Braucht man einen Bloggerverband?
Dienstag, 19. Dez 2006, 18:07 - Topic 'Dieses Blogdings von man so viel hoert'
... oder reicht auch ein Pflaster? Der Oldman hat eine schöne Idee. In Sachen Abmahnungsgesetze und deren Umsetzung im Internet, möge man doch mal schauen, wie weit man die noch vorhandenen demokratischen Grundrechte nutzen kann.
"Nehmt Kontakt mit dem Wahlkreisbüro Eures / Eurer Bundetagsabgeordneten auf und versucht einen Termin mit Eurer/ Eurem Abgeordneten persönlich zu bekommen. Geht zu diesem Termin und vermittelt dem / der Abgeordneten die nötigen Kenntnisse über die Blogosphäre und Weblogs"
Kann man machen, ob man allerdings die Zeit dazu, einen dreitägigen Einführungskurs zu geben, ist dann wieder eine andere Sache. Ich persönlich glaube ja, dass die Kluft zwischen einem Blogger und einem Abgeordneten nicht nur vom Alter her ziemlich groß ist. Und gegen den herrschenden Fraktionszwang kann man leider nichts machen. Treffend formulierte dies Quentin Skinner die Tage in eine Interview in der FAZ. Bezogen auf das englische Rechts- und Partiensystem und die Frage, ob wir heute Sklaven seien, ohne es zur Kenntnis zu nehmen, antwortete er:
Die Frage stellt sich anschließend, was man machen kann. Versucht man, wie der andere Don in der Blogbar vorsichtig andeutet, eine Art "Neo-APO" mittels Blogs auf die Beine zu stellen, oder passt man sich den Gegebenheiten an und gründet einen "Verband zum Schutz der Rechte deutschsprachiger Blogger e.v." und macht eben das, was alle machen: Politik? Die Idee taucht seit einigen Monaten immer mal wieder auf, und ich hab über das Thema auch schon mit etlichen Bloggern diskutiert. Persönlich kann ich mich mit der Idee einer Verbandsgründung nicht anfreunden, und ich frage mich, was so ein Verband bringen sollte, mal abgesehen von der wirklich witzigen Idee, zu versuchen den Bloggerverband dem "Netzwerk Recherche" anzugliedern (Insiderwitz, muss man nicht verstehen).
So richtig sehe ich aber keinen Sinn in einer Verbandsgründung. Zumal man ja weiß, wie einflussreich zum Beispiel die verschiedenen Journalisten Verbände in Deutschland sind, wie man an der täglich wachsenden, kritischen Berichterstattung der Medien ja sehen kann. (Ironietag bitte selber setzen). Zwar gibt es das Argument, dass man sich mittels eines Rechtshilfefonds innerhalb eines Vereines besser gegen ungerechtfertigte oder strittige Abmahnungen zur Wehr setzen könnte, aber dieses Argument geht meiner Meinung am Ziel vorbei. Denn dann könnte man auch schlicht einen "Anti-Abmahnungs-Verein" gründen. Ich gebe allerdings auch zu, dass die bisherige Vernetzungsstrategie (Verlinken, Mailen, Treffen, Vertrauen gewinnen, zusammenarbeiten) auf Grund der wachsenden und zersplitternden Blogszene an ihre Grenzen stößt.
"Nehmt Kontakt mit dem Wahlkreisbüro Eures / Eurer Bundetagsabgeordneten auf und versucht einen Termin mit Eurer/ Eurem Abgeordneten persönlich zu bekommen. Geht zu diesem Termin und vermittelt dem / der Abgeordneten die nötigen Kenntnisse über die Blogosphäre und Weblogs"
Kann man machen, ob man allerdings die Zeit dazu, einen dreitägigen Einführungskurs zu geben, ist dann wieder eine andere Sache. Ich persönlich glaube ja, dass die Kluft zwischen einem Blogger und einem Abgeordneten nicht nur vom Alter her ziemlich groß ist. Und gegen den herrschenden Fraktionszwang kann man leider nichts machen. Treffend formulierte dies Quentin Skinner die Tage in eine Interview in der FAZ. Bezogen auf das englische Rechts- und Partiensystem und die Frage, ob wir heute Sklaven seien, ohne es zur Kenntnis zu nehmen, antwortete er:
Ja, natürlich. Wir werden von einer Exekutive regiert, der wir nicht zugestimmt haben. Wir haben zwar die Abgeordneten ins Parlament hineingewählt, aber das Parlament hat in ganz entscheidenden Fragen überhaupt nichts zu melden. In der Entscheidung über Krieg und Frieden, wie beispielsweise in der Frage des Irak-Krieges, gibt es in Großbritannien eine königliche Prerogative, ein Vorrecht, das vom Premierminister im Namen der Krone ausgeübt wird: vom römischen Recht her betrachtet, ein klarer Fall von Sklaverei. Außerdem folgen die Abgeordneten der Parteidisziplin, obwohl wir sie als Abgeordnete und nicht als Funktionäre von Parteien gewählt haben.In Deutschland heißt das nicht königliche Perogative, sondern Richtlinienkompetenz des Kanzlers., bzw. Kanzlerdemokratie und unterscheidet sich in praktischen Umsetzung nur in Nuancen vom englischen Modell.
