Flickr Alternativen

Update 21.06.07

Flickr hat sich nach einer Woche endlich geäußert und erklärt, dass man die Filter gelockert hat. Deutsche User dürfen nun auch "moderate" Bilder sehen. Motive, die unter "restricted" stehen, sind aber weiter ausgeschlossen. Netter Witz. Denn offen bleibt weiterhin, wie die Österreicher und Schweizer, deren Länder völlig andere Gesetze zum Thema Jugendschutz haben, in Zukunft behandelt werden und für die ebenfalls betroffenen Regionen Hongkong, Korea und Singapur bestehen die Filter weiter.

Stewart Butterfield, einer der Mitbegründer von Flickr, erklärt in einem Posting was man beschlossen hat, und geht, leicht genervt, in einem weiteren Posting auf ein paar Hintergründe ein. Die erste Reaktion vieler User im Forum ist die, dass man mit der Lösung nicht zufrieden ist, weil sie im Grunde nichts ändert. Stewart führt weiterhin das deutsche Jugendschutzrecht als Grund für die Filter an, was etliche deutsche Rechtsanwälte und auch Vertreter von jugendschutz.net (siehe unten) nicht nachvollziehen können.

Naja, mehr muss man wohl nicht mehr dazu sagen.

Update 20.06.07

Aha.

Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, widerspricht nun der Darstellung von Yahoo: Seine Stelle habe nicht auf Flickr oder Yahoo eingewirkt, den Filter für Deutschland zu aktivieren. Seiner Auskunft nach geht die Lösung "über die gesetzliche Verpflichtung hinaus", weil ein Dienst wie Flickr rechtlich als Host-Provider zu behandeln sei, der nur auf Hinweis zur Entfernung von illegalen Inhalten verpflichtet ist.
Quelle
Das sollte den Rechtsanwälten von Yahoo Deutschland auch bekannt sein. Es gab und gibt also keinen Grund für einen Filter jedweger Art.
Update:
1. Test Ipernity am Ende des Artikels.
2. Flickr hat sich mittlerweile geäußert und die Schuld an den geschalteten Filter auf das deutsche Jugendschutzgesetz geschoben. Aha. Warum haben dann alle anderen Communityseiten mit deutschen Adressen keine Probleme? Wenn man, wie die Flickr Verantwortlichen behaupten, lange darüber nachgedacht hat, wie man am besten damit umgeht, warum hat man dann die Aktion nicht a) angekündigt und b) vorher andere Möglichkeiten mit den Usern eruiert? Und warum werden Österreich und die Schweiz, deren Gesetze da völlig anders sind, einfach mitzensiert?
3. Flickr wird wegen dieser Geschichte nicht untergehen.
4. Natürlich kann sagen, dass es wichtigeres in der Welt gibt, um das man sich kümmern sollte. Für mich ist das momentane Vorgehen von Yahoo/Flickr nur der Tropfen, der mein Fass zum Überlaufen gebracht hat. Man könnte einfach still seinen Account löschen und die Sache vergessen. Aber damit ist es meiner Meinung nach nicht getan. Es geht um weit mehr. Wir erleben in den letzten Jahren immer mehr, dass die Freiheiten im Internet immer weiter eingeschränkt werden. Vor allem die Freiheit der Information.
Ohne den freien Zugang zu Informationen, würde es so etwas wie Blogs nicht geben. Ohne die freie Verfügbarkeit von Bildern aus Krisengebieten, von Demonstrationen und anderen Dingen, würden Regierungen und Behörden in weniger demokratischen Ländern, ihre Gatekeeping Funktion behalten. Wie groß die Angst mancher Regierung vor dem Internet ist, zeigt sich allein in der Tatsache, dass die chinesicher Regierung ihrem Volk den Zugang zu Flickr zur Zeit völlig untersagt (wo gegen Yahoo ironischerweise offiziell protestiert hat). Das, was Flickr gerade macht, ist im Grunde nichts Schlimmes, denn nackte Haut kann man auch woanders sehen. Aber, ich wiederhole mich da gerne: Jetzt ist es ein Filter für nackte Haut, demnächst sind es Bilder, die aus anderen Gründen plötzlich als "restricted" gelten. Seien es Bilder von Protesten, oder andere Dinge. Die US Regierug will keine Bilder aus dem Irak? Kein Problem, wir haben ja Filter! Die deutsche Regierung will nicht, dass Bilder erscheinen,weil sie zu Protesten aufrufen? Auch kein Problem. Israel möchte keine Bilder aus einem Flüchtlingslager sehen. Machen wir, wir haben ja Filter. Im Internet gilt das, was in der Informationspolitk schon immer galt: Wer die Informationen kontrolliert, der kontrolliert die Meinung. (Ein Problem, was auch das Thema Google berührt, aber das würde hier zu weit führen).
Flickr wird das alles überleben, aber es wäre gut, wenn es ein, zwei oder gar drei Konkurrenten geben könnte, die den Wettbewerb verbessern. Wie man weiß, ist Geld unpolitisch, es richtet sich gerade im Netz danach, wo die Masse User sind. Hätte Flickr mehr Konkurrenz, zu der jetzt die User massiv hinfliehen würde - ich bin mir sicher, dass die Reaktionen von Yahoo deutlich freundlicher und schneller wären. Wer den Protest gegen Flickr als typisch hysterische Reaktion verwöhnter Netzbewohner klassifiziert, liegt ziemlich daneben und vergisst, dass es auch seine Rechte sind, um die es hier geht.
-----schnipp----
Auch nach zwei Tagen kommt von Flickr nicht mehr als heiße Luft in Sachen Zensur. Keine Erklärung, warum man zensiert, keine Erklärung, was man gedenkt zu tun. Es gibt Vermutungen, dass Flickr/Yahoo die Beschränkungen wegen Problemen mit dem deutschen Jugendschutzgesetz und/oder der Foren/Kommentarhaftung eingeführt hat. Wenn dem so wäre, könnten sie es ja sagen und den schwarzen Peter wem auch immer zuschieben. Tun sie aber nicht. Also muss es andere Gründe geben und Flickr wird immer mehr zu einem großen Ärgernis. Was will man zu einer Firma noch sagen, dessen Aktionärsversammlung es ablehnen, sich aktiv gegen Zensur zu wenden? Was vor ein paar Jahren eine nette Firma war, ist jetzt nur noch eine Milchkuh von Yahoo, eine Firma, die mittlerweile schlimmer ist, als Microsoft und AOL zusammen. Doch was für Alternativen gibt es und wie bekommt man seine Fotos von Flickr runter?
Wer seine Fotos bei Flickr als runterziehen möchte, kann das mit diesem Tool bequem machen (Win/Mac/Linux). Allerdings sollte man das lieber über Nacht machen, denn das dauert.
Ich habe auf die schnelle mal ein paar Alternativen zu Flickr ausprobiert, die ich kenne oder die in den Kommentaren genannt wurden.
Gar nicht gehen:
  • Sevenload. Aus den AGBs
    Ebenfalls ist das Einstellen von Inhalten mit Bezug zu politischen Tätigkeiten, wie Parteiversammlungen, Demonstrationen, Flugblatt- oder Unterschriftenaktionen sowie die Abbildung von politischen Symbolen nicht gestattet.

