Sonntag, 21. Mai 2006
Es war klar, dass sich an die Aktion von Opel eine Diskussion anschließen würde. Darauf hab ich auch gewartet und es hat mich eher überrascht, dass diese Diskussion zunächst ausschließlich beim Herrn Poodle geführt wurde. Überrascht hat mich eher das Niveau, mit dem manche (mir völlig unbekannte) Menschen über die beteiligten Autoren hergezogen haben. Aber so was kommt bei mir in die Ablage "Viel Feind, viel Ehr." Im Gegensatz zu seinen Freunden, kann man sich leider seine Feinde nicht aussuchen. Genervt hat mich deswegen einzig und allein die Tatsache, dass das Niveau teilweise so niedrig war, das man sich sogar für seine Feinde schämen musste.

Don Alphonso hat in einem lesenswerten Beitrag versucht, die Diskussion in die Richtung zu schubsen, die interessant ist. Also, ob man seine Glaubwürdigkeit verliert, schreibt man über ein gesponsortes Produkt. Daher meine Antwort jetzt hier.

Wie schon erwähnt, war ich mir zunächst auch unsicher, ob und in welcher Form ich an dieser Aktion teilnehmen soll. Ich hab mich dafür entschieden, weil ich ein Egomane bin. Es ist mir völlig wurscht, was für ein Auto das ist, welche Marke dahinter steckt oder welche Agentur. Mir ging und geht es einzig und allein um die Frage: Was mache ich mit dieser ganzen Sache? Was fällt mir zum Thema Auto überhaupt ein? Don Alphonso meint, die ersten Einträge seien holperig und in der Form sicher nie in diesem Blog erschienen. Das mag richtig sein, aber ich experimentiere rum. Genau, wie in der Phase, als ich mal ein halbes Jahr nur Lyrik und Bilder im Blog hatte, um zu sehen, ob es mir gelingt mich und meine täglich wechselnde Gefühlswelt ausdrücken. In der Gemengenlage, sehe ich für mich den Opel auch. Ich will jetzt nicht meine Gefühle mit ihm ausdrücken. Was ich sagen möchte: Der Wagen interessiert mich nicht an erster Stelle, sondern nur die Art und Weise, wie ich mich damit auseinandersetze und was mir zu dem Thema einfällt. Was mich persönlich auch viel mehr beschäftigt als die Frage „Verlier ich meine Glaubwürdigkeit als Autor“, ist die Frage: „Kann ich so ein Thema nach den Maßstäben umsetzen, die ich auch sonst an meine Texte stelle?“ Die Frage macht mir viel mehr Sorgen.

Was meine Käuflichkeit angeht: klar, ich bin käuflich. Wenn irgendein Reiseveranstalter auf die Idee kommt, mich für vier Wochen irgendwo hin zu schicken und mir auch noch Geld dafür gibt, damit ich über das neue, tolle Hotel schreibe: mach ich, voraus gesetzt, ich kann schreiben was ich will und ich habe das Gefühl, dass es mir Spaß machen könnte darüber etwas zu schreiben. Wenn mir ein Lebensmittelhersteller einen Monat lang irgendeinen Schmarrn frei Haus liefert und mir dafür Geld gibt, mach ich mit, voraus gesetzt, ich kann schreiben was ich will und ich habe das Gefühl, dass es mir Spaß machen könnte darüber etwas zu schreiben. Genau das war auch der Grund, warum ich es abgelehnt habe, bei der Aktion von AMD mit zu machen, die mir bei der Lesung in Hamburg angetragen wurde. Dabei war die Frage nicht: was soll ich mit einem Laptop? Sondern: was sollte ich denn da drüber schreiben und behalte ich die Endkontrolle? Und dies wiederum war am Ende der Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, den Opel zu nehmen und in dieses Blog einzubinden.

Es kam auch von verschiedenen Seiten das Argument auf, dass man diese Aktion vielleicht nicht im eigenen Blog hätte machen sollen, sondern ein dafür eigens eingerichtetes Blog nimmt. Aber das hätte ich nicht gemacht, und der Grund dafür ist: Glaubwürdigkeit. Wenn ich in einem Blog schreibe, dass von einer Agentur oder einem Hersteller eingerichtet worden ist, habe ich keine Kontrolle mehr. Hier habe ich sie, und niemand außer mir kann auch nachträglich etwas an den Texten oder den Kommentaren ändern. Hätte ich es in einem fremden Blog machen müssen, hätte ich die Aktion nicht mitgemacht oder mich so ordentlich dafür bezahlen lassen, der geplante Urlaub in der First Class erfolgt wäre.