Die Frage stellt sich anschließend, was man machen kann. Versucht man, wie der andere Don in der Blogbar vorsichtig andeutet, eine Art "Neo-APO" mittels Blogs auf die Beine zu stellen, oder passt man sich den Gegebenheiten an und gründet einen "Verband zum Schutz der Rechte deutschsprachiger Blogger e.v." und macht eben das, was alle machen: Politik? Die Idee taucht seit einigen Monaten immer mal wieder auf, und ich hab über das Thema auch schon mit etlichen Bloggern diskutiert. Persönlich kann ich mich mit der Idee einer Verbandsgründung nicht anfreunden, und ich frage mich, was so ein Verband bringen sollte, mal abgesehen von der wirklich witzigen Idee, zu versuchen den Bloggerverband dem "Netzwerk Recherche" anzugliedern (Insiderwitz, muss man nicht verstehen).
So richtig sehe ich aber keinen Sinn in einer Verbandsgründung. Zumal man ja weiß, wie einflussreich zum Beispiel die verschiedenen Journalisten Verbände in Deutschland sind, wie man an der täglich wachsenden, kritischen Berichterstattung der Medien ja sehen kann. (Ironietag bitte selber setzen). Zwar gibt es das Argument, dass man sich mittels eines Rechtshilfefonds innerhalb eines Vereines besser gegen ungerechtfertigte oder strittige Abmahnungen zur Wehr setzen könnte, aber dieses Argument geht meiner Meinung am Ziel vorbei. Denn dann könnte man auch schlicht einen "Anti-Abmahnungs-Verein" gründen. Ich gebe allerdings auch zu, dass die bisherige Vernetzungsstrategie (Verlinken, Mailen, Treffen, Vertrauen gewinnen, zusammenarbeiten) auf Grund der wachsenden und zersplitternden Blogszene an ihre Grenzen stößt.
kaltmamsell,
Di, 19.12.2006, 22:00
Vielleicht reicht ja eine Wiederbelebung der Brigade Schantal Konopaschke?
dings,
Mittwoch, 20. Dezember 2006, 10:06
"Demokratie ist die schlechteste Regierungsform - außer all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind." Churchill
Außerdem haben wir ein prozedurales Verfassungssystem - Verfahren und Gesetze sichern das Mindestmaß an Verfassungskonformität. Zum Glück, denn auf Personen kann man sich nicht verlassen.
Ist mir auch lieber, als Blogger über das System abstimmen zu lassen.
Aber tun sollte man was. Bloggen ist schon mal gut. Aber da kann man auch mehr machen.
Einerseits würde ich eine gute Organisation begrüßen, ihr andererseits nicht wirklich über den Weg trauen. Wie will man gewährleisten, wirklich im Interesse aller zu sprechen? Schauen sie sich nur die politischen Debatten in den Blogs an (also das, was man da so über die Gräben hinweg aufflackern sieht) - irgendwie ist da keine Kultur in der deutschsprachigen Blogosphäre vorhanden. Mehr so Jugendzentrum - wer laut brüllt und den coolsten Fummel anhat, hat gewonnen. Außerdem liest man viel zu viel Ideologie - und bei der gibt's nix mehr zu diskutieren.
Außerdem haben wir ein prozedurales Verfassungssystem - Verfahren und Gesetze sichern das Mindestmaß an Verfassungskonformität. Zum Glück, denn auf Personen kann man sich nicht verlassen.
Ist mir auch lieber, als Blogger über das System abstimmen zu lassen.
Aber tun sollte man was. Bloggen ist schon mal gut. Aber da kann man auch mehr machen.
Einerseits würde ich eine gute Organisation begrüßen, ihr andererseits nicht wirklich über den Weg trauen. Wie will man gewährleisten, wirklich im Interesse aller zu sprechen? Schauen sie sich nur die politischen Debatten in den Blogs an (also das, was man da so über die Gräben hinweg aufflackern sieht) - irgendwie ist da keine Kultur in der deutschsprachigen Blogosphäre vorhanden. Mehr so Jugendzentrum - wer laut brüllt und den coolsten Fummel anhat, hat gewonnen. Außerdem liest man viel zu viel Ideologie - und bei der gibt's nix mehr zu diskutieren.
strappato,
Mittwoch, 20. Dezember 2006, 15:00
Nee, danke. Ein Verband (oder 2-3?) würde nur wieder zu Profilierung einzelner dienen. Besser wäre es, wenn die blogger endlich mal ihre Interessen auch selber vertreten würden. Ausser "Abmahnwahn" hört man wenig. Dabei gäbe es viele andere Dinge, von Anbieterkennzeichnungspflicht, über Quellenschutz bis Netzneutralität.