  • Zoto. Flashhölle, dazu nur 14 Tage Testphase, dann muss man 20 $ zahlen, was nicht viel ist, aber 14 Tage sind auch nicht besonders lang. Die Feature Liste liest sich zudem so: "Store your photos, share your photos, publish your photos, organize your photos, view your photos". Super Idee.

  • Fotki. Die Startseite muss ein Designer gemacht haben, der vermutlich ein Messi ist. Das Chaos setzt sich fort, wenn man Bilder hochlädt, sortiert usw. (Testfoto). Dazu fehlen die ganzen angenehmen Dinge, die man von Flickr kennt, wie Gruppen, Upload per Handy usw.

  • Photoblog.be ist Web 0.5

  • Photoblog.com ist genau das, was der Name sagt. Man bekommt (umsonst) ein Photoblog. Das ist nicht schlecht, aber kein Ersatz für Flickr. (Testfoto)

  • Fotolog.com ist ebenfalls Web 0.5

  • Bei Photosite.com unterlegen User ihre Familienbilder mit Musik.

  • View. Die Fotocommunity vom Stern ist nicht schlecht, aber eher für User gedacht, die sich zumindest semiprofessionell mit dem Fotografieren beschäftigen. Selbst, wenn man ein Abo kauft, ist der Uoload auf 20 Fotos die Woche beschränkt. Es fehlen auch sämtliche mobile Möglichkeiten.

