Dienstag, 22. Aug 2006, 18:21 - Topic 'The end of the plain plane explained'
Wie man Sicherheit empfindet, ist eine subjektive Sache. Manch einer kann sich an einem Abgrund nahe an den Rand stellen und fühlt sich dabei frei und unbekümmert, manch anderer klammert sich 10 Meter dahinter an einem Baum und fürchtet um sein Leben. Sicherheit ist nichts was man vermitteln kann, Sicherheit ist es etwas, was man selber fühlt.
Die aktuelle Frage ist gerade: wie sicher fühle ich mich? Steige mich mit einer Beklemmung in einen Zug, nur weil gerade zwei Idioten in einen Regionalzug sprengen wollten? Steige ich noch mehr mit Angst in ein Flugzeug, weil man behauptet, es gäbe Menschen, die mittels Flüssigkeiten in ihren Schuhen mich in die Luft jagen?
Nein. Meine Angst von einer Bombe zerrissen zu werden, tendiert gegen Null. Da kann Herr Broder auch noch so die Angstmaschine anwerfen. Mehr Angst machen mir eigentlich die Politiker und Broders dieser Welt, die nach immer mehr Überwachung rufen, die die Angst schüren, jederzeit, vielleicht morgen schon, könne ein Zug in die Luft gejagt werden, in dem ich als braver Bürger sitzen könnte. Dieses Rufen nach mehr Gesetzen und mehr Überwachung, ist ja nix neues. Ich erinnere an die irrsinnige Diskussion um die Überwachung der "organisierten Kriminalität" in den 90er Jahren, in deren Zuge sogar Justizministerin Leutheusser Schnarrenberger aus Protest gegen den "großen Lauschangriff" zurücktrat. Was ist eigentlich aus der "organisierten Kriminalität", die damals kurz davor stand die Republik zu übernehmen, geworden?
Nach 9/11 hat man die bürgerlichen Freiheitsrechte sukzessive weiter eingedellt. Man hat Kameras installiert, sogar auf allen Autobahnen, und man denkt laut darüber nach ob man diese Kameras nicht auch für die Überwachung des gesamten Verkehrs einsetzen will. Könnte ja einer dabei sein, der vielleicht in drei Jahren mal was Verbotenes macht. Die Frage bleibt nur: was bringt die ganze Überwachung per Video, die Übermittlung aller Flugdaten in die USA, der Einbau von RFID Chips in Pässen? Und warum soll das Fliegen sicherer sein, wenn ich einen biometrischen Pass habe, während 80% der restlichen Welt Dokumente hat, die man zu Hause im Kartoffeldruck nachmachen kann?
Als in den 70er Jahren die RAF dazu überging, nicht mehr mit einem alten VW Bus, sondern im Mercedes zum Tatort zu fahren, war das Entsetzen groß. Wie geschickt diese Kerle doch waren. Da sucht die halbe Republik nach langhaarigen Latzhosenträgern und die haben sich die Haare ordentlich geschnitten, fahren Mercedes und schauen aus wie jeder andere. Zudem wussten sie genau, mit welchen Mitteln die Polizei nach ihnen suchte. Die RAF wurde nicht zerschlagen, weil man ihr mittels moderner Technik (Computer, Rasterfahndung etc.) auf die Spur gekommen war, sondern weil man es schaffte über Jahre hinweg V-Männer in der Szene zu etablieren, die im richtigen Moment den richtigen Tipp geben konnten.
An der wohl wirkungsvollsten Methode Terrorgruppen zu entlarven, hat sich auch offenbar nichts verändert. Ein kurzer Blick auf die beiden letzten bekannten Fälle sagt schon einiges aus:
Die Engländer bekamen den Tipp, der zu der angeblichen Terrorzelle in London führte, vom pakistanischen Geheimdienst. Nicht Videoüberwachung, sondern klassische Agententätigkeit führte zur Festnahme der Attentäter. Tipp bekommen, Observation, Festnahme.
Das gilt auch für die beiden, die einen Regionalzug in die Luft sprengen wollten. Nicht die Auswertung der Kamerabilder auf irgendwelchen Strassen oder Bahnhöfen brachten das Ergebnis, sondern ein Tipp des libanesischen Geheimdienstes führte auf die Spur. Und das auch erst, nachdem die Bomben entdeckt waren, und man mit der normalen Ermittlungstätigkeit angefangen hatte.
Bei den vermeintlich geplanten Anschlägen von London liegt auch so einiges im Unklaren. Ich hätte da ein paar Fragen:
- wer waren die Attentäter eigentlich?