DonDahlmann,
Mittwoch, 20. Dezember 2006, 16:09
Eben. Das ist ja das schlimme bei Verbänden, dass man sie eigentlich Menschen überlassen muss, die gerne "Schriftführer", "Kassenwart" oder sonstiges werden wollen. Wie man die Aktivitäten bündeln kann, ist mir auch noch ein Rätsel. Am besten geht es zur Zeit wohl per Links. Oder man macht mal mit ausgesuchten Bloggern ein geschlossenes Meeting.
DaveKay,
Mittwoch, 20. Dezember 2006, 16:15
Videokonferenzen!
All der Scheißendreck mit Vereinen, Verbänden etc. alles für'n Arsch! Was dabei rumkommt, sieht man in jeder Demokratie, nix.
In jedem einzelnen Fall muss man auf's neue abwägen, wer jetzt genug Interesse mitbringt und einen Chat, eine Videokonferenz, oder what ever virtuell veranstalten, um eine Kampflinie zu finden. Alles andere läuft ja dem Bloggen entgegen. ich bin nicht Blogger geworden, um mich irgendwann mitsamt Blog in hierarchischen Strukturen wieder zu finden!
In jedem einzelnen Fall muss man auf's neue abwägen, wer jetzt genug Interesse mitbringt und einen Chat, eine Videokonferenz, oder what ever virtuell veranstalten, um eine Kampflinie zu finden. Alles andere läuft ja dem Bloggen entgegen. ich bin nicht Blogger geworden, um mich irgendwann mitsamt Blog in hierarchischen Strukturen wieder zu finden!
jensscholz,
Samstag, 23. Dezember 2006, 08:34
auch typisch deutsch übrigens sind einschlägige vorurteile über vereine und wie die funktionieren. man hat ja so schnell mal das klischee des hasenzüchtervereines im kopf. ein verein ist aber eben alles andere als hierarchisch und wenn es eine ganz schlanke organisationsform gibt, mit der man ein paar klar defiierte ziele erreichen kann, dann die, denn für die verwaltung eines vereins braucht man ne halbe stunde in der woche.
auch immer wieder ein quell der verwunderung für mich: kaum überlegt man sich, was und wie man etwas tun könnte ensteht die diskussion, was besser wäre und was man stattdessen tun sollte. klar darf man das diskutieren, aber warum immer gleich mit der vorgabe entweder/oder? warum nicht sowohl einen verein zur unterstützung von abmahnopfern gründen als auch eine dezentrale schnell agierende weil gar nicht verbandsgeregelte apo-struktur außerhalb der politischen zwangsschienen für die progressiven ziele? Und zusätzlich ein netzwerk zur schaffung von aufmerksamkeit zu themen wie net neutrality oder überwachungswahn? ich sehe die stelle nicht, an der das eine das andere ausschließt.
und "für alle sprechen" darf ohnehin kein ziel sein: weder ein verein noch eine APO kann "leute verteten". nur ziele kann man vertreten und wer die nicht teilt macht halt nicht mit (bzw. wer andere hat, sollte diese verteten, in welcher form auch immer).
auch immer wieder ein quell der verwunderung für mich: kaum überlegt man sich, was und wie man etwas tun könnte ensteht die diskussion, was besser wäre und was man stattdessen tun sollte. klar darf man das diskutieren, aber warum immer gleich mit der vorgabe entweder/oder? warum nicht sowohl einen verein zur unterstützung von abmahnopfern gründen als auch eine dezentrale schnell agierende weil gar nicht verbandsgeregelte apo-struktur außerhalb der politischen zwangsschienen für die progressiven ziele? Und zusätzlich ein netzwerk zur schaffung von aufmerksamkeit zu themen wie net neutrality oder überwachungswahn? ich sehe die stelle nicht, an der das eine das andere ausschließt.
und "für alle sprechen" darf ohnehin kein ziel sein: weder ein verein noch eine APO kann "leute verteten". nur ziele kann man vertreten und wer die nicht teilt macht halt nicht mit (bzw. wer andere hat, sollte diese verteten, in welcher form auch immer).
teddykrieger,
Mi, 20.12.2006, 23:27
Wie ich Oldman gerade auch dazu geschrieben habe, konnte ich neulich einen meiner hiesigen Lokalpolitiker live erleben. Mit einem Computer konnte er ja gerade noch umgehen, beim Thema Internet war es schon schwer und beim Wort Blog standen ihm deutliche Fragezeichen auf der Stirn...
matidio,
Donnerstag, 21. Dezember 2006, 10:11
Diese starke Tendedenz fuer alles und jedes einen Verband zu gruenden gibt's in der Form wirklich nur in Deutschland.
Hier wuerde keiner auf die Idee kommen.
Hier wuerde keiner auf die Idee kommen.

???