Donnerstag, 16. Nov 2006, 17:59 - Topic 'Dieses Blogdings von man so viel hoert'
"Huhu, haben Sie am Wochenende nicht Lust die Abschlussveranstaltung der "Bobs" zu moderieren?" "Warum nicht," dachte ich mir, denn nicht nur die Deutsche Welle, sondern mit ihr hatte auch die Frau Kaltmamsell gerufen, die in diesem Jahr in der Jury saß, wie man hier lesen kann. Ich kannte die "Bobs" bisher nicht so wirklich. "Ein Internetpreis für Blogs, aha, jaja, soso, interessant, was läuft denn im Fernsehen?" waren so die Gedanken, die ich damit verbunden habe. Das sollte sich in den nächsten Tagen deutlich ändern. Dummerweise erwischte mich dann schon ab Donnerstagabend der böse Magen-Darm Virus, was die Sache nicht leichter machte. Aber bei der Jurysitzung war ich teilweise dann doch dabei und für die Verleihung konnte ich mich einigermaßen so aufpäppeln, dass ich halbwegs gesund aussah. Viel hab ich also leider nicht mitbekommen und was mich noch viel ärgert - ich hatte kaum Zeit mit den meisten Jurymitgliedern zu reden. Ich hätte wirklich gerne noch mit Gilles Klein gesprochen. Ebenso mit Michael Anti, dessen Blog vor Jahresfrist in von Microsoft auf Wunsch der chinesischen Regierung geschlossen wurde. Ebenso mit Sonia Francine, eine sehr faszinierende Frau, die mal VJ und Programmdirektor bei MTV war, eine Fußballkommentatorin und Fernsehstar ist und im Stadtparlament von Sao Paulo sitzt. Oder mit dem streitbaren Hossein Derakhshan, der wohl den halben Iran zum bloggen gebracht hat. Für mich hat sich aber durch die wenigen Stunden viel geändert und es wurde ein gedanklicher Prozess angeschoben, der wohl noch eine lange Zeit brauchen wird, aber den ich mal rudimentär skizzieren will.
Es gibt immer wieder die Klage, dass sich in Deutschland keine vernünftige Blogszene etablieren will. Und das die wenigen Blogs die es gibt, entweder im Rauschen der anderen Medien untergehen, oder unverschämterweise nicht mal dann zitiert werden, wenn sie wie im Fall "StudiVZ" seit Wochen recherchieren und dann ihre Ergebnisse in einem lahmen Artikel bei "Sponline" wiederfinden. Die Blogszenen in allen (wirklich allen) bei den "Bobs" vertretenen Ländern ist da deutlich weiter. Selbst in den Niederlanden ist die Verschränkung zwischen den klassischen Medien und Blogs kein Problem, sondern etwas völlig normales. In Frankreich erst recht. In den USA sowieso. Da auch die deutschen Verlage ja international unterwegs sind, wundere ich mich schon, dass man hier weiterhin versucht, mit eigenen Bordmitteln etwas auf die Beine zu stellen, statt sich mal mit den führenden Mitgliedern der Blogszene zusammen zu setzen. Aber der Grund, warum die Blogs in Deutschland so rumkrebsen mag auch noch ein anderer sein.
Mir war es schon vorher bewußt, aber nicht so klar wie durch die Stunden in der Jurysitzung: Blogs sind in den meisten Ländern, nicht nur in China oder Iran, ein probates und viel gelesenes Mittel zur politischen Meinungsäußerung. Waren Internet und Blogs vor ein paar Jahren noch vernachlässigenswert aus Sicht einer angegriffenen Regierung, sieht das heute anders aus. Gilles Klein berichtete, dass man sogar in Afrika, wo so gut wie niemand Internet hat, damit beginnt, Blogs zu zensieren, aus Angst, dass zuviel ungewünschte Informationen auffindbar ist. Und es geht weiter: da schreiben Menschen, die auf Grund dessen, was sie im Internet schreiben, ernsthaft in Gefahr sind. Die ins Gefängnis gestopft werden, die misshandelt werden, die mit dem Tod bedroht werden. Wegen eines Blogeintrages.
Fast alle Länder hatten also Blogs vorgeschlagen, die meist zutiefst politisch motiviert waren, oder deren Betreiber auf Grund persönlicher Lebensumstände gezwungen waren, sich mit der jeweiligen Politik auseinander zu setzen. Doch solche findet man in Deutschland - bisher - eher selten. Warum das so ist? Darüber rätsel’ ich nicht erst seit dem letzten Wochenende. Es kann nicht an einem massiven Desinteresse der Menschen an der Politik liegen. Vielleicht ist es eher so, dass die meisten das Internet nicht als Informationsmedium, sondern als Unterhaltungsprogramm sehen. Wer in Deutschland ins Internet geht, der will Freunde treffen, ein paar witzige Videos sehen und das war es.
