Soso. Sponline schreibt (immerhin mal mit halbempörten Unterton):
Ziel der "Postbeschlagnahmungen" seien ausschließlich Bekennerbriefe gewesen, hieß es heute.
[...]

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wurde nur ein Brief geöffnet, die übrigen äußerlich in Augenschein genommen.
Frage 1:
Warum muss man Bekennerschreiben, die meist an so unbekannte Adressaten wie jene der dpa gerichtet sind, abfangen, wenn sie doch eh ankommen und der Polizei übergeben werden? Denkt man, dass sich die mögliche Terroristen die Schreiben erst einmal mit vollem Absender zum Gegenlesen gegenseitig per Post zuschicken? Nach dem Motto "Du, schau mal wegen der Kommata?"

Frage 2:
Wie erkennt man ein Bekennerschreiben, die ja vermutlich nicht selten ohne Absendeadresse kommen? Krackelige Handschrift? Am Rand angekokelt? Mao-Briefmarke?

Frage 3:
Wenn die Behörden nur Bekennerschreiben gesucht haben, warum haben Sie dann die Post aus den Stadtteilen Eimsbüttel und St.Georg gefilzt? Da sitzt keine einzige Redaktion, an die ein Bekennerschreiben gerichtet werden könnte. Die sitzen alle im Zustellbezirk Mitte.

Frage 4:
Freuen sich die Journalisten, die in den Stadtteilen gerne wohnen, dass ihre Post gegengelesen wird?

Frage 5:
Ich glaube kaum, dass sich irgendein ein militanter Linker noch die Mieten in der Schanze erlauben kann. Wen überwacht man da?

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vib, Fr, 25.05.2007, 17:47
vib
In meinen Augen auch eine ziemlich alberne und sinnfreie Aktione, die verfassungsrechtlich allerdings ziemlich bedenklich ist. Wahrscheinlich sind die Ermittlungsgrundlagen aus den 80ern bzw. diejenigen, die das angeleiert haben, leben noch in den Feindbildern der 80er. Was da jetzt als Erklärung (gezwungenermaßen) abgesondert wird, ist eigentlich eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand. Interessant allerdings der letzte Satz von Schäuble in dem oben genannten Spiegel-Artikel: "Wir sind kein Land, in dem Geisteskranke unterwegs sind!" Wenn man sich da nur so sicher sein könnte...

percanta, Fr, 25.05.2007, 17:47
Frage 2: Na, an den aus Zeitschrifen ausgeschnittenen Buchstaben, aus denen die Adresse geklebt ist!
Sonst auch: große Ratlosigkeit.

alexander svensson, Sa, 26.05.2007, 01:10
Zu 1.
Vielleicht weil die Polizei den Brief nicht nur lesen will, sondern auch den/die Verfasser finden will und dazu gern wüsste, wo der Brief genau im Briefkasten landete?


Zu 3.
In den Medien war die Rede von Vierteln wie "Schanzen- und Karolinenviertel, Altona, Ottensen, St .Pauli oder Eimsbüttel". Da geht es aber um den Absender.

Das Briefzentrum Hamburg-Zentrum in Altona ist für die Postleitzahlen 20xxx und 22xxx zuständig, also unter anderem für Mopo, dpa und Abendblatt. Beispielsweise wurde der Bekennerbrief derjenigen, die das Auto des GdP-Vorsitzenden angezündet haben, dort verteilt.

tomsdiner, Sa, 26.05.2007, 16:49
zu Frage 2:
Ggf. indem man die Post gegen das Licht hält und versucht etwas zu erkennen? Vielleicht haben die Ermittler auch ein spezielles Röntgengerät mit dem man Briefe durchleuchten kann.
Ansonsten glaube ich an die Spürnasen der Beamten und deren 7. Sinn. Bei Grenzkontrollen gibt es auch keine Richtlinien woran man Drogenschmuggler erkennt. Trotzdem liegen die Beamten oft richtig mit ihrer Vermutung welches Fahrzeug einer genaueren Betrachtung verdient.

Zu Frage 5:
Viele Hooligans gehen unter der Woche durchaus sehr gut bezahlte und sehr hoch geachteten Jobs nach. Nicht jeder Hooligan ist ein Hartz-IV-Empfänger der sonst nichts zu tun hat außer sich zu prügeln.
G8-Gegner sind auch nicht ausschließlich in WGs anzufinden welche wiederum zwanghaft in besetzten Häusern residieren. Hinzu kommt, dass man Mitläufer nicht ausschließen darf.

In der Presse wird es so dargestellt, als wenn ausschließlich gegen gewaltbereite Linke ermittelt wird. Viel gefährlicher, weil wesentlich schwerer zu erkennen, sind aber die Mitläufer und Wochenend-Randalierer.


Zusatzfrage:
Gab es diese Post-Überwachung nur in Hamburg oder auch in anderen Städten? Wenn nicht, warum nicht?
Geht die Polizei etwa davon aus das Extremisten nur den einen Briefkasten um der Ecke kennen?
Ich glaube nicht das die Täter so blöd sind und ausgerechnet den Briefkasten verwenden, der ihrem Wohnsitz am nächsten ist. Wenn denn, dann fährt man halt mal mit der U-Bahn zwei, drei Haltestellen weiter oder wirft den Brief irgendwo unterwegs ein. Mittlerweile dürfte es auch dem letzten Extremisten bekannt sein das man Briefe recht gut zurück verfolgen kann.

bobo99, Sa, 26.05.2007, 17:35
ist doch klar
während den razzien wurden natuerlich auch geruchsproben genommen .. die armen huendchen die ja nichts dafuer koennen werden auf den geruch gelockt .. dann die vorhandenen briefkaesten auch noch danach gecheckt .. dann trottet der hund vielleicht auch noch bis in die wohnung der terroristen und hoppla .. das ist unser kleiner 129c terrorverdacht .. oder wie? ...hehe .. das ist so durchsichtig!

konsumjunkie, So, 27.05.2007, 13:44
Sind wir nicht alle ein bisschen §129a?
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