- Wo sind die Bomben? Nach einer so erfolgreichen Festnahme wartet die Polizei selten lange mit einer Pressekonferenz, auf der sie die Bomben oder Waffen zeigt. Bisher habe ich noch keine gesehen, auf der stolz irgendwelche Flüssigkeiten gezeigt wurden.
- Wie viel Liter von dem Zeug braucht man eigentlich, um ein Flugzeug in die Luft zu jagen?
- Geht das überhaupt?
- Angeblich hat man die Terroristen geschnappt, kurz bevor sie einen "Probedurchlauf" ihres Attentats geplant hatten Mal ehrlich, da sind 10 Attentäter, die nach jahrelanger Planung einen flüssigen Sprengstoff ausgetüftelt haben, den man a) an allen Sicherheitsmaßnahmen vorbei schmuggeln kann, und den man b) im Flugzeug auf dem Klo zusammenschüttet und wie auch immer zur Explosion bringt. Sie haben jahrelang ihre Tarnung aufrecht gehalten, die benötigten Materialien gesammelt und versteckt und dann sollen die mit dem ganzen Krempel in ein Flugzeug steigen, mit dem Risiko entdeckt zu werden um einen Probedurchgang zu machen? Wären die mit dem Krempel dann wieder zurück geflogen und hätten sich gesagt: "Super, beim nächsten Mal zünden wir dann auch."?
[Note: Es gab etliche Meldungen, die von einem „Probedurchgang“ sprachen. Ich habe diese bei Spiegel Online, wie auch bei anderen Medien gelesen, dummerweise aber nicht gebookmarkt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind diese Artikel unter den Stichworten „London, Attentat, Probe (durchlauf)“ nicht zu finden.]
Dank aaron einen Link mit den "Probedurchlauf"gefunden
Wie dem auch sei. Obwohl keine Kamera, kein neuer Reisepass, keine sonstigen "Sicherheitsmaßnahmen" die letzten Ereignisse haben verhindern können, schreit man nun nach noch mehr Überwachung. Sicher - die neuen Maßnahmen an den Flughäfen erschweren es den Terroristen persönlich mit Sprengstoff oder Waffen an Bord zu kommen. Wenn Sie ihre Bomben allerdings per Frachtgut aufgeben, haben sie es deutlich leichter.. Ein zweites 9/11 kann es heute nur deswegen nicht mehr so schnell geben, weil es mehr Kameras oder Fingerabdrücke gibt, sondern weil die Airlines die Tür zum Cockpit schlicht und einfach einbruchssicher gemacht haben. Hilft aber auch nur begrenzt, wenn die Bombe im FedEx Paket liegt.
Das schlimme an diesen ganzen Diskussionen und Prozessen ist, dass sie schleichend passieren. Man merkt eigentlich gar nicht mehr, wann wer über welche Dinge diskutiert, welche Gesetzesvorlagen wieder mal gerade besprochen werden, und wie bürgerliche Freiheiten weiter abgebaut werden. Im Trailer des Films Freedom to fascism" wird eine simple Frage gestellt: Kann es sein, dass der Staat, der zumindest auf dem Papier allen Bürgern gehört, sich gegen seine Schöpfer wendet? Und wenn dem so sein sollte, warum tut er das? Welche Beweggründe gibt es denn, dass der Staat als eigenständiges Gebilde das Gefühl hat, jeder Bürger sei in einer gewissen Weise unter Generalverdacht zu stellen?
Ich habe darüber in den letzten Monaten immer mal wieder nachgedacht, aber die "Gefahrenlage" erschien mir immer zu diffus, so dass ich keine wirklich Antwort finden konnte. Also habe ich beschlossen, mal alle Meldungen zu sammeln, in denen das Thema "Sicherheit" und "bürgerliche Freiheitsrechte" in Deutschland eine Rolle spielten. Zuerst alleine, nach ein paar Wochen zusammen mit anderen, die aber über die Veröffentlichung ihrer Mitarbeit in diesem Blog selber entscheiden können. Was in den letzten zwei Monaten da zusammen gekommen ist, hat mich wirklich überrascht. Ich dachte, es kommen so ein, zwei Meldungen pro Monat rein, aber es sind dann doch ein paar mehr geworden.
Was am Ende bleibt, ist die Frage um was man sich mehr Sorgen machen muss. Um die Irren jedweder Terrorfraktion, die sinnlos Züge und Flugzeuge in die Luft sprengen wollen, oder um die Verantwortlichen in der Führung eines Staates, deren Handlungen manchmal das Gefühl aufkommen lassen, dass der autoritäre Kontrollstaat ein wünschenswertes Ziel zu sein scheint.