Aber mag es auch daran liegen, dass der persönliche Leidensdruck des einzelnen in Deutschland nicht so hoch ist? Vielleicht, aber ist er das in Frankreich? Fühlt sich der Franzose mehr von seiner Regierung unter Druck gesetzt, hat er mehr Angst um seine Rechte, als der Deutsche? Ich bin kein Soziologe, aber ich glaube es liegt wohl eher daran, dass die Franzosen sich mit etwas mehr Selbstbewusstsein in die Politik einmischen und sich ungern "regieren" lassen. Das selbst die Blogszene in Italien (leider, leider nicht vertreten bei den "Bobs") größer und vor allem politischer ist, als in Deutschland, hat sie wohl den Regierungsjahren von Berlusconi zu verdanken. Also jener Zeit, in der man nur im Internet schreiben konnte, was man von der Politik der Regierung hält. Aber hier war ein Antrieb zu finden, den die Franzosen auch nicht hatten. Warum unterscheiden sich die Szenen in Frankreich und Deutschland also so sehr?
Ich bin mir seit dem letzten Wochenende sicher - die deutsche Blogszene wird erst dann aus dem Loch in dem sie steckt herauskommen, wenn sie ein paar Punkte verinnerlicht:
1. Politik ist etwas, was nicht auf Strasse und in Hinterzimmern stattfindet, sondern in den Wohnungen und Köpfen derjenigen, die sich dafür interessieren.
2. Hartz IV, Prekariat, Überwachung, Wahlmaschinen, Steuern, Bürgergeld, Roland Koch, Kontoüberwachung. Wieviel Themen braucht man eigentlich noch?
3. Sabine Christiansen ist keine politische Talkshow
4. Der klassische Journalismus, der mal vor 50 Jahren sich selbst als "Wachhund der Demokratie gefeiert hat" hat sich längst am Finger-Food Büffet der Politiker und Lobbys vollgefressen. Der Journalismus dieser Tage ist nicht dazu in der Lage dass System zu überwachen, er ist Teil des Systems geworden.
Das es Deutschland durchaus ein Bewusstsein dafür gibt, dass Blogs ein Medium darstellen, das viel verändern kann, zeigt die "Deutsche Welle". Es war nicht ein US Sender, oder ein Verlag aus Frankreich, der die grandiose Idee hatte, einmal im Jahr ein paar Blogs auszeichnen, sondern die "Deutsche Welle." Man muss dem Sender ein wirklich großes Kompliment aussprechen. Nicht nur, weil sie mit ihrem Preis auch die internationale Blogszene tiefer vernetzten. Sie haben es wirklich geschafft aus den Teilnehmerländern nicht einfach irgendjemanden in die Jury zu setzen, sondern Menschen, die sich extrem gut in der jeweiligen Szene auskennen. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen im nächsten Jahr zu der hoffentlich wieder öffentlichen Verleihung der Blogpreise zu kommen.
Es gibt immer wieder die Klage, dass sich in Deutschland keine vernünftige Blogszene etablieren will. Und das die wenigen Blogs die es gibt, entweder im Rauschen der anderen Medien untergehen, oder unverschämterweise nicht mal dann zitiert werden, wenn sie wie im Fall "StudiVZ" seit Wochen recherchieren und dann ihre Ergebnisse in einem lahmen Artikel bei "Sponline" wiederfinden. Die Blogszenen in allen (wirklich allen) bei den "Bobs" vertretenen Ländern ist da deutlich weiter. Selbst in den Niederlanden ist die Verschränkung zwischen den klassischen Medien und Blogs kein Problem, sondern etwas völlig normales. In Frankreich erst recht. In den USA sowieso. Da auch die deutschen Verlage ja international unterwegs sind, wundere ich mich schon, dass man hier weiterhin versucht, mit eigenen Bordmitteln etwas auf die Beine zu stellen, statt sich mal mit den führenden Mitgliedern der Blogszene zusammen zu setzen. Aber der Grund, warum die Blogs in Deutschland so rumkrebsen mag auch noch ein anderer sein.
