Dienstag, 6. Mrz 2007, 18:48 - Topic 'Wirtschaft ist tot'
Bitter. Wirklich bitter. Die Schweizer machen sich mal wieder Sorgen, dass zuviele Ausländer in ihr hübsches Land wollen. Diesmal sind es aber nicht Slowenen, Türken oder Italiener, die die Schweiz in Gefahr bringen - nein, es sind die Deutschen.
Die Zeitschrift "Blick" hat einen sehr interessanten Artikel im Angebot, der mal einen Blick von Außen auf die Politik der deutschen Wirtschaft wirft. In der Schweiz scheint man ziemlich sauer auf die Deutschen zu sein, spricht man doch von "Lohndumping" mit dem Deutschland innerhalb der EU seine Wirtschaft versucht zu stabilisieren. Und in der Tat stimmt es nachdenklich, wenn man liest, dass selbst das nicht eben für seine hohen Löhne bekannte China im letzten Jahr von Deutschland bei der Ausfuhrleistung auf den zweiten Platz verwiesen wurde. Mit anderen Worten: Man arbeitet hier offenbar nicht viel teuer als in China, bei vermutlich höherer Qualität. Die netten Gewinne, die viele Firmen in Deutschland mit dieser Politik gemacht haben, wurden aber nicht in die Arbeitnehmer reinvestiert. Im Gegenteil. Gleichzeitig hat der Staat sich aus vielen Sozialleistungen zurückgezogen und überläßt den Bürger, vor allem im Alter, sich selbst.
Würde sowas in Frankreich passieren, würden da schon längst die Leute auf der Strasse stehen, aber hier im heimeligen Deutschland, hat die Politik zusammen mit der Wirtschaft ganze Arbeit geleistet. Die Angst, seinen Job zu verlieren, weil man gegen eine nicht nachvollziehbare Politik streikt, ist so groß, dass man eben nichts macht. Und da muss schon ein schweizer Boulevardblättchen kommen, damit einem das auch mal auffällt.
Artikel via fefe
Die Zeitschrift "Blick" hat einen sehr interessanten Artikel im Angebot, der mal einen Blick von Außen auf die Politik der deutschen Wirtschaft wirft. In der Schweiz scheint man ziemlich sauer auf die Deutschen zu sein, spricht man doch von "Lohndumping" mit dem Deutschland innerhalb der EU seine Wirtschaft versucht zu stabilisieren. Und in der Tat stimmt es nachdenklich, wenn man liest, dass selbst das nicht eben für seine hohen Löhne bekannte China im letzten Jahr von Deutschland bei der Ausfuhrleistung auf den zweiten Platz verwiesen wurde. Mit anderen Worten: Man arbeitet hier offenbar nicht viel teuer als in China, bei vermutlich höherer Qualität. Die netten Gewinne, die viele Firmen in Deutschland mit dieser Politik gemacht haben, wurden aber nicht in die Arbeitnehmer reinvestiert. Im Gegenteil. Gleichzeitig hat der Staat sich aus vielen Sozialleistungen zurückgezogen und überläßt den Bürger, vor allem im Alter, sich selbst.
Würde sowas in Frankreich passieren, würden da schon längst die Leute auf der Strasse stehen, aber hier im heimeligen Deutschland, hat die Politik zusammen mit der Wirtschaft ganze Arbeit geleistet. Die Angst, seinen Job zu verlieren, weil man gegen eine nicht nachvollziehbare Politik streikt, ist so groß, dass man eben nichts macht. Und da muss schon ein schweizer Boulevardblättchen kommen, damit einem das auch mal auffällt.
Artikel via fefe
micro_robert,
Di, 06.03.2007, 18:53
OK, Werner Vontobel, übrigens ein feiner Ökonom und Wirtschaftsjournalist, der früher lange bei der "Weltwoche" geschrieben hat, als diese noch nicht von rechtsliberalistischen Sugardaddies (Roger Köppel) aufgekauft war, schreibt das zwar schon seit Jahren, aber es ist nett, dass man auch mal in Deutschland guckt, was anderswo geschrieben wird.
DonDahlmann,
Di, 06.03.2007, 18:57
Ich verstehe die Politik in Deutschland nicht mehr. Statt den Leuten hier Geld in die Hand zu geben, nimmt man es ihnen weg. Statt zu fördern, schränkt man ein. Man wird das Gefühl nicht los, dies geschehe alles unter dem Primat einiger Wirtschaftsunternehmen, die lieber einen gefügigen als einen zufriedenen Arbeitnehmer haben.