  • Sharpcast. Was mich schon direkt nach der Anmeldung genervt hat, ist der Umstand, dass man sich erst eine Software runterladen soll, bevor man ein Foto online stellen kann. Muss man aber gar nicht. Dazu kommt noch: Backups gehen nur gegen Geld und ein Premium Abo kostet sage und schreibe 65 $ Dollar. Es gibt auch keine Gruppe, dafür eine "Mobile Edition" die ich nicht ausprobiert habe und die auf Dauer aber nur geht, wenn man ein Premium Abo hat.

  • Picolodia. Allein der Name macht mich schon fertig. Was ist das? Das "Nanunana" der Fotoszene? Ansonsten ist das Ding nicht schlecht, wenn auch nur für Leute, die alle halbe Jahre mal ein Bild online stellen wollen. Die AGBs passen auf eine halbe Seite, der Upload ist fix und man schon währenddessen Tags und Beschreibungen eingeben. (Testfoto. Man hat aber nur 300 MB Speicher, was bei 5 Megapixel Bilder etwa 120 Fotos entspricht. Nach einem Urlaub ist der Speicher voll. Auch nicht vorhanden: Gruppen, Handyfunktionen usw. Dafür ist alles kostenlos, eine Upgrade Variante gibt es nicht.

  • Picasa. Ein sehr halbherziger Versuch von Google etwas gegen Flickr zu unternehmen. Nur ein 1GB Datenspeicher, keine Gruppen, nix per Handy. Lohnt nur, wenn man schnell ein Bild speichern möchte und man eh einen Google Account hat.

  • Yourep und Shutterbook sind tot

Ausser Konkurrenz

  • Whoopy. Ein Leser (Danke Jürgen) macht mich auf diesen Dienst aufmerksam. Wirklich sehr schon gemacht, weil man auf einer Startseite landet, die eine Weltkarte zeigt und man von da aus einfach los surfen kann. Man kann dann auch noch in die Karte reinzoomen und genauer suchen. Super Idee, aber auch hier fehlen die gewohnten Annehmlichkeiten von Flickr. Dazu kommt, dass die Bilder auf 1280 Pixel zwangsreduziert werden und kein Bild größer als 2 MB sein darf. Gefällt mir aber als Ausgangspunkt, wenn man mal irgendwo hinfahren will, oder wenn man an einem verregneten Nachmittag mal Langeweile hat.

Übrig bleiben dann

  • Webshots
    Kannte ich überhaupt nicht, aber sieht nicht schlecht aus. (Testfoto). Webshots kann eine ganze Menge, was Flickr auch kann und das teilweise sogar deutlich besser. Menüführung, Upload usw. sind deutlich besser. Das ganze Dinge ist aber in Flash und wirft die Bilder auch in Flash aus, was für einige schon ein k.o. Kriterium sein wird. Mich stört das nicht. Was Webshots allerdings fehlt sind die Gruppen. Man kann, recht old school, nur Kategorien angeben, aber keine Tags und Gruppen, wo man andere Leute eher kennen lernen könnte. Das ist enttäuschend für eine Seite, die eigentlich nicht schlecht aussieht. Dafür kann man da praktisch umsonst unterwegs sein. Mit dem Free Account kann im Monat 1000 Fotos hochladen, plus 100 Fotos für jeden Monat in dem man Mitglied ist. Also praktisch unbegrenzt. Mehr geht nur mit einem knapp 30 $ teuren Pro Account, der zu dem direkt mit 5000 Fotos Speicherkapazität daher kommt. Schön auch, dass Webshots einen Backup Service hat.

    Fazit: Sieht gut aus, kann aber zu wenig. Ich vermisse vor allem die Vernetzungsmöglichkeiten durch Gruppen. Fotos nach Kategorien und Topics einzuteilen ist mir zu wenig. Dazu kann man nichts per Handy hochladen.

  • <a href=beta.zooomr.com">Zooomr<. Hatte ich eigentlich schon von meiner Liste genommen, aber per Mail wurde ich gestern noch auf die Vorzüge hingewiesen. In der Tat scheint Zooomr auf den ersten Blick nicht schlecht zu sein. (Testfoto). Design und Menüführung sind allerdings noch die Hölle. Immerhin kann man hier Labels (Tags) setzen und Gruppen scheint es auch zu geben. Irgendwie. Denn wie man die Fotos in die Gruppe reinbekommt habe ich noch nicht auf die Schnelle rausfinden können. Weitere große Minuspunkte: Man kann nix per Handy hochladen und eine Backupfunktion habe ich auch nicht gefunden. Wenn Zoomr das mit den posten per Mail oder Telefon und die Sache mit den Gruppen ändern, könnte da was draus werden.