P.S. Es kommen in Deutschland immer noch mehr Menschen durch rechte Gewalt ums Leben, als durch irre Islamisten.
P.P.S: Heiko und Jens haben sich zu dem Thema auch gemeldet.
Die aktuelle Frage ist gerade: wie sicher fühle ich mich? Steige mich mit einer Beklemmung in einen Zug, nur weil gerade zwei Idioten in einen Regionalzug sprengen wollten? Steige ich noch mehr mit Angst in ein Flugzeug, weil man behauptet, es gäbe Menschen, die mittels Flüssigkeiten in ihren Schuhen mich in die Luft jagen?
Nein. Meine Angst von einer Bombe zerrissen zu werden, tendiert gegen Null. Da kann Herr Broder auch noch so die Angstmaschine anwerfen. Mehr Angst machen mir eigentlich die Politiker und Broders dieser Welt, die nach immer mehr Überwachung rufen, die die Angst schüren, jederzeit, vielleicht morgen schon, könne ein Zug in die Luft gejagt werden, in dem ich als braver Bürger sitzen könnte. Dieses Rufen nach mehr Gesetzen und mehr Überwachung, ist ja nix neues. Ich erinnere an die irrsinnige Diskussion um die Überwachung der "organisierten Kriminalität" in den 90er Jahren, in deren Zuge sogar Justizministerin Leutheusser Schnarrenberger aus Protest gegen den "großen Lauschangriff" zurücktrat. Was ist eigentlich aus der "organisierten Kriminalität", die damals kurz davor stand die Republik zu übernehmen, geworden?
Nach 9/11 hat man die bürgerlichen Freiheitsrechte sukzessive weiter eingedellt. Man hat Kameras installiert, sogar auf allen Autobahnen, und man denkt laut darüber nach ob man diese Kameras nicht auch für die Überwachung des gesamten Verkehrs einsetzen will. Könnte ja einer dabei sein, der vielleicht in drei Jahren mal was Verbotenes macht. Die Frage bleibt nur: was bringt die ganze Überwachung per Video, die Übermittlung aller Flugdaten in die USA, der Einbau von RFID Chips in Pässen? Und warum soll das Fliegen sicherer sein, wenn ich einen biometrischen Pass habe, während 80% der restlichen Welt Dokumente hat, die man zu Hause im Kartoffeldruck nachmachen kann?
Als in den 70er Jahren die RAF dazu überging, nicht mehr mit einem alten VW Bus, sondern im Mercedes zum Tatort zu fahren, war das Entsetzen groß. Wie geschickt diese Kerle doch waren. Da sucht die halbe Republik nach langhaarigen Latzhosenträgern und die haben sich die Haare ordentlich geschnitten, fahren Mercedes und schauen aus wie jeder andere. Zudem wussten sie genau, mit welchen Mitteln die Polizei nach ihnen suchte. Die RAF wurde nicht zerschlagen, weil man ihr mittels moderner Technik (Computer, Rasterfahndung etc.) auf die Spur gekommen war, sondern weil man es schaffte über Jahre hinweg V-Männer in der Szene zu etablieren, die im richtigen Moment den richtigen Tipp geben konnten.
An der wohl wirkungsvollsten Methode Terrorgruppen zu entlarven, hat sich auch offenbar nichts verändert. Ein kurzer Blick auf die beiden letzten bekannten Fälle sagt schon einiges aus:
Die Engländer bekamen den Tipp, der zu der angeblichen Terrorzelle in London führte, vom pakistanischen Geheimdienst. Nicht Videoüberwachung, sondern klassische Agententätigkeit führte zur Festnahme der Attentäter. Tipp bekommen, Observation, Festnahme.
Das gilt auch für die beiden, die einen Regionalzug in die Luft sprengen wollten. Nicht die Auswertung der Kamerabilder auf irgendwelchen Strassen oder Bahnhöfen brachten das Ergebnis, sondern ein Tipp des libanesischen Geheimdienstes führte auf die Spur. Und das auch erst, nachdem die Bomben entdeckt waren, und man mit der normalen Ermittlungstätigkeit angefangen hatte.
Bei den vermeintlich geplanten Anschlägen von London liegt auch so einiges im Unklaren. Ich hätte da ein paar Fragen:
- wer waren die Attentäter eigentlich?
- Wo sind die Bomben? Nach einer so erfolgreichen Festnahme wartet die Polizei selten lange mit einer Pressekonferenz, auf der sie die Bomben oder Waffen zeigt. Bisher habe ich noch keine gesehen, auf der stolz irgendwelche Flüssigkeiten gezeigt wurden.