Mir war es schon vorher bewußt, aber nicht so klar wie durch die Stunden in der Jurysitzung: Blogs sind in den meisten Ländern, nicht nur in China oder Iran, ein probates und viel gelesenes Mittel zur politischen Meinungsäußerung. Waren Internet und Blogs vor ein paar Jahren noch vernachlässigenswert aus Sicht einer angegriffenen Regierung, sieht das heute anders aus. Gilles Klein berichtete, dass man sogar in Afrika, wo so gut wie niemand Internet hat, damit beginnt, Blogs zu zensieren, aus Angst, dass zuviel ungewünschte Informationen auffindbar ist. Und es geht weiter: da schreiben Menschen, die auf Grund dessen, was sie im Internet schreiben, ernsthaft in Gefahr sind. Die ins Gefängnis gestopft werden, die misshandelt werden, die mit dem Tod bedroht werden. Wegen eines Blogeintrages.
Fast alle Länder hatten also Blogs vorgeschlagen, die meist zutiefst politisch motiviert waren, oder deren Betreiber auf Grund persönlicher Lebensumstände gezwungen waren, sich mit der jeweiligen Politik auseinander zu setzen. Doch solche findet man in Deutschland - bisher - eher selten. Warum das so ist? Darüber rätsel’ ich nicht erst seit dem letzten Wochenende. Es kann nicht an einem massiven Desinteresse der Menschen an der Politik liegen. Vielleicht ist es eher so, dass die meisten das Internet nicht als Informationsmedium, sondern als Unterhaltungsprogramm sehen. Wer in Deutschland ins Internet geht, der will Freunde treffen, ein paar witzige Videos sehen und das war es.
Aber mag es auch daran liegen, dass der persönliche Leidensdruck des einzelnen in Deutschland nicht so hoch ist? Vielleicht, aber ist er das in Frankreich? Fühlt sich der Franzose mehr von seiner Regierung unter Druck gesetzt, hat er mehr Angst um seine Rechte, als der Deutsche? Ich bin kein Soziologe, aber ich glaube es liegt wohl eher daran, dass die Franzosen sich mit etwas mehr Selbstbewusstsein in die Politik einmischen und sich ungern "regieren" lassen. Das selbst die Blogszene in Italien (leider, leider nicht vertreten bei den "Bobs") größer und vor allem politischer ist, als in Deutschland, hat sie wohl den Regierungsjahren von Berlusconi zu verdanken. Also jener Zeit, in der man nur im Internet schreiben konnte, was man von der Politik der Regierung hält. Aber hier war ein Antrieb zu finden, den die Franzosen auch nicht hatten. Warum unterscheiden sich die Szenen in Frankreich und Deutschland also so sehr?
Ich bin mir seit dem letzten Wochenende sicher - die deutsche Blogszene wird erst dann aus dem Loch in dem sie steckt herauskommen, wenn sie ein paar Punkte verinnerlicht:
1. Politik ist etwas, was nicht auf Strasse und in Hinterzimmern stattfindet, sondern in den Wohnungen und Köpfen derjenigen, die sich dafür interessieren.
2. Hartz IV, Prekariat, Überwachung, Wahlmaschinen, Steuern, Bürgergeld, Roland Koch, Kontoüberwachung. Wieviel Themen braucht man eigentlich noch?
3. Sabine Christiansen ist keine politische Talkshow
4. Der klassische Journalismus, der mal vor 50 Jahren sich selbst als "Wachhund der Demokratie gefeiert hat" hat sich längst am Finger-Food Büffet der Politiker und Lobbys vollgefressen. Der Journalismus dieser Tage ist nicht dazu in der Lage dass System zu überwachen, er ist Teil des Systems geworden.
Das es Deutschland durchaus ein Bewusstsein dafür gibt, dass Blogs ein Medium darstellen, das viel verändern kann, zeigt die "Deutsche Welle". Es war nicht ein US Sender, oder ein Verlag aus Frankreich, der die grandiose Idee hatte, einmal im Jahr ein paar Blogs auszeichnen, sondern die "Deutsche Welle." Man muss dem Sender ein wirklich großes Kompliment aussprechen. Nicht nur, weil sie mit ihrem Preis auch die internationale Blogszene tiefer vernetzten. Sie haben es wirklich geschafft aus den Teilnehmerländern nicht einfach irgendjemanden in die Jury zu setzen, sondern Menschen, die sich extrem gut in der jeweiligen Szene auskennen. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen im nächsten Jahr zu der hoffentlich wieder öffentlichen Verleihung der Blogpreise zu kommen.
micro_robert,
Do, 16.11.2006, 19:57
Ich finde grad nicht, dass Blogs in Deutschland nicht funktionieren oder "im Loch stecken". Das beweist ja gerade die Aufdeckung der StudiVZ-Machenschaften.