    Fazit: Kann man machen, nervt aber oft mit elendig lahmen Servern und einem eingeschränkten Funktionsumfang. (Note ich hab da einen Pro Account, weil ich irgendwann mal eine Einladung bekommen hatte, als das Ding noch Alpha war)

  • 23hq ist auch so ein Flickr Klon. Das sieht man schon, wenn man nur ein Foto anschaut (Testfoto). Der Funktionsumfand von 23hq ist enorm. Im Prinzip bietet die Seite alles, was man von Flickr kennt. Auch kann man Bilder per Mail/MMS versenden und posten, aber man kann sie nicht direkt aufs eigene Blog stellen. Ansonsten ist alles etwas anders als bei Flickr, aber im Grunde sind die Funktionalitäten ähnlich, wenn auch teilweise besser gelöst. Allerdings: mehr als 30 (300 in den ersten 14 Tagen nach der Anmeldung) Bilder darf man bei 23hq im Monat nicht hochladen. Wer unlimitiert hochladen will, der muss 20 Euro für ein Jahr bezahlen, was ein ganz okayer Preis zu sein scheint. Dafür gibt es keine Beschränkungen bei der Menge der Bilder, die man gespeichert hält. Es gibt, etwas versteckt in den Settings, auch eine Backup Funktion. Dazu gibt es eine sehr gut dokumentiert API, deren Funktionsumfang wohl riesig ist. Das tolle: die Flickr API und die von 23 sind sich sehr ähnlich. Es bedarf bei den meisten kleinen Programmen wohl nur wenige Handgriffe und eine für Flickr programmiertes Tool läuft auch für 23.

    Fazit: Mein Favorit. Kann alles, kostet wenig. Allerdings tut sich da auch nicht viel. Ich kenne die Seite seit zwei Jahren und seitdem ist die Community nicht wirklich groß gewachsen. Vielleicht ändert sich das jetzt.

  • Ipernity. Sucht man etwas, dass aussieht und sich anfühlt wie Flickr, ist bei Ipernity nicht falsch. Im erste Moment könnte man bei den Fotoseiten denken, dass Flickr ein neues Design hat (Testfoto). Allerdings ist der Service auch noch sehr beta. Email/Blogupdates gibt es noch nicht, Gruppen habe ich kaum gefunden und manchmal braucht die Seite etwas, bis sie sich aufbaut. Es gibt die Möglichkeit einen Pro Account für knapp 24 Euro, die alle Limitierungen aufhebt. Allerdings habe ich keine Informationen finden können, welchen Beschränkungen der Free Account nun hat. Fazit: Sieht nicht schlecht aus, es scheint auch ein bisschen was los zu sein. Der Dienst stammt aus Frankreich.

Allgemeines Fazit

Um es gleich klar zu sagen: Es gibt zur Zeit keine Flickr Alternative, weil Flickr vor allem im internationalen Bereich zu mächtig ist. Es wird dauern, bis sich ein Dienst entwickeln wird, der auch nur annähernd an die fotografische Vielfalt von Flickr heranreicht. Die Alternativen sind zwar da, aber sie sind noch weit, weit, weit davon entfernt, die Reichweite von Flickr zu haben.

Wer gerne anderer Leute Fotos anschaut, wer Fotokontakte in Chile, Australien oder Indien sucht, wer nach einem Ort recherchieren will und wer vor allem seine Fotos bekannt machen möchte, wird um Flickr nicht herumkommen.

Wer nur für sich eine Alternative sucht, einen Platz für seine Fotos zu finden, der braucht Flickr nicht und sollte sich bei Webshots, Zoomr oder 23hq umschauen.

Ich habe mich noch nicht entschieden, was wohin ich gehe, aber 23hq liegt klar vorne. Es wird im Moment keine neuen Bilder geben, die ich bei Flickr hochladen werde. Ausgenommen jenen, die ich hier mobloggen will. Das kann leider zur Zeit nur Flickr und für irgendwas muss sich das die Kohle, die ich Yahoo in den Rachen geworfen habe, ja noch lohnen.


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