Kurz vermeldet aus der Blogpause.

So - die Pause ist gar nicht so schlecht. Immerhin habe ich aus einem Layout des Großbloggbaumeisters ein neues gezimmert. Das sieht zwar dem alten Dings nicht unähnlich, basiert aber auf einem komplett neuen CSS. Damit auch nicht mehr so viele überraschende Momente in der Darstellung. Aber auch das Neue ist nur ein Übergang.

Es geht mir eigentlich darum, ein Layout zu haben, in dem ich meine mittlerweile ziemlich verstreuten Aktivitäten zumindest einigermaßen bündeln kann. Leider gibt es da bisher noch nichts. Ich habe aber das Glück bei einem neuen Dienst in der "Alpha" Phase zu sein, der auf den ersten Blick wirklich gut aussieht. Mit dem sollte es in der Zukunft möglich sein, die eigenen Aktivitäten per RSS Feed in ein Widget einfliessen zu lassen.

Bis dahin gibt es nur das Twitter Widget, das auch nur dann funktioniert, wenn man Java Skript aktiviert. Wer das nicht hat, sieht auch nichts ausser der Überschrift.

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Ich unterbreche meine immerhin schon vier Tage andauernde Blogpause, da ich offenbar nicht allein bin, mit meinen Fragen an die Blogszene

Dirk Olbertz macht seinen Counter "blogscout.de" dicht. Das kommt einerseits etwas überraschend, andererseits kann ich die Gründe, die die er anführt vollkommen nachvollziehen. Sie entsprechen im Grunde denen, die mich im Moment dazu bewegen, dieses Blog mal ruhen zu lassen. Er beendet sein Projekt, weil es nicht der Wegweiser in der Blogszene werden kann, den er sich wünscht, ich pausiere, weil ich mich nach ziemlich genau 5 Jahren Antville und insgesamt sechseinhalb Jahren Blogtätigkeit frage, ob die Art und Weise, wie ich mein Blog führe und wie ich die Blogszene sehe, überhaupt noch a)zeitgemäß ist, und b) Sinn macht.

Damit meine ich nicht den Umstand, dass sich jemand hinsetzt, etwas aufschreibt und ins Netz stellt. Das halte ich weiterhin für eine Idee, die man nicht verbessern kann. Mir geht es einerseits um die Technik, andererseits darum, was das Ganze überhaupt bringt. Vielleicht liegt meine momentane Abneigung gegenüber der Blogosphäre auch daran, dass ich a) in diesem Jahr ein wenig überarbeitet bin und b) ich eben schon so lange dabei bin. Jedenfalls wundert mich der Zustand und der Umgangston in der deutschen Blogszene. Es gibt einfach zu viele Leute, bei denen man den Gedanken hat, das von Matt und Jörges vielleicht doch Recht hatten. Und es sind zu viele Blogs wie f aufgetaucht, dessen Inhalt anscheinend einfach nur darin besteht, sich als Held darzustellen, um den Menschen mal zu erklären, wie es richtig funktioniert, alleine aus dem Grund, um sich über andere zu stellen zu können. Und es sind zu viele Blogs aufgetaucht, in denen es nur noch darum geht zu nörgeln. Ich habe ca. 250 Blogs deutschsprachige Blogs abonniert, und in vielen geht es zu, wie am Reklamtionsschalter eines schwäbischen Möbelhauses. "Da ist Farbe abgeplatzt!", "SIE HABEN EINE NUSS ZU WENIG GELIEFERT!!!1!", "Das nennen sie ein Spaltmaß?". Es wird genörgelt und es werden andere Blogger mal offen, mal weniger offen beschimpft. Meist mit dem Ziel, mal wieder selber ein paar Klicks zu bekommen. Es geht vielen nicht mehr Austausch, sondern nur daraum eine Meinung zu postulieren und wenn dafür jemanden ans Bein pinkeln muss, dann ist das eben so und der andere hat es auch nicht besser verdient. Das die ersten Abmahnungen zwischen Bloggern aufgetaucht sind, wundert mich zwar nicht, macht mich deswegen aber auch nicht glücklicher, sondern eher panisch, weil wir ja noch Sommer haben und der Herbst/Winter, in dem traditionell mehr im Netz los ist, erst noch kommt.

Wie gesagt, kann ja sein, dass meine Beobachtung auch meiner allgemeinen Müdigkeit geschuldet ist. Aber stelle ich mir halt gerade die grundsätzliche Frage, was ich mache möchte. Microblogging? Eine Art automatisierter Bookmarkfeed? Oder alles vergessen, komplett wieder ins "private" gehen und ab und an Katzenbilder online stellen? Oder vielleicht alles zusammen? Ach, das geht nicht, weil das "Image" ja heute wichtig ist. Und man wird ja allerhöchstens als "schrullig" bezeichnet, wenn man zwischen Bildern, Reiseberichten, Kochrezepten auch mal was über das neue "Links" schreibt. Um glaubhaft zu sein, muss man sich schon entscheiden. Dabei dachte ich immer, dass Blogs gerade genau das ausmacht, dieser Mix.