DaveKay,
Di, 06.03.2007, 19:08
ich muss kotzen
ziwo,
Di, 06.03.2007, 19:09
so gehts nich dahlmann und blick
"Und in der Tat stimmt es nachdenklich, wenn man liest, dass selbst das nicht eben für seine hohen Löhne bekannte China im letzten Jahr von Deutschland bei der Ausfuhrleistung auf den zweiten Platz verwiesen wurde."
das is leider wirtschaftlich völliger irrsinn, denn wenn ich mein logo auf ein von mir entwickelten aber in china gefertigten kühlschrank klebe dann is das ein deutscher ausfuhrkühlschrank. die outgesourcte produktion is ein verdammt schlechtes beispiel.
im übrigen waren wir stets die nummer 1 in der ausfuhr seid menschengedenken und andersrum wird ein schuh draus wenn china die polposition übernimmt neben den hohen weihen als fabrik der welt wie der siemensvorstand glühenden auges bei der letzten hv verkündete.
meinen tut dahlmann und blick aber das lohnstückkostendumping in deutschland was wir seid 15 jahren haben.
da sind die proteste aus frankreich verständlich weil die müssen entweder mitmachen oder deutschland verschafft sich einen wettbewerbsvorteil was viele franzosen erregt.
auf der anderen seite war die französische poltik mit der deutschen in dieser sache in einem schmuddelboot nur eben die deutschen neoliberalen effektiver und die deutschen arbeiter und angestellten eben "reform"angepasster.
was bei gott dies alles mit denen in der nicht-eu-schweiz wohnenden deutschen zutun hat weiss nur dahlmann und der blick denn es is in der sache völlich belanglos ob sich da deutsche oder arbeiter aus buranda burundi billich zur freude von nestle und co anbieten.
das is leider wirtschaftlich völliger irrsinn, denn wenn ich mein logo auf ein von mir entwickelten aber in china gefertigten kühlschrank klebe dann is das ein deutscher ausfuhrkühlschrank. die outgesourcte produktion is ein verdammt schlechtes beispiel.
im übrigen waren wir stets die nummer 1 in der ausfuhr seid menschengedenken und andersrum wird ein schuh draus wenn china die polposition übernimmt neben den hohen weihen als fabrik der welt wie der siemensvorstand glühenden auges bei der letzten hv verkündete.
meinen tut dahlmann und blick aber das lohnstückkostendumping in deutschland was wir seid 15 jahren haben.
da sind die proteste aus frankreich verständlich weil die müssen entweder mitmachen oder deutschland verschafft sich einen wettbewerbsvorteil was viele franzosen erregt.
auf der anderen seite war die französische poltik mit der deutschen in dieser sache in einem schmuddelboot nur eben die deutschen neoliberalen effektiver und die deutschen arbeiter und angestellten eben "reform"angepasster.
was bei gott dies alles mit denen in der nicht-eu-schweiz wohnenden deutschen zutun hat weiss nur dahlmann und der blick denn es is in der sache völlich belanglos ob sich da deutsche oder arbeiter aus buranda burundi billich zur freude von nestle und co anbieten.
kristof,
Di, 06.03.2007, 23:55
Oh, Herr Ziwo, ich hab mal einen kompletten Kommentar von ihnen gelesen.
kathleen,
Mi, 07.03.2007, 01:14
so did I
eric cartman,
Mi, 07.03.2007, 10:14
Herr Ziwo, Ihnen ist aber schon aufgefallen, dass im Artikel des Blick vom Exportüberschuss die Rede ist und damit die Importe schon abgerechnet sind?
thegoat,
Mi, 07.03.2007, 11:30
Vorweg gesagt: ueber die Verhaeltnisse in Deutschland bin ich nach mehreren Jahren in GB nicht mehr so genau im Bilde. Allerdings erscheint mir das sehr negative Deutschlandbild im "Blick"-Artikel / Blogeintrag doch etwas schief. Nur drei kurze Anmerkungen:
(i) "Gleichzeitig hat der Staat sich aus vielen Sozialleistungen zurückgezogen und überläßt den Bürger, vor allem im Alter, sich selbst."
In GB ist das normal, schon seit Jahren, und heisst Betriebsrente. Geht der Betrieb Pleite (s. Rover) - Pech gehabt.