DonDahlmann,
16. November 2006, 20:12
Ja, ein hübsches Beispiel dafür, wie ernst Blogs in Deutschland genommen werden. Zwei Blogger recherchieren sich die Finger wund, zapfen Quellen an, schreiben seitenweise, und Sponline schreibst ab ohne Quellennennung. In den USA oder Frankreich hätte es Interviews für die Blogautoren gegeben, hier lacht der "Profi-Journalist" und bedient sich genüsslich.
micro_robert,
17. November 2006, 09:08
Das ist aber kein Problem der Weblog-Betreiber, sondern eins von Spiegel Online. Wenn ich Don Alphonso wäre, würde ich dem Chefredakteur schlicht und einfach einen Brief schicken. Begleitet von einer Rechnung.
mark793,
17. November 2006, 10:29
Wenn ich das nicht alles völlig falsch verstanden habe, ist der "lahme Spon-Artikel" doch von einem Blogger verfasst worden, der auch (wie Sie und ich) als freier Journalist arbeitet und leider keine Gewähr dafür übernehmen kann, dass alle seine Quellen-Nennungen im Endeffekt auch in der veröffentlichen Geschichte drinbleiben. Ich glaube schon, dass der Spon-Autor versucht hat, so viel wie möglich in die Geschichte reinzupacken.
Ganz so schwarz-weiß, wie es Ihr Kommentar darstellt, Herr Dahlmann, ist es in diesem Fall nicht.
Ganz so schwarz-weiß, wie es Ihr Kommentar darstellt, Herr Dahlmann, ist es in diesem Fall nicht.
DonDahlmann,
17. November 2006, 12:21
Ich hab ja auch nicht geschrieben, dass der Autor die Links verschlampt hat. Und doch: leider bleibt es eben so schwarz-weiß, wobei es keine Rolle spielt, ob nun der Autor oder Sponline am Ende die Links nicht nennt.
supatyp,
17. November 2006, 12:26
quatsch, mark 793
der sponblogger hat die donquelle nicht genannt, damit keiner sieht, was von ihm ist und was (von ihm) unter den teppich gekehrt wurde
mark793,
17. November 2006, 12:40
Wäre natürlich denkbar.
Aber mir scheint doch die Annahme plausibler, dass der Spon-Netzwelt-Ressortleiter den ewigen Spon- und Patalong-Basher Don A. nicht unbedingt als prominente Quelle im Text sehen wollte.
Der Ressortleiter mag (wie sein Online-CR auch) kein großer Blog-Fan sein, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ders nicht auf dem Schirm hatte wo das Thema wie gekocht wird?
Aber natürlich steht es Ihnen frei, Ihre Lesart weiterhin für plausibler zu halten.
@don: So gesehen stimmt Ihr Weltbild natürlich weiterhin.
Der Ressortleiter mag (wie sein Online-CR auch) kein großer Blog-Fan sein, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ders nicht auf dem Schirm hatte wo das Thema wie gekocht wird?
Aber natürlich steht es Ihnen frei, Ihre Lesart weiterhin für plausibler zu halten.
@don: So gesehen stimmt Ihr Weltbild natürlich weiterhin.
micro_robert,
17. November 2006, 12:48
Äh, was soll das bitte für eine Art von Entschuldigung sein? Don Alphonso nicht zu mögen, ist Geschmackssache. Ihm eine Story zu klauen, ist unprofessionell und selbst für ein Boulevardmedium wie Spiegel Online grenzwertig.
mark793,
17. November 2006, 13:02
Kein Mensch entschuldigt hier etwas. Wir diskutieren hypothetische Szenarien, die Erklärungen liefern könnten darüber, wie die die Spon-Geschichte so wurde wie sie ist. Mehr nicht.
don alphonso,
19. November 2006, 19:45
Jetzt muss ich doch mal was sagen. Der Mensch hinter Don Alphonso hat 2003 mit viel Mühe seinen Frieden mit der Munich Area gemacht. Ich hatte den Krieg so satt, ich war froh, dass es vorbei war, und nur der Umstand, dass ich eine lebende Bombe bin mit allem, was ich weiss und was noch irgendwo gespeichert ist, sichert diesen Frieden bis zum Ende gewisser rechtlicher Fristen. Ich hatte irgendwo gehofft, irgendeiner würde gegen "Liquide" klagen, einfach um dann auspacken zu können. Im Ergebnis war es anders, wir haben einen brüchigen Frieden gemacht.