- Wie viel Liter von dem Zeug braucht man eigentlich, um ein Flugzeug in die Luft zu jagen?
- Geht das überhaupt?
- Angeblich hat man die Terroristen geschnappt, kurz bevor sie einen "Probedurchlauf" ihres Attentats geplant hatten Mal ehrlich, da sind 10 Attentäter, die nach jahrelanger Planung einen flüssigen Sprengstoff ausgetüftelt haben, den man a) an allen Sicherheitsmaßnahmen vorbei schmuggeln kann, und den man b) im Flugzeug auf dem Klo zusammenschüttet und wie auch immer zur Explosion bringt. Sie haben jahrelang ihre Tarnung aufrecht gehalten, die benötigten Materialien gesammelt und versteckt und dann sollen die mit dem ganzen Krempel in ein Flugzeug steigen, mit dem Risiko entdeckt zu werden um einen Probedurchgang zu machen? Wären die mit dem Krempel dann wieder zurück geflogen und hätten sich gesagt: "Super, beim nächsten Mal zünden wir dann auch."?
Dank aaron einen Link mit den "Probedurchlauf"gefunden
Wie dem auch sei. Obwohl keine Kamera, kein neuer Reisepass, keine sonstigen "Sicherheitsmaßnahmen" die letzten Ereignisse haben verhindern können, schreit man nun nach noch mehr Überwachung. Sicher - die neuen Maßnahmen an den Flughäfen erschweren es den Terroristen persönlich mit Sprengstoff oder Waffen an Bord zu kommen. Wenn Sie ihre Bomben allerdings per Frachtgut aufgeben, haben sie es deutlich leichter.. Ein zweites 9/11 kann es heute nur deswegen nicht mehr so schnell geben, weil es mehr Kameras oder Fingerabdrücke gibt, sondern weil die Airlines die Tür zum Cockpit schlicht und einfach einbruchssicher gemacht haben. Hilft aber auch nur begrenzt, wenn die Bombe im FedEx Paket liegt.
Das schlimme an diesen ganzen Diskussionen und Prozessen ist, dass sie schleichend passieren. Man merkt eigentlich gar nicht mehr, wann wer über welche Dinge diskutiert, welche Gesetzesvorlagen wieder mal gerade besprochen werden, und wie bürgerliche Freiheiten weiter abgebaut werden. Im Trailer des Films Freedom to fascism" wird eine simple Frage gestellt: Kann es sein, dass der Staat, der zumindest auf dem Papier allen Bürgern gehört, sich gegen seine Schöpfer wendet? Und wenn dem so sein sollte, warum tut er das? Welche Beweggründe gibt es denn, dass der Staat als eigenständiges Gebilde das Gefühl hat, jeder Bürger sei in einer gewissen Weise unter Generalverdacht zu stellen?
Ich habe darüber in den letzten Monaten immer mal wieder nachgedacht, aber die "Gefahrenlage" erschien mir immer zu diffus, so dass ich keine wirklich Antwort finden konnte. Also habe ich beschlossen, mal alle Meldungen zu sammeln, in denen das Thema "Sicherheit" und "bürgerliche Freiheitsrechte" in Deutschland eine Rolle spielten. Zuerst alleine, nach ein paar Wochen zusammen mit anderen, die aber über die Veröffentlichung ihrer Mitarbeit in diesem Blog selber entscheiden können. Was in den letzten zwei Monaten da zusammen gekommen ist, hat mich wirklich überrascht. Ich dachte, es kommen so ein, zwei Meldungen pro Monat rein, aber es sind dann doch ein paar mehr geworden.
Was am Ende bleibt, ist die Frage um was man sich mehr Sorgen machen muss. Um die Irren jedweder Terrorfraktion, die sinnlos Züge und Flugzeuge in die Luft sprengen wollen, oder um die Verantwortlichen in der Führung eines Staates, deren Handlungen manchmal das Gefühl aufkommen lassen, dass der autoritäre Kontrollstaat ein wünschenswertes Ziel zu sein scheint.
P.S. Es kommen in Deutschland immer noch mehr Menschen durch rechte Gewalt ums Leben, als durch irre Islamisten.
