Die Arbeit von "Transparency International" wie der deutschen Filiale wird von anderen NGO Vertretern nicht völlig unkritisch gesehen. So weißt Claudia Eltermann in einem kostenpflichtigen aber lesenswerten Artikel bei Spiegel Online daraufhin, dass TI-D einen großen Teil ihrer Spenden ausgerechnet von Konzernen erhält, die teilweise mal unter dem nicht bestätigten Verdacht standen, selbst in Korruptionsfällen verwickelt worden zu sein. Desweiteren zitiert sie Hans See von der NGO "Business Crime Control" mit den Worten: "Wenn man so viel Geld aus der Privatwirtschaft erhält, besteht die Gefahr, Unternehmen schonend zu behandeln" und schreibt, das der Begriff Wirtschaftskriminalität bei TI "systematisch vermieden" werde. Hans See hat laut ihrem Artikel auch eher schlechte Erfahrungen mit TI gemacht. Eine sich mit TI kritisch auseinandersetzende Rede bei einem von der TI und Journalisten veranstalteten Seminar, taucht in der nachträglich gedruckten Broschüre zum Seminar nicht auf.

Desweiteren hat der französische Journalist Christian de Brie vom "Le Monde diplomatique" in der 2003 ausgestrahlten arte Doku "Weiße Westen - Schwarze Kassen" gesagt: "„Transparency International ist ein Unternehmen, das von großen Korrupten auf die Beine gestellt wurde, das heißt alle großen multinationalen Unternehmen der Welt stecken da mit drin […] – das ist so, als ob man dem Fuchs die Aufsicht über einen Hühnerstall übertragen würde und ihn darum bittet, systematisch die Mäuse zu denunzieren, die die Maiskörner der Hühner knabbern."

[Quelle, pdf]

Das sind natürlich erstmal nur unbewiesene Einzelbehauptungen einzelner Journalisten. Das sich die Wirtschaftsredaktions des Spiegel aber schon vor über zwei Jahren mit TI beschäftigt hat, und den leisen Verdacht äußert, dass eine Mitgliedschaft bei TI sich bei einem entdeckten Korruptionsfall als hilfreiches Instrument erweisen könnte, ist schon interessant. Ob und in wie weit die von einem ehemaligen Weltbankdirektor gegründete Institution dort einer massiven von ihr unter Umständen nicht zu steuernden Gefahr einer Ausnutzung unterliegen könnte, ist eine ebenso interessante Frage, wie die von Hans See. Ob es Sinn macht, dass Transparency von Unternehmen Geld annimmt, bei denen ein Anfangsverdacht der Korruption bestanden hat, ist zumindest aus PR-technischer Sicht fraglich. Vielleicht sollte man seitens Transparency überlegen, in einem staatsanwaltlich verfolgten Korruptionsverdacht gegenüber einem Spender des Vereins, diese Spenden zumindest auf ein Sperrkonto einzuzahlen, bis die Sache geklärt ist.

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reformstaub, Di, 28.03.2006, 18:15
"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert", so weiß es zumindest der Volksmund. Ob das auch für gemeinnützige und Gemeinwohlinteressen verteidigende NGOs gilt ist aber eher zu bezweifeln.

DonDahlmann, 28. März 2006, 18:45
Naja, man kann das von zwei Seiten sehen. Zum einen kann man den Standpunkt von TI nachvollziehen. In dem sie Geld von den Firmen annehmen, kommen sie mit diesen überhaupt auch erstmal in Kontakt Sie können die Firmen für ihr Anliegen aufmerksam machen und mit einer Mitgliedschaft bei Transparency erwirken, dass das Thema Korruption sensibler angefasst wird. Ein Rauswurf bei TI ist für eine Firma auch keine gute PR.

Auf der anderen Seite ist es schon komisch, dass man Spendengelder aus solchen Quellen annimmt. Andere NGOs oder Institutionen wie Greenpeace verzichten drauf, und kommen auch über die Runden. Es ist schwierig zu vermitteln, dass man einerseits massiv Korruption bekämpfen möchte, andererseits Spenden von Firmen annimmt, die hier und da genau damit Probleme zu haben scheinen. Es wäre im Sinne der verlangten Transparenz sicher besser, wenn man hier eine andere Regelung finden würde, denn der alte Spruch "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing" ist den meisten Menschen ja noch sehr geläufig.

reformstaub, 29. März 2006, 12:33
Die beiden Seiten der Medaille sind bei rainersacht.de ganz gut dargestellt: Die Idee, mit Unternehmen zu sprechen, anstatt sie gleich an den Pranger zu stellen ist gut. Die Leute, die die NGO heute in Deutschland leiten sind aber nicht fähig, diese Idee, die immer eine Gratwanderung ist und viel Feingefühl erfordert, angemessen umzusetzen.
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