(ii) Die beeindruckenden Reallohnsteigerungen auf der Insel haben sicherlich auch mit den (relativ) niedrigen Steuern / Abgaben hier zu tun. Die Kehrseite? Monatelange Wartezeiten im Krankenhaus, nichtexistenter Oeffentlicher Personennahverkehr, marodes Eisenbahnnetz incl regelmaessiger (toedlicher) Unfaelle etc etc
(iii) Das immense Wirtschaftswachstum in GB, welches die juengsten Reallohnsteigerungen (mit)traegt, ist ganz offensichtlich auf Pump finanziert, sowohl in oeffentlicher als auch in privater Hand. Ein Beispiel ist der Immobilienmarkt, der nach dem Prinzip eines Kettenbriefes funktioniert: vielfach ueberteuertes Haus gekauft? Macht nix, wenn ich's in zwei Jahren zum doppelten Preis losschlagen kann. Wie lange das gut geht? Gute Frage.
Ist bestimmt nicht alles doom & gloom in D.
(i) "Gleichzeitig hat der Staat sich aus vielen Sozialleistungen zurückgezogen und überläßt den Bürger, vor allem im Alter, sich selbst."
In GB ist das normal, schon seit Jahren, und heisst Betriebsrente. Geht der Betrieb Pleite (s. Rover) - Pech gehabt.
(ii) Die beeindruckenden Reallohnsteigerungen auf der Insel haben sicherlich auch mit den (relativ) niedrigen Steuern / Abgaben hier zu tun. Die Kehrseite? Monatelange Wartezeiten im Krankenhaus, nichtexistenter Oeffentlicher Personennahverkehr, marodes Eisenbahnnetz incl regelmaessiger (toedlicher) Unfaelle etc etc
(iii) Das immense Wirtschaftswachstum in GB, welches die juengsten Reallohnsteigerungen (mit)traegt, ist ganz offensichtlich auf Pump finanziert, sowohl in oeffentlicher als auch in privater Hand. Ein Beispiel ist der Immobilienmarkt, der nach dem Prinzip eines Kettenbriefes funktioniert: vielfach ueberteuertes Haus gekauft? Macht nix, wenn ich's in zwei Jahren zum doppelten Preis losschlagen kann. Wie lange das gut geht? Gute Frage.
Ist bestimmt nicht alles doom & gloom in D.
ziwo,
Mi, 07.03.2007, 15:21
eric cartman
selbstverständlich red ich auch vom exportüberschuss
was blick und dahlmann da machen is sowas wie der satz von helmut schmidt
lieber 5 prozent inflation als 5 prozent arbeitslosigkeit
was blick und dahlmann da machen is sowas wie der satz von helmut schmidt
lieber 5 prozent inflation als 5 prozent arbeitslosigkeit
allons,
Mi, 07.03.2007, 15:21
Herdentrieb lesen
Hallo Don, wenn Du unregelmäßig mal in den "Herdentrieb" (VWL-Blog der ZEIT) geschaut hättest wärst du schon wesentlich früher darauf gekommen.
Best, Allons!
Best, Allons!
einalex,
Mi, 07.03.2007, 17:49
Ist ja auch klar, dass der Staat nich Mittel in Arbeitnehmer investieren kann, die die Unternehmen, nicht aber der Staat einnehmen. Der will jetzt endlich mal anfangen etwas weniger Schulden zu machen. Das kostet halt. Woher nehmen, wenn nicht von den Bürgern.
Man kann es auch so sehen: Wir haben Jahrzehntelang auf Pump im Wohlstand gelebt. Dass das nicht ewig geht sollte doch jedem klar sein.
Da stellt sich nur die Frage, wie man abnimmt und am Leben bleibt. Also: Wo sparen wir ohne in einer wirtschaftlichen Katastrophe zu enden.
Ob der jetztige Weg der richtige ist, steht auf einem anderen Blatt.
Man kann es auch so sehen: Wir haben Jahrzehntelang auf Pump im Wohlstand gelebt. Dass das nicht ewig geht sollte doch jedem klar sein.
Da stellt sich nur die Frage, wie man abnimmt und am Leben bleibt. Also: Wo sparen wir ohne in einer wirtschaftlichen Katastrophe zu enden.
Ob der jetztige Weg der richtige ist, steht auf einem anderen Blatt.
ziwo,
Mi, 07.03.2007, 20:07
einalex
die schuldensituation unterscheidet sich in gar nix von den usa.
die is da sogar viel problematischer durch das leistungsbilanzdefizit.
die is da sogar viel problematischer durch das leistungsbilanzdefizit.