P.P.S: Heiko und Jens haben sich zu dem Thema auch gemeldet.
stollentroll,
Di, 22.08.2006, 19:28
Manche sagen ja "traue nie dem Stollentroll", aber ich sage Euch, hört auf Herrn Broder, dessen Wirken bei Spo ein gleich großer Segen für die Menscheit ist wie das des Herrn Grafen Nayhauss bei der Netzeitung! Er hat 'ne tolle Schreibe, ist ganz flexibel mal für israelische Bomben, mal gegen Islamisten, mal für mehr Videoüberwachung und Einschränkung von Freiheiten, um dann überraschend die deutsche Angsthasenmentalität und den deutschen Antisemitismus/ Antiamerikanismus zu kritisieren. Seine (2) Szenarien für den Fall, hätte der Anschlag funktioniert, zeugen von einer Realitätsschärfe ohne Beispiel. Ob er auf "antideutsch" macht, im Pro-Bush-T-Shirt bei Diskussionen glänzt oder gegen die Appeasementpolitik der linksliberalen deutschen Gutmenschen wettert, er wird sicher schon irgendwie recht haben, schließlich ist er ein seriöser Journalist!
stollentroll,
22. August 2006, 19:39
Und ganz toll finde ich auch, wie schnell unsere Sicherheitspolitiker auf gescheiterte Anschläge bildungsschwacher Attentäter reagieren und so eventuellen Ängsten in der Bevölkerung entgegenwirken: Zugmarschalls, 2-Stunden-Einchecken bei S-Bahn-Fahrten, eventuelle Explosionen auf Video festhalten, spontan mal präventiv wen verhaften, Handy- und Weckerverbote in Zügen, die allerklügsten Vorschläge werden prompt schon im Frühstücksfernsehen so präsentiert, als ob das jahrzehntelang evaluiert wurde.
jo_,
Di, 22.08.2006, 20:16
Wurde der Kieler Student nicht gerade gefasst, weil er - durch die Veröffentlichung des Videos unter Druck gesetzt- unvorsichtig wurde und in die Heimat telefonierte?
stollentroll,
22. August 2006, 20:34
Ja, aber der Kieler "Fast-Student" war zu doof, die Bombe explodieren zu lassen. So kann die Videoüberwachung nur die Verhaftung nach der Tat fördern (außer bei Selbstmordattentätern), auf eher dialektische Weise. Die nächsten Täter werden dann einen Weg finden, nicht so leicht entdeckt zu werden, was die Überwachungsspirale weiterdrehen lässt.
dynaluther,
Di, 22.08.2006, 20:20
Ist doch klar!
"Was ist eigentlich aus der "organisierten Kriminalität", die damals kurz davor stand die Republik zu übernehmen, geworden?"
Sie hat übernommen. Was denn sonst?
Sie hat übernommen. Was denn sonst?
micro_robert,
Di, 22.08.2006, 20:23
Der kluge Mann trägt nicht Bedenken, sondern - wie Otto Schily - Biometrie-Aktien im Portfolio. Und der muss es ja wissen.
adel-a,
Di, 22.08.2006, 20:35
Ich denke auch, das vermehrte Kameras keine Anschläge verhindern können.
Wie viele Sicherheitskrfte würde man denn brauchen um irgendwelche Bahnhöfe überwachen zu können?
Und was ist mit den vollen InterCitys zum Wochenende?
Soll an diese Extra ein Sicherheitswagen mit einsatzbereiten Trainmarshalls und Kameraguckern angeschlossen werden?
All solche Maßnahmen sind Schwachsinn.
Ich glaube nach wie vor, das wenn ein Terrorist ernsthaft vor hat Terror zu verbreiten, ihn da kein Train, Flug oder Bahnhofmarshall dran hindern kann.
Oder würde es auffalen, wenn am Samstag eine völlig unauffällige Person in Bremen, den Intercity nach Hannover besteigt, 2 Taschen und eine ganz normale Fahrkarte ohne Sitzplatzresevierung dabei hat und die Tasche mit dem Sprengsatz in eben diesem völlig überfüllten Zug zurücklässt, während er in... keine Ahnung... Braunschweig aussteigt?
Nein, erst wenn die Bombe kurze Zeit später explodiert.
So kann man den Terror also nicht im geringsten verhindern.
Statt irgendwelche Kameras zu montieren, sollten die Politiker endlich mit ihrer Friedensstifterheuchelei aufhören und sich endlich ernsthaft bemühen, das es wenigstens nach all den Jahren des Blutvergießens einen annerkannten palästinensischen bzw./und islamischen Staat im Nahen Osten gibt...
Auch wenn dies sicherlich einige Probleme mit sich bringt.
Es wird sicherlich die Anschlagsrate um einen großen Teil mindern, denn dann haben vielleicht alle die die etwas verändern wollen auch die Möglichkeit dazu - und das eben ohne Bomben und Terror.
