orangengeschmack und später dann Bier trinken konnte. Und dabei endlich wieder Haut, und die Empfindung, dass man mal wieder etwas begehrt, begehren könnte, dass man eine Pause im Leben machen muss, nur damit man begehren kann, damit alles um einen herum unwichtig wird, und man die Begierde in der Vordergrund stellt. Nicht so eine hungrige Begierde, die das Bewußtsein niederkämpft, sondern eine, die sanft wie der Wind ist, der langsam die Vorhänge bewegt, der über den Körper streicht, wenn man im Sommer schwitzend vor Regungslosigkeit auf den Bett liegt und auf genau diesen Moment wartet. Mit so einer Begierde, mit dem Wunsch nach Konzentration auf ganz winzige Stellen am Körper der anderen, Hautfetzen, kleine Lieblingstellen, eine Narbe vielleicht, weil sich an einer Narbe doch die Bravour der Erotik misst. Und dann lachen und noch ein Bier trinken und die kalte Flasche fühlen und wenn man jetzt nackt rumliegen würde, dann käme man bestimmt auf die Idee, die kalte, nasse Flasche ganz sanft an der Lieblingsstelle entlang zu führen. So ein Tag ist heute in Berlin.