Sonntag, 9. Juli 2006

Auch so eine Sache, die ich nie verstanden habe: Der Autokorso. Warum macht man das? Warum setzt man sich in sein Auto, hupt und fährt zielgerichtet genau dahin, wo alle anderen auch hinfahren. Ein Autokorso war in den 80er Jahren allenfalls ein mit dem hübschen deutschen Wort "Sternfahrt" umschriebener Ausflug von älteren Herren in noch älteren Automobilien zu einem gemeinsamen Ausflugsziel im Sauerland (Bergische Schlachtplatte).

Heute ist ein Autokorso in aller erster Linie offenbar ein Stau, in den vor allem jugendliche Chauffeure ihre tiefergelegte Freundinnen mit ihren tiefergelegten Fahrzeugen gerne hinein fahren. Durch einen solche habe ich so eben Frau Julie nach Hause chauffiert habe, nachdem wir gemeinsam in der Brause WG hektisch mit einer weiteren freundlichen Dame auf dem Dach geraucht hatten, um ja nicht irgendeins der viele Tore zu verpassen. Als wir so im Stau standen, dachte ich einen Moment darüber nach, ob ich Frau Julie darum bitten sollte, doch schnell mal aussteigen um ihr neues Bedrohungsszenario auszuprobieren. Frau Julie leckt seit neustem ihre Kinder ab, damit mal Ruhe ist. Vielleicht, so mein Gedanke, würde sich der Stau, der zum gestauten Autokorso auf dem weit entfernten Kudamm gehörte, dann auflösen, würde Frau Julie kurz aussteigen, und alle vor uns stehenden Autofahrer ablecken. Hab mich aber nicht getraut zu fragen. Wußte auch nicht, ob ich Frau Julies Speichelproduktion mit meiner Idee überlaste und sie am Ende zu Hause nichts mehr hat, mit dem sie drohen kann.

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