Ich weiß nicht welche Idiologie hinter den Anschlagsversuchen steckt, aber da es Libanesen waren, hat es wohl mit dem Nah-Ost konflikt zutun, welchen es nicht seit Bush gibt, sondern schon mehr als einem halben Jahrhundert.
Wie viele Sicherheitskrfte würde man denn brauchen um irgendwelche Bahnhöfe überwachen zu können?
Und was ist mit den vollen InterCitys zum Wochenende?
Soll an diese Extra ein Sicherheitswagen mit einsatzbereiten Trainmarshalls und Kameraguckern angeschlossen werden?
All solche Maßnahmen sind Schwachsinn.
Ich glaube nach wie vor, das wenn ein Terrorist ernsthaft vor hat Terror zu verbreiten, ihn da kein Train, Flug oder Bahnhofmarshall dran hindern kann.
Oder würde es auffalen, wenn am Samstag eine völlig unauffällige Person in Bremen, den Intercity nach Hannover besteigt, 2 Taschen und eine ganz normale Fahrkarte ohne Sitzplatzresevierung dabei hat und die Tasche mit dem Sprengsatz in eben diesem völlig überfüllten Zug zurücklässt, während er in... keine Ahnung... Braunschweig aussteigt?
Nein, erst wenn die Bombe kurze Zeit später explodiert.
So kann man den Terror also nicht im geringsten verhindern.
Statt irgendwelche Kameras zu montieren, sollten die Politiker endlich mit ihrer Friedensstifterheuchelei aufhören und sich endlich ernsthaft bemühen, das es wenigstens nach all den Jahren des Blutvergießens einen annerkannten palästinensischen bzw./und islamischen Staat im Nahen Osten gibt...
Auch wenn dies sicherlich einige Probleme mit sich bringt.
Es wird sicherlich die Anschlagsrate um einen großen Teil mindern, denn dann haben vielleicht alle die die etwas verändern wollen auch die Möglichkeit dazu - und das eben ohne Bomben und Terror.
Ich weiß nicht welche Idiologie hinter den Anschlagsversuchen steckt, aber da es Libanesen waren, hat es wohl mit dem Nah-Ost konflikt zutun, welchen es nicht seit Bush gibt, sondern schon mehr als einem halben Jahrhundert.
zahnwart,
23. August 2006, 11:21
Wenn man von Bremen nach Hannover fährt, dann ist es schon verhältnismäßig auffällig, erst in Braunschweig auszusteigen ...
frau klugscheisser,
Mi, 23.08.2006, 08:59
Mehr als Gepäckstichproben ist nicht. Auch nicht bei uns. Dazu reicht das Geld mal wieder nicht (aber für Kameras haben wir´s schon). Ich glaube nach wie vor, dass all das Gedöns nur dazu dient, dem halbwissenden Passagier Sicherheit vorzugaukeln. Ist ja auch enorm wichtig, den Schein zu wahren...
roland schwarzer,
Mi, 23.08.2006, 12:46
Gott, was hab ich mich über den Untergang der DDR gefreut und was könnte ich noch heute jedem Stasiarsch in den selbigen treten.
Aber inzwischen ist doch jeder feuchte Traum der Stasi hundertmal übertroffen worden.
Und obwohl wir natürlich immer noch in einem ungleich freieren Staat als der DDR leben, läuft es mir jedesmal eiskalt den Rücken runter, wenn ich Politiker von Sicherheit reden höre, und ich kann dann den „antiislamischen“ Schutzwall schon vor meinem inneren Auge sehen.
Vielleicht bin ich ja nur paranoid oder die DDR hat eben allzu tiefe Spuren hinterlassen, aber ich schaffe es ums Verrecken nicht, Vater Staat zu vertrauen, daß er schon nichts Böses anstellt.
Erinnert sich noch einer daran, daß die Stasi Geruchsproben gesammelt hat um im Fall der Fälle Hunde auf die Spur bringen zu können? (http://www.dhm.de/lemo/html/WegeInDieGegenwart/FolgenDerDeutschenEinheit/stasiDasUnheimlicheErbeBody.html)
Und was waren alle entsetzt. Und heute finden es plötzlich alle (viele) normal den Staat mit allen möglichen biometrischen Daten, DNS und Kontodaten zu versorgen.
Die inzwischen allgewärtigen Kameras nicht zu vergessen. Was fängt man eigentlich sinnvollerweise mit diesen Datenmassen an? Hm?
