Dienstag, 28. März 2006

Die Arbeit von "Transparency International" wie der deutschen Filiale wird von anderen NGO Vertretern nicht völlig unkritisch gesehen. So weißt Claudia Eltermann in einem kostenpflichtigen aber lesenswerten Artikel bei Spiegel Online daraufhin, dass TI-D einen großen Teil ihrer Spenden ausgerechnet von Konzernen erhält, die teilweise mal unter dem nicht bestätigten Verdacht standen, selbst in Korruptionsfällen verwickelt worden zu sein. Desweiteren zitiert sie Hans See von der NGO "Business Crime Control" mit den Worten: "Wenn man so viel Geld aus der Privatwirtschaft erhält, besteht die Gefahr, Unternehmen schonend zu behandeln" und schreibt, das der Begriff Wirtschaftskriminalität bei TI "systematisch vermieden" werde. Hans See hat laut ihrem Artikel auch eher schlechte Erfahrungen mit TI gemacht. Eine sich mit TI kritisch auseinandersetzende Rede bei einem von der TI und Journalisten veranstalteten Seminar, taucht in der nachträglich gedruckten Broschüre zum Seminar nicht auf.

Desweiteren hat der französische Journalist Christian de Brie vom "Le Monde diplomatique" in der 2003 ausgestrahlten arte Doku "Weiße Westen - Schwarze Kassen" gesagt: "„Transparency International ist ein Unternehmen, das von großen Korrupten auf die Beine gestellt wurde, das heißt alle großen multinationalen Unternehmen der Welt stecken da mit drin […] – das ist so, als ob man dem Fuchs die Aufsicht über einen Hühnerstall übertragen würde und ihn darum bittet, systematisch die Mäuse zu denunzieren, die die Maiskörner der Hühner knabbern."

[Quelle, pdf]

Das sind natürlich erstmal nur unbewiesene Einzelbehauptungen einzelner Journalisten. Das sich die Wirtschaftsredaktions des Spiegel aber schon vor über zwei Jahren mit TI beschäftigt hat, und den leisen Verdacht äußert, dass eine Mitgliedschaft bei TI sich bei einem entdeckten Korruptionsfall als hilfreiches Instrument erweisen könnte, ist schon interessant. Ob und in wie weit die von einem ehemaligen Weltbankdirektor gegründete Institution dort einer massiven von ihr unter Umständen nicht zu steuernden Gefahr einer Ausnutzung unterliegen könnte, ist eine ebenso interessante Frage, wie die von Hans See. Ob es Sinn macht, dass Transparency von Unternehmen Geld annimmt, bei denen ein Anfangsverdacht der Korruption bestanden hat, ist zumindest aus PR-technischer Sicht fraglich. Vielleicht sollte man seitens Transparency überlegen, in einem staatsanwaltlich verfolgten Korruptionsverdacht gegenüber einem Spender des Vereins, diese Spenden zumindest auf ein Sperrkonto einzuzahlen, bis die Sache geklärt ist.

Permalink

 


All diese Einzelheiten hätte TI nach Eigenverständnis gar nicht veröffentlichen dürfen – auch Justiziar Marten hatte zuvor gegenüber FOCUS Online auf die verschiedenen Persönlichkeitsrechte verwiesen. Doch weder dazu noch mit seinen Äußerungen zum juristischen Vorgehen will sich der Ethikbeauftragte zitieren lassen: Er werde keine Äußerungen zur Veröffentlichung freigeben, teilte Marten schriftlich mit, weil die Zitate „ihren Bedeutungsinhalt aus dem Zusammenhang (erlangen), in den Sie sie stellen“. Im Klartext: ohne Kenntnis des gesamten Berichts kein Zitat – ein Vorgehen, mit dem kein Politiker davonkäme.

Das da oben schreibt der Focus, womit die Sache innerhalb von nur zwei Arbeitstagen in etablierten Medien angekommen ist. Der Bericht macht etwas deutlich, was mich die ganze Zeit bei dieser Geschichte gewundert hat: offenbar ist man im Umgang mit Medien jedweger Prägung nicht trainiert, um es mal freundlich auszudrücken. Das Verhalten, dass der "Focus" in seinem Artikel beschreibt, erinnert einen auch eher an die Abwiegelungstaktiken eines nicht eben auf demokratischen Grundsätzen basierenden Staatssystems. Nix sagen, das Gesagte nicht freigeben, auf laue Pressemitteilungen verweisen und darauf hinweisen, dass man ja eigentlich total nett war, in dem man Moni nicht direkt abgemahnt hat. Offenbar ist das Meinungs-, Pressefreiheits,- und Demokratieverständnis innnerhalb der Geschäftsführung bei "Transparency Deutschland" nicht so weit ausgeprägt, wie man es sich vielleicht an dieser Stelle wünschen würde. Dadurch weckt die Gechäftsführung selber den Verdacht, dass der von Moni geschilderte Fall nicht allein steht und man einen schärferen Blick auf die Art und Weise werfen sollte, wie "Transparency Deutschland" arbeitet.

Nachtrag: Tagesschau Netzeitung und N24, wo der gleiche Artikel steht

Einige Informationen aus dem Tagesschau Artikel sind nicht völlig korrekt. Beim anderen Don werden weitere Artikel gesammelt und diskutiert.

Permalink