Naja, mal sehen, was mir so einfällt. Deswegen gehe ich jetzt wieder in meine Nachdenkecke. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Heiko Werning war in den USA im Urlaub und berichtet darüber höchst amüsant in seinem Blog bei der taz:
Als ich mein Reiseziel Florida im Vorfeld der Tour erwähnte, wurde ich wiederholt mitleidig bis missbilligend angeschaut. Er jedenfalls fahre nicht mehr in die USA, so lange George Bush da regiere, teilte mir ein Bekannter mit – und abgesehen davon, dass diese eiserne Haltung das Bush-Regime sicherlich bald schon in die Knie gezwungen haben wird, bin ich relativ sicher, dass dieselbe Person mir bei einer Reise nach sagen wir China begeistert beigepflichtet hätte, wie aufregend und spannend das sei. Und spannend ist China ja auch, vor allem für die Dissidenten, die dort reihenweise umgenietet werden. Aber da geht es ja schließlich um kritischen Dialog oder so.

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Soso. Sponline schreibt (immerhin mal mit halbempörten Unterton):
Ziel der "Postbeschlagnahmungen" seien ausschließlich Bekennerbriefe gewesen, hieß es heute.
[...]

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wurde nur ein Brief geöffnet, die übrigen äußerlich in Augenschein genommen.
Frage 1:
Warum muss man Bekennerschreiben, die meist an so unbekannte Adressaten wie jene der dpa gerichtet sind, abfangen, wenn sie doch eh ankommen und der Polizei übergeben werden? Denkt man, dass sich die mögliche Terroristen die Schreiben erst einmal mit vollem Absender zum Gegenlesen gegenseitig per Post zuschicken? Nach dem Motto "Du, schau mal wegen der Kommata?"

Frage 2:
Wie erkennt man ein Bekennerschreiben, die ja vermutlich nicht selten ohne Absendeadresse kommen? Krackelige Handschrift? Am Rand angekokelt? Mao-Briefmarke?

Frage 3:
Wenn die Behörden nur Bekennerschreiben gesucht haben, warum haben Sie dann die Post aus den Stadtteilen Eimsbüttel und St.Georg gefilzt? Da sitzt keine einzige Redaktion, an die ein Bekennerschreiben gerichtet werden könnte. Die sitzen alle im Zustellbezirk Mitte.

Frage 4:
Freuen sich die Journalisten, die in den Stadtteilen gerne wohnen, dass ihre Post gegengelesen wird?

Frage 5:
Ich glaube kaum, dass sich irgendein ein militanter Linker noch die Mieten in der Schanze erlauben kann. Wen überwacht man da?

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Ich war ja eigentlich der Meinung, dass die Regierung die Grenzen des Rechtsstaates akzeptiert. Sie vielleicht versucht einzudellen, aber im Grunde akzeptiert. Und les ich gerade bei den Kollegen das hier:
...dass Online-Durchsuchungen von Computern durch Nachrichtendienste des Bundes bereits seit 2005 auf der Rechtsgrundlage einer „Dienstvorschrift“ stattfinden, die vom damaligen Innenminister Otto Schily abgezeichnet worden sei. [...]
Nur um es klar zu formulieren: Die Diskussion, ob Online-Durchsuchungen überhaupt stattfinden dürfen, ob ein Staat so weit gehen darf, und was die Bürger davon halten, ist schon längst gelaufen. Es reichen jetzt "Dienstanweisungen" eines Ministers, um sich über das Grundgesetz hinweg zu setzen. Die Untergebenen haben auch nichts besseres zu tun, als diese umzusetzen. Befehl ist ja Befehl, das kennen wir ja noch von der Wehrmacht.

Nachtrag 25-04-07, 18:03 Uhr
Die Sache wirft Fragen auf. Nicht nur ob die "Dienstanweisung" eines Ministers über dem Grundgesetz steht. Viel mehr, über welche technischen Möglichkeiten die Ermittlungsbehörden schon seit 2005 (und vermutlich früher), schon verfügen konnten.

In einer sehr lesenswerten Zusammenfassung auf einer Strafrechtsseite kann man erfahren:
Seit 2005 verpflichtet sie etwa die Telekommunikations-Überwachungs-Verordnung (TKÜV)[70] in Verbindung mit einer dazu aufgrund einer Ermächtigung in § 11 TKÜV ergangenen Technischen Richtlinie,[71] Standardschnittstellen zur Ausleitung bestimmter Daten an die Strafverfolgungsbehörden bereitzustellen.
Das ist zweifach interessant:

1. Behörden unterliegen den gleichen technologischen Gesetzen, wie der Rest der Welt. Mit anderen Worten: auch Behörden haben erstmal die Technologie und schaffen dann die gesetzlichen Rahmenbedingungen für deren Einsatz. Da man 2005 also schon sehr konkret in einem Gesetz etwas festschreiben konnte, liegt die Vermutung nahe, dass man schon seit weit vor 2005 an einer technischen Lösung einer Online Durchsuchung arbeitet.

2. Wo man was ausleiten kann, kann man auch was einleiten. Eine Schnittstelle ist immer nach beiden Seiten offen.

Mir geht es bei der Sache nicht mal um die Online-Durchsuchung als solche, sondern um die Art und Weise, wie nach Gutsherrenart Politik gemacht wird. Was kommt als nächstes? Post-It Notizen eines Ministers, die das Grundgesetz aushebeln?

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