Journalistisch gesehen ist der Verantwortliche für das Entlinken miesester Abschaum, völlig klar. Aber irgendwo bin ich ganz froh, dass mein Bruch des Waffenstillstandes, was es fraglos ist, nicht allzu gross bekannt wird. Ich mag nicht mehr. Ich habe über 5 verfluchte Jahre Krieg geführt, irgendwann muss das alles vorbei sein.
Morgen werde ich nochmal feuern. Es kann aufnehmen wer will, aber ich denke, es wird so oder so reichen, das Loch wird so gross, da kann ich locker durchfliegen. Und dann... ich sag´s mal so:
Fickt die Medien. Wir selbst sind die Medien. Natürlich sind die mies, aber was soll´s, machen wir es besser. Es läuft. Noch nicht perfekt, aber hey, wir packen das. Und am Schönsten ist es immer noch, es allein zu tun, ohne die stinkenden Aasgeier der Medien.
Journalistisch gesehen ist der Verantwortliche für das Entlinken miesester Abschaum, völlig klar. Aber irgendwo bin ich ganz froh, dass mein Bruch des Waffenstillstandes, was es fraglos ist, nicht allzu gross bekannt wird. Ich mag nicht mehr. Ich habe über 5 verfluchte Jahre Krieg geführt, irgendwann muss das alles vorbei sein.
Morgen werde ich nochmal feuern. Es kann aufnehmen wer will, aber ich denke, es wird so oder so reichen, das Loch wird so gross, da kann ich locker durchfliegen. Und dann... ich sag´s mal so:
Fickt die Medien. Wir selbst sind die Medien. Natürlich sind die mies, aber was soll´s, machen wir es besser. Es läuft. Noch nicht perfekt, aber hey, wir packen das. Und am Schönsten ist es immer noch, es allein zu tun, ohne die stinkenden Aasgeier der Medien.
clavain,
Fr, 17.11.2006, 08:39
Weblogs?
"Das sind doch so private online Tagebücher."
War das nicht mal die Erklärung die am meisten verwendet wurde um Blogs zu definieren?
War das nicht mal die Erklärung die am meisten verwendet wurde um Blogs zu definieren?
goetzeclan,
Fr, 17.11.2006, 09:49
Äh ...
Erst habe ich mir mein Blog angesehen und bemerkt, Ja, das stimmt. Ich bin kein Investigativer, keiner der Skandale sucht und dann ins Licht zerrt. Dann habe ich dieses Blog hier betrachtet und für mich entschieden, hier beim Don scheint es ebenso zu sein.
Ich schreibe meine Meinung zu Dingen die mich bewegen, und das ist auch schon mal Politik. Ich schreibe auch über Dinge, die, wie ich glaube, schwer im Argen liegen. Die meisten meiner Leser (immerhin 30 - 50 am Tag) sehen das nicht so. Und was die Besucherzahlen angeht, scheint dass der größte Unterschied zu sein zwischen hier und bei mir zuhause (bis natürlich auf den Schreibstil, aber der ist ja überall anders und gilt daher nicht).
Was also wollen Sie mir sagen, Herr Don? Das die Blogger hier satt sind? Nein, die Leser sind es. Die sind satt.
Ich glaube, und hier möchte ich eine schrecklich holperige, aber möglicherweise treffende, Metapher einfügen. Die "Szene" ist uniformiert in ihren Ansichten. Sie wollen es so wenig sein wie die Jugendlichen zu meiner Zeit "uniformiert" sein wollten, und es doch waren, in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen.
Die Blogszene hat eine eigene political correctness entwickelt, die zur Lähmung derselben geführt hat. Blogger, die sich dem Blog-PC nicht angeschlossen haben, passen sich entweder an oder verschwinden. Übrig bleibt ein Einheitsbrei mit einigen wenigen Peeling-Elementen. An denen kann sich das Gros reiben, bleibt aber ansonsten unter sich.
Schauen Sie sich die Listen der Bloglesungen an. Immer die Gleichen, wenig Varianz. Möglicherweise liegt das daran, dass nur wenige diese Lesungen mitmachen oder veranstalten. Möglicherweise will aber auch die Kaltmamsell, Don & Don und Herr Winkel unter sich bleiben. (Die Namen sind nur Beispiele, ich wollte damit niemanden vorführen und hatte keine üble Absicht).