Noch mal zurück zur Stasi: Da hatten Bürger hatten die Jungs Akten über Millionen Menschen und trotzdem haben sie nicht bemerkt, daß sich gerade ein ganzes Land auflöst. Und wer da glaubt, daß man mit „intelligenter“ Software das Problem der Auswertung lösen kann, hat noch nie die Pfandflaschenerkennungssoftware in seinem örtlichen Supermarkt ausprobiert.
Verdammt, von der „Diktatur des Proletariats“ zur „Diktatur der Paranoia“, so hab ich mir das 89 auch nicht vorgestellt.
Aber inzwischen ist doch jeder feuchte Traum der Stasi hundertmal übertroffen worden.
Und obwohl wir natürlich immer noch in einem ungleich freieren Staat als der DDR leben, läuft es mir jedesmal eiskalt den Rücken runter, wenn ich Politiker von Sicherheit reden höre, und ich kann dann den „antiislamischen“ Schutzwall schon vor meinem inneren Auge sehen.
Vielleicht bin ich ja nur paranoid oder die DDR hat eben allzu tiefe Spuren hinterlassen, aber ich schaffe es ums Verrecken nicht, Vater Staat zu vertrauen, daß er schon nichts Böses anstellt.
Erinnert sich noch einer daran, daß die Stasi Geruchsproben gesammelt hat um im Fall der Fälle Hunde auf die Spur bringen zu können? (http://www.dhm.de/lemo/html/WegeInDieGegenwart/FolgenDerDeutschenEinheit/stasiDasUnheimlicheErbeBody.html)
Und was waren alle entsetzt. Und heute finden es plötzlich alle (viele) normal den Staat mit allen möglichen biometrischen Daten, DNS und Kontodaten zu versorgen.
Die inzwischen allgewärtigen Kameras nicht zu vergessen. Was fängt man eigentlich sinnvollerweise mit diesen Datenmassen an? Hm?
Noch mal zurück zur Stasi: Da hatten Bürger hatten die Jungs Akten über Millionen Menschen und trotzdem haben sie nicht bemerkt, daß sich gerade ein ganzes Land auflöst. Und wer da glaubt, daß man mit „intelligenter“ Software das Problem der Auswertung lösen kann, hat noch nie die Pfandflaschenerkennungssoftware in seinem örtlichen Supermarkt ausprobiert.
Verdammt, von der „Diktatur des Proletariats“ zur „Diktatur der Paranoia“, so hab ich mir das 89 auch nicht vorgestellt.
stollentroll,
23. August 2006, 23:40
antiislamischer Schutzwall
Hi hi, gefällt mir. Und dann die Mauer mit Mohammed-Karikaturen bemalen...
brilliantic,
Mi, 23.08.2006, 17:02
Videoüberwachung.... und die Qualität?
Sehr gut zusammengefasst. Gut, dass das mal jemand in der Ausführlichkeit und Klarheit sagt. Ich hoffe ja immer ein bisschen, dass derartige Meinungen auch die Politikerohren erreichen; zumindestens die Minister unserer Regierung müssten ja eigentlich eine eigene Pressestelle haben, die sich vielleicht mittlerweile auch mit den Veröffentlichungen in Blogs befasst.
Was mir noch zu den Videokameras einfällt: ich habe mir auf der Seite des Bundeskriminalamtes die Videoaufnahmen mal angesehen und ich kann ehrlich und überhaupt nicht glauben, dass jemals mit den unscharfen und verschwommenen Aufnahmen irgendein Tatverdächtiger gefasst werden kann.
Solche Aufnahmen lassen allerhöchstens die Weitergabe gröbster Hinweise zu Grösse, Haarfarbe, Körperbau, Kleidung und Geschlecht zu. Wie soll damit allen Ernstes nach irgendjemand wirklich gesucht werden können? Und wer bezahlt all die Kameras, die solche Dinge festhalten können, wenn auf jedem Bahnsteig und in jeder Bahn mehrere solcher Kameras installiert werden sollen?
Wie bei den im Artikel geschilderten Umständen auch hier - mehr als eine 'Lösung' des Problems um der Lösung willen ist das nicht.
Was mir noch zu den Videokameras einfällt: ich habe mir auf der Seite des Bundeskriminalamtes die Videoaufnahmen mal angesehen und ich kann ehrlich und überhaupt nicht glauben, dass jemals mit den unscharfen und verschwommenen Aufnahmen irgendein Tatverdächtiger gefasst werden kann.
Solche Aufnahmen lassen allerhöchstens die Weitergabe gröbster Hinweise zu Grösse, Haarfarbe, Körperbau, Kleidung und Geschlecht zu. Wie soll damit allen Ernstes nach irgendjemand wirklich gesucht werden können? Und wer bezahlt all die Kameras, die solche Dinge festhalten können, wenn auf jedem Bahnsteig und in jeder Bahn mehrere solcher Kameras installiert werden sollen?