Und ein Wort zu Opel: Es gab viele Einträge, die sich darüber mokiert haben, dass man ausgerechnet einen Opel als Testwagen annimmt. Es gab auch einige, die geschrieben haben: „Oh, Opel. Doof. Aber einen Porsche oder einen Maserati, den würd ich nehmen.“ Kann ich nicht verstehen. Würde die Aktion glaubwürdiger aussehen, wenn es ein VW, ein Honda oder ein Ferrari gewesen wäre? Hätte ein anderer Wagen etwas an der Diskussion geändert? Diese "Ach, Gottchen, Opel. Wer so was annimmt hat nun wirklich keinen Stil" Argumentation steht auf sehr wackligen Beinen, impliziert sie doch den Gedanken, dass man einen Porsche sehr gerne in sein Blog gelassen hätte, obwohl die Art und Weise wie man "gekauft" wird, sich nicht unterscheidet. Der in den letzten Tagen oft herbei gerufene "moralische Verfall", der angeblich durch Pia, Ix, MC und mir ausgelöst wurde, würde ja nun auch nicht weniger schlimm sein, wenn es sich um einen Porsche handeln würde. Im Gegenteil. Einen Opel anzunehmen finde ich da schon mutiger.

Ändert sich durch diese Aktion in der Blogsphäre etwas? Oh ja, und das will ich auch schwer hoffen. Denn zum ersten Mal, neben der Aktion von Coca Cola mit der Kollegin Lyssa, werden Blogs als was anderes wahrgenommen, als Internetplattformen die von ein paar notorischen Nörglern betrieben werden. Sowohl Blogs als auch die Autoren, werden als gleichberechtigte Medienpartner behandelt. Das birgt Risiken, aber auch Vorteile. Wenn ich mich irgendwo akkreditiere, wie zum Beispiel beim nächste Woche stattfindenden medienforum.nrw, dann mache ich das immer über mein Blog. Voriges Jahr gab es da noch oft Nachfragen (wie Blog, wasn ditte?), dieses Jahr gab es noch keine Nachfrage. Blogs und Blogautoren werden wahr- und was viel wichtiger ist, sie werden ernst genommen.

Aber es gibt eben auch das Risiko: Natürlich liegt bei einer Aktion wie dieser das Wort "Instrumentalisierung" schneller in der Luft, als man es fehlerfrei schreiben kann. Aber, wie bei allen Dingen, gehören zu einer vernünftigen Instrumentalisierung immer zwei Seiten. Einer der es macht, und einer, der es mit sich machen lässt. Ich fühle mich bei dieser Aktion und ihrem, von mir bestimmten Rahmen, nicht in meiner Integrität angegriffen, weil ich entscheiden kann, wann und was ich schreibe. Was ich mit der Aufwandsentschädigung mache, weiß ich noch nicht, zumal ich auch bisher weder Geld noch Tankgutscheine erhalten habe, sondern das Auto mit meinem Geld betanke, und ich habe die Frage in diesem Blog, auch unter dem Gesichtspunkt der "Blogetikette" schon öffentlich gestellt. Die bisherigen Antworten waren eindeutig. Womit auch gleichzeitig noch etwas anderes gesagt ist: Es gibt ein paar Kritiker dieser Aktion, aber es gibt auch ebenso viele Leser und Blogger, die überhaupt kein Problem damit haben

Ich finde es interessant, dass man sich über Glaubwürdigkeit und Authentizität Gedanken macht, und ich finde auch, dass die Diskussion notwendig ist. Aber vielleicht sollte man der Sache auch etwas mehr Zeit einräumen. Ich habe längst nicht alle Artikel geschrieben, die mir zum Thema "Opel" und "Autos" im allgemeinen eingefallen sind, und es wäre nett, wenn man die Aktion erstmal ein wenig laufen lässt, bevor man den Niedergang des Abendlandes in der Blogsphäre herbei unkt.

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