Wir haben, so scheint mir, die passende Blogszene. Wir sind genau so "die deutsche Blogszene" wie wir Deutschland sind. Ob wir wollen oder nicht. Das ist halt so.
PS: Im übrigen bin ich froh, dass ich für meine Meinung nicht eingesperrt werde, und traurig, dass diese Sicherheit nicht allen Bloggern zugestanden wird. Lasst uns daran arbeiten. Wie auch immer das geht.
PPS: Huch, hoffentlich versteht überhaupt jemand, was ich hier sagen will ...
Ich schreibe meine Meinung zu Dingen die mich bewegen, und das ist auch schon mal Politik. Ich schreibe auch über Dinge, die, wie ich glaube, schwer im Argen liegen. Die meisten meiner Leser (immerhin 30 - 50 am Tag) sehen das nicht so. Und was die Besucherzahlen angeht, scheint dass der größte Unterschied zu sein zwischen hier und bei mir zuhause (bis natürlich auf den Schreibstil, aber der ist ja überall anders und gilt daher nicht).
Was also wollen Sie mir sagen, Herr Don? Das die Blogger hier satt sind? Nein, die Leser sind es. Die sind satt.
Ich glaube, und hier möchte ich eine schrecklich holperige, aber möglicherweise treffende, Metapher einfügen. Die "Szene" ist uniformiert in ihren Ansichten. Sie wollen es so wenig sein wie die Jugendlichen zu meiner Zeit "uniformiert" sein wollten, und es doch waren, in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen.
Die Blogszene hat eine eigene political correctness entwickelt, die zur Lähmung derselben geführt hat. Blogger, die sich dem Blog-PC nicht angeschlossen haben, passen sich entweder an oder verschwinden. Übrig bleibt ein Einheitsbrei mit einigen wenigen Peeling-Elementen. An denen kann sich das Gros reiben, bleibt aber ansonsten unter sich.
Schauen Sie sich die Listen der Bloglesungen an. Immer die Gleichen, wenig Varianz. Möglicherweise liegt das daran, dass nur wenige diese Lesungen mitmachen oder veranstalten. Möglicherweise will aber auch die Kaltmamsell, Don & Don und Herr Winkel unter sich bleiben. (Die Namen sind nur Beispiele, ich wollte damit niemanden vorführen und hatte keine üble Absicht).
Wir haben, so scheint mir, die passende Blogszene. Wir sind genau so "die deutsche Blogszene" wie wir Deutschland sind. Ob wir wollen oder nicht. Das ist halt so.
PS: Im übrigen bin ich froh, dass ich für meine Meinung nicht eingesperrt werde, und traurig, dass diese Sicherheit nicht allen Bloggern zugestanden wird. Lasst uns daran arbeiten. Wie auch immer das geht.
PPS: Huch, hoffentlich versteht überhaupt jemand, was ich hier sagen will ...
frau klugscheisser,
Fr, 17.11.2006, 11:39
Wenn ich mich an meine eigene Nase fasse, fällt mir natürlich auf, dass ich sehr unpolitisch bin. Das geht noch weiter, weil ich mir schlichtweg nicht zutraue, die großen Zusammenhänge herzustellen, nicht weil ich uninteressiert wäre, sondern weil ich nicht genügend darüber weiß. Denn Politik ist nicht, wie vielerorten beobachtet, über ein aktuelles Thema in die ein oder andere Richtung mitzuschreien, Politik ist sowohl vergangene, als auch aktuelle Geschichte. Was ich von den Medien aufgetischt, will ich nicht so wiedergeben, ja ich will mir darüber nicht einmal eine Meinung bilden, bevor ich nicht selbst genau über Hintergründe nachgelesen habe.
Was ich aber kann, ist, meine eigenen Beobachtungen in meinem ganz persönlichen Alltag zu beschreiben. Und den beobachte ich sehr genau. Die Menschen incl. mich selbst zu beobachten bedeutet, ihre Wunden aufzudecken, ihre Stärken hervorzuheben und ihr Streben zu beschreiben. Diese Menschen sind verantwortlich für die Gesellschaft, in der wir leben. Insofern ist eine Beschreibung nicht unbedingt nur Unterhaltung, selbst wenn sie unter diesem Deckmantel daherkommt, sondern eine Möglichkeit, sich an der eigenen Nase zu fassen.