Wie bei den im Artikel geschilderten Umständen auch hier - mehr als eine 'Lösung' des Problems um der Lösung willen ist das nicht.
michaelr.,
Mi, 23.08.2006, 17:09
Am gestriegen Abend hat man natürlich einen taktisch klugen Schachzug, fuer eine Videoueberwachung , in der aktuellen Diskussion gemacht. In der Tagesschau wurde eine Videosequenz eingespielt auf der man einen der beiden Männer des versuchten Anschlages im Ruhrgebiet vermuten konnte. Überzeugen tut das finde ich aber auch nicht. Ich denke mal das sie ihn erst später an Hand von Fotos die sie vom Geheimdienst oder in seiner Wohnung gefunden haben auf den Videos identifizieren konnten. Einige Bürger wird es aber bestimmt in ihrer Meinung zur Videoüberwachung umgestimmt haben.
tine,
Do, 24.08.2006, 09:32
ich habe erst diesen sommer orwells "1984" gelesen. besser spät als nie. bedrohungsszenarien derart zu nutzen, um das eigene volk in seinem verhalten zu konditionieren, kommt einen dann doch sehr bekannt vor.
kaltmamsell,
Do, 24.08.2006, 16:19
Ah wa, jeder für sich selbst. Wie meinte dieser dänische Komiker mit sichtlich nah-östlichen Vorfahren: "Leute wie ich müssen sich in England nur an ganz simple Regeln halten: NIE zur U-Bahn RENNEN."
norque,
Do, 24.08.2006, 19:20
Videoüberwachung gegen Terroristen ist doch voll super! So Public-Private-Partnership-mäßig, weil: da kann Panini nachher die Videos auswerten und Sammelbildchen mit Selbstmordattentätern 'rausbringen. Das kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, mit dem Geld können nachher noch mehr Kameras finanziert werden. Eine in jedem Wohnzimer wäre Klasse.
Zum Thema "flüssiger Sprengstoff - machbar?" gab's übrigens einen interessanten Artikel bei The Register.
Zum Thema "flüssiger Sprengstoff - machbar?" gab's übrigens einen interessanten Artikel bei The Register.
DonDahlmann,
24. August 2006, 19:29
Oh - das mit der Kamera in jedem Haus, das gibt es in England schon was länger
Danke für den Register Link. So einen Artikel hätte ich gerne mal in den deutschen Medien gelesen.
Danke für den Register Link. So einen Artikel hätte ich gerne mal in den deutschen Medien gelesen.
bat,
Do, 24.08.2006, 19:38
funny
van dannen fällt mir dabei ein: "mal sitzt der tod am nebentisch, mal sitzt der tod am steuer.".
und schon 1996, vor zehn jahren also, sang er: "die menschen sterben hier und da durch fundamentalisten".
ihr illuminaten-blog ist , aus meiner sicht zumindest, absolut wichtig. bu-reg-watch, oder so.
und schon 1996, vor zehn jahren also, sang er: "die menschen sterben hier und da durch fundamentalisten".
ihr illuminaten-blog ist , aus meiner sicht zumindest, absolut wichtig. bu-reg-watch, oder so.
vib,
Do, 24.08.2006, 22:47
vib
Vielen Dank für die Zusammenfassung von schon länger diffus Empfundenem. Manchmal glaube ich, dass Leute wie Schönbohm etc. mit ihren Vorschlägen eigentlich nur ihre tiefsitzende, noch völlig untherapierte Paranoia ausleben.
alexh,
Do, 24.08.2006, 23:20
Richtig
Sehr guter Beitrag. Ich persönlich habe mehr Angst vor jenen Politikern, die eine andere, weniger freiheitliche Gesellschaft wollen, als vor Terroristen jeglicher Art. Meine "gefühlte" Gefahr durch Terrorismus ist gleich Null. Sorgen machen mir ganz andere Dinge. Zum Beispiel die gedankenlose Nachplapperei der meisten Mainstream-Medien von Politiker-Sprüchen. Durch die Berichterstattung der letzten Wochen fühle ich mich wieder einmal bestätigt in meinem Totalverzicht von Fernsehen und Tageszeitungen.
nikolaus,
So, 27.08.2006, 14:47
Prioritäten
Vielleicht ist es ja Polemik aber ich fand den Hinweis von Herrn Hebeker heute im Presseclub nicht ganz falsch: "Ich steh lieber zwischen 3 Kameras als zwischen 3 herrenlosen Koffern."