Ich frage mich immer wieder, ob man unbedingt den Vorschlaghammer auf die Köpfe niederdonnern muss oder ob sie es mit ein wenig Lachen und Verständnis nicht eher annehmen können. Im Alltag erlebe ich, dass zweiteres durchaus besser funktioniert. Und wenn die Deutschen im Vergleich mit anderen Völkern schon so unpolitisch sind, ist es doch noch viel wichtiger, sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, sozusagen durch die Brust ins Auge. Aber was weiß ich schon, bin ja nur ein kleiner Blogger, der zu Lesungen immer wieder dieselben Leute einlädt.
[Und jetzt könnt ihr mich ruhig steinigen. Dem sehe ich gelassen entgegen.]
Was ich aber kann, ist, meine eigenen Beobachtungen in meinem ganz persönlichen Alltag zu beschreiben. Und den beobachte ich sehr genau. Die Menschen incl. mich selbst zu beobachten bedeutet, ihre Wunden aufzudecken, ihre Stärken hervorzuheben und ihr Streben zu beschreiben. Diese Menschen sind verantwortlich für die Gesellschaft, in der wir leben. Insofern ist eine Beschreibung nicht unbedingt nur Unterhaltung, selbst wenn sie unter diesem Deckmantel daherkommt, sondern eine Möglichkeit, sich an der eigenen Nase zu fassen.
Ich frage mich immer wieder, ob man unbedingt den Vorschlaghammer auf die Köpfe niederdonnern muss oder ob sie es mit ein wenig Lachen und Verständnis nicht eher annehmen können. Im Alltag erlebe ich, dass zweiteres durchaus besser funktioniert. Und wenn die Deutschen im Vergleich mit anderen Völkern schon so unpolitisch sind, ist es doch noch viel wichtiger, sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, sozusagen durch die Brust ins Auge. Aber was weiß ich schon, bin ja nur ein kleiner Blogger, der zu Lesungen immer wieder dieselben Leute einlädt.
[Und jetzt könnt ihr mich ruhig steinigen. Dem sehe ich gelassen entgegen.]
saxanasnotizen.blogspot.com,
17. November 2006, 11:49
Ist man nur dann ein guter Blogger, wenn man über Politik schreibt?
Ich bin einfach nicht genug risikobereit, um meine Meinung zu politischen Themen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch bin ich kein Journalist. Ich kenne die Regeln, die in diesem Job gelten, nicht. So behalte ich meine Ansichten lieber für mich, auch weil diese zu äußern niemandem etwas bringen würde.
Ich bin einfach nicht genug risikobereit, um meine Meinung zu politischen Themen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch bin ich kein Journalist. Ich kenne die Regeln, die in diesem Job gelten, nicht. So behalte ich meine Ansichten lieber für mich, auch weil diese zu äußern niemandem etwas bringen würde.
stollentroll,
17. November 2006, 12:27
"Ist man nur dann ein guter Blogger, wenn man über Politik schreibt?"
Nein, allerdings erhält man wohl mehr Resonanz, wenn man auf emmotionale gesellschaftliche oder politische Themen setzt. Man darf wohl nicht übersehen, dass in Ländern wie Iran, aber auch in Italien und den USA die mangelnde Pressefreiheit bzw. die politische Dominanz etablierter Medien Freiraum für alternative Medien wie Blogs geschaffen hat. In Deutschland ist die Medienlandschaft noch relativ bunt, politische Themen werden von einer großen Koalition so behandelt, dass man vor Langeweile stirbt. Es fehlen die großen emotionalen Themen und bekannte politische Blogs.
Nein, allerdings erhält man wohl mehr Resonanz, wenn man auf emmotionale gesellschaftliche oder politische Themen setzt. Man darf wohl nicht übersehen, dass in Ländern wie Iran, aber auch in Italien und den USA die mangelnde Pressefreiheit bzw. die politische Dominanz etablierter Medien Freiraum für alternative Medien wie Blogs geschaffen hat. In Deutschland ist die Medienlandschaft noch relativ bunt, politische Themen werden von einer großen Koalition so behandelt, dass man vor Langeweile stirbt. Es fehlen die großen emotionalen Themen und bekannte politische Blogs.
lunalu,
17. November 2006, 12:28
ich bin politisch, aber im blog sehr wenig, wie ich finde und das macht mich gerade stutzig. ich gehe jetzt darüber nachdenken, ob ich alles ins blog packen muss, was ich am tag über politisch mache, ob ich mehr darüber erreiche, wenn ich es ins blog setze, oder ob ich es einfach so ganz okay hinbekommen habe, die trennung von beidem. ich muss ja nicht überall alles von mir preisgeben. wie gesagt, ich muss da jetzt mal drüber brüten, ein wenig. wie immer ist ein stein des anstossen zum nachdenken willkommen und wird durch die finger gerollt.
DonDahlmann,
17. November 2006, 12:31
@goetzeclan: sie haben ja sowas von Recht. Das ist eine ganz phantastische Analyse von ihnen. Meine ich ernst.
@Frau Klugscheisser: Aber genau das ist es ja auch - Reflektion. Was berührt mich, was treibt mich, wie reagiere ich.
weil ich mir schlichtweg nicht zutraue, die großen Zusammenhänge herzustellen, nicht weil ich uninteressiert wäre, sondern weil ich nicht genügend darüber weiß.
Ich nehme mal an, dass das der Hauptgrund dafür ist, warum die meisten Menschen Angst davor haben, ihre Meinung zum Beispiel in politischen Fragen zu sagen. Aber geht es immer um das große politische Bild? Geht Politik nicht darum, in wie weit man selber eingeschränkt oder gefördert wird? In wie weit das eigene Leben betroffen ist?
Aber der Text da oben ist ja auch nur Summe der Gedanken, die ich mir seit letzten Wochenende gemacht habe. Ich sage ja auch nicht, dass die gesamte, jetzt existierende Blogszene in Deutschland nun aber mal bitte politisch werden soll. Das wäre ja auch quatsch. Der Gedanke ist nur, dass das Interesse an Politk und die Berichterstattung darüber nicht nur in den Händen des klassischen Journalismus liegen kann und sollte. Wenn Sponline schon beim erstellen eines simplen Artikels Informationen wegläßt, wie sieht das dann bei der Berichterstattung über andere Themen aus?
@Frau Klugscheisser: Aber genau das ist es ja auch - Reflektion. Was berührt mich, was treibt mich, wie reagiere ich.
weil ich mir schlichtweg nicht zutraue, die großen Zusammenhänge herzustellen, nicht weil ich uninteressiert wäre, sondern weil ich nicht genügend darüber weiß.
Ich nehme mal an, dass das der Hauptgrund dafür ist, warum die meisten Menschen Angst davor haben, ihre Meinung zum Beispiel in politischen Fragen zu sagen. Aber geht es immer um das große politische Bild? Geht Politik nicht darum, in wie weit man selber eingeschränkt oder gefördert wird? In wie weit das eigene Leben betroffen ist?
Aber der Text da oben ist ja auch nur Summe der Gedanken, die ich mir seit letzten Wochenende gemacht habe. Ich sage ja auch nicht, dass die gesamte, jetzt existierende Blogszene in Deutschland nun aber mal bitte politisch werden soll. Das wäre ja auch quatsch. Der Gedanke ist nur, dass das Interesse an Politk und die Berichterstattung darüber nicht nur in den Händen des klassischen Journalismus liegen kann und sollte. Wenn Sponline schon beim erstellen eines simplen Artikels Informationen wegläßt, wie sieht das dann bei der Berichterstattung über andere Themen aus?
karan,
20. November 2006, 08:37
Beginnt "Politik" wirklich erst bei der Analyse großer, schwer zu erfassender Zusammenhänge?
Ich halte genau dies für einen Fehlschluß, der ganz gefährliche Folgen für die Einschätzung der eigenen Einflußnahmemöglichkeiten hat, und die erschöpfen sich keineswegs im Verfassen einiger Weblog-Seiten.
Was ist politisch, was ist privat? Erst, wenn ich "Politik" nicht mehr mit "Parteipolitik" oder gar mit "undurchschaubarem Kontext" verwechsle, sondern merke, was da alles in mein ganz konkretes Leben und/oder das meiner Mitmenschen hineinwirkt, bin ich überhaupt erst in der Lage, dies erstens zu benennen und mir zweitens zu überlegen, was ich da ändern kann und will.
Ich halte genau dies für einen Fehlschluß, der ganz gefährliche Folgen für die Einschätzung der eigenen Einflußnahmemöglichkeiten hat, und die erschöpfen sich keineswegs im Verfassen einiger Weblog-Seiten.
Was ist politisch, was ist privat? Erst, wenn ich "Politik" nicht mehr mit "Parteipolitik" oder gar mit "undurchschaubarem Kontext" verwechsle, sondern merke, was da alles in mein ganz konkretes Leben und/oder das meiner Mitmenschen hineinwirkt, bin ich überhaupt erst in der Lage, dies erstens zu benennen und mir zweitens zu überlegen, was ich da ändern